Rund um den orthodoxen Tisch

 

Rezepte aus der orthodoxen Küche.

 

Wenn man über die Küche der christlich-orthodoxen Völker sprechen, so ist ihr religiöser Charakter, ihre Ausrichtung an den Festen und Fastenzeiten des Kirchenjahres, unbedingt zu erwähnen. Es gibt deshalb eine Einteilung in einen „normalen“ und in einen von den Fastenzeiten geprägten orthodoxen Esstisch. In allen vor der russischen Revolution herausgegebenen Kochbüchern finden wir  eine klare Teilung der Gerichte in die Klassen „Fasten“ und „nicht Fasten“.

 

Als Fasten bezeichnet wir Orthodoxen vorgegebene Nahrungsregeln, die zu unserem Gebetsleben beitragen und das innere, geistliche Wachstum des Menschen unterstützen sollen. Die orthodoxe Kirche legt großen Wert auf das Fasten. Von seiner Beachtung hängt im bedeutenden Maße das innere Leben des Menschen ab, worüber uns die Heiligen alle Väter Zeiten klar Zeugnis geben.

 

Fasten bezieht sich ganz natürlich auf den Zeitlichen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel. Aber es beschränkt sich weder darauf noch hat es in der orthodoxen Spiritualität einen diätischen Sinn. Heilfasten mag also medizinisch sinnvoll sein, hat jedoch mit dem orthodoxen Fasten nur den Wortlaut und nicht den Sinn gemein. Deshalb darf man den Sinn des Fastens nur auf die Absage von diesen oder jenen Speisen missverstehen. „Wer Fasten nur auf die Enthaltung von Nahrung beschränkt, der entehrt es am meisten“, — so sagt uns der heilige Johannes Chrysostomos. — „Fastest du? Beweise es mir mit deinem eigenen Schaffen… Was nützt es, wenn wir auf Vögel und Fische verzichten und mit unseren Brüdern zanken?“ Die christlich- orthodoxen Fastentage sind also eine Zeit der Hinwendung zu Gott, der geistigen Vervollkommnung, Tage des verstärkten Gebetes und der Buße, der Umkehr von falschen, im Laufe der Zeit zur nur noch schwer zu durchbrechenden falschen Gewohnheit.

 

Im kirchlichen  Kalender und Typikon der orthodoxen Kirche sind mehr als 220 Fasttage im Laufe eines Jahres vorgesehen. Welche Tage gelten im orthodoxen Kalender als Abstinenztage?

 

Die grundlegende Hauptregel lautet: Wir Orthodoxen fasten an jedem Mittwoch und Freitag, weil am Mittwoch Christus den Weg zu Seinen Leiden beschritten und an diesem Tage dann durch die Heilige apostelgleiche Kaiserin Helena das heilige und lebensspendende Kreuz in Jeusalem wieder aufgefunden wurde und am Freitag, weil an diesem Tag unser HERR Jesus Christus gekreuzigt wurde. In den Klöstern fasten die Mönche und Nonnen auch noch am Montag, dem Gedenktag der heiligen Erzengel und Engel und aller Himmlischen Mächte, um sich noch besser in das monastische Leben, das als ein engelgleiches Leben verstanden wird, hinein zu wachsen.  Dieser wöchentliche Zyklus des Wechsels von normalen und Fasttagen dauert  den ganzen Jahreslauf, außer in den Fastenfreien Wochen (Butterwoche, Lichten Woche, der Woche der weihnachtlichen Festzeit und des Theophaniefestes)

 

An den Fasttagen „verbietet“ uns die Kirche nicht etwas, sondern lädt uns vielmehr dazu ein, an einer geistlich-asketischen Erfahrung teilzuhaben. Gerade in einer Zeit, wo die unverzügliche Befriedigung eines jeden Wunsches im hier und jetzt zur einzig wahren Glückserfahrung  hochstilisiert wird, lädt uns, im Gegensatz zu dieser Ideologie des Zeitgeist, unsere orthodoxe Kirche gerade dazu ein, Erfüllung und Lebenssinn nicht im hemmungslosen Konsum,  sondern in einem Leben, das vom rechten Maß - also vom Maßhalten - geprägt ist, zu finden. Diesen ganz anderen Erfahrungsraum zu betreten setzt aber nun einmal voraus, dass wir uns auf diesen Fastenzyklus lebenspraktisch  einlassen.

 

Die orthodoxe Kirche lädt uns an diesen Fasttagen zum Verzicht auf Nahrungsmittel tierischer Herkunft (Fleisch, Milch, Butter, Eier, Käse) ein. Nur Pflanzennahrung, die ohne Öl zubereitet wurde, ist dann erlaubt. Fällt ein Fest auf einen solchen Fasttag, so sind wegen des Festcharakters des Tages Fisch, Wein und Öl erlaubt. Dies sind die „strikten Regeln“, die jedoch in den meisten Fällen so streng nur noch in den Klöstern beachtet werden. Wie wir in konkreten Einzelfall des persönlichen Lebensvollzuges, in unserem Arbeits- und Familienleben, die zu uns passende Adaption der kirchlich- asketischen Fastenordnung finden, so dass wir in unserem geistlichen Leben Entwicklung und Wachstum erfahren, sollten wir mit unserem Beichtvater besprechen.

 

Neben diesem Wochenzyklus gibt es vier große Fastenzeiten im orthodoxen Jahreskreis. Das sind die 40 Tage der Heiligen Großen Fastenzeit, die Apostel- oder Peter- und Paul-Fastenzeit, die Maria-Entschlafung-Fastenzeit und die vierzigtägige Philippus-Fastenzeit (Adventszeit).

 

Außerdem soll am Tag der Kreuzerhöhung, am Tag der Enthauptung des Heiligen Johannes des Täufers, am Heiligabend bis zur Vesperliturgie und am Vorabend der Theophanie bis zur Vepserliturgie gefastet werden. 

 

Mit den auf dieser Webseite angebotenen Rezepten soll eine praktische Hilfestellung gegeben werden, denn nicht nur die Orthodoxen, die ohne die praktische Erfahrung eines von kirchlichen Regeln geprägten Hauses aufgewachsen sind, werden sich über Neuentdeckungen freuen. Vielleicht werden sie so zu einem kleinen „Trost“ während der Fastenzeit werden können.

 

Auch bei strenger Observanz der kirchlichen Fastregeln gibt es Umstände, die die Beachtung des Fastens erschweren (z. B. während einer Reise oder einer Krankheit). Hier sieht das Typikon selbst schon eine Fastenerleichterung vor. Ältere und kranke Menschen, Kinder unter 14 Jahre und Schwangere sind ebenfalls von der strengen Beachtung der Fastenordnung befreit. Auch hier rät die orthodoxe Kirche, über das Maß der Nachsicht mit dem geistigen Vater zu sprechen und natürlich den fachlichen Rat seines Arztes zu beachten.

 

Wenn wir bei nichtorthodoxen Menschen eingeladen sind, so kritisieren wir ihre Gastfreundschaft nicht dadurch, dass wir die Angebotenen Speisen ablehnen. Dies wäre lieblos und damit gegen den geistlichen Sinn des Fastens gerichtet. 

 

In vielen adeligen Häusern im Russland  der Zeit vor der Oktoberrevolution wurde das Fasten sehr streng beachtet. Jedoch gab es auch viele, die nur in der ersten und letzten Woche fasteten und diejenigen, die Fasten überhaupt ignorierten. Ähnliches war auch im Bürgertum und bei den Bauern zu finden. Heute ist selbst bei nicht vollkommenen kirchenfernen Orthodoxen einerseits das spirituelle Verständnis, wie auch die gelebte Praxis eines kirchlich geprägten Hauses geschwunden. Deshalb hoffen wir, mit dieser Rubrik ein Mosaiksteinchen zu einer zeitgemäßen Wiederbelebung der Gestaltung der häuslichen Küche nach den Regeln der orthodoxen Tradition beisteuern zu können.

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Überlegungen zur "Krise des Fasten" in der heutigen Zeit

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die vier Fastenzeiten im Kirchenjahr und die zwei wöchentlichen Fasttage sind der gesamten orthodoxen Kirche gemeinsam. Auch entstammen die kirchlichen Regeln für die generelle Ausgestaltung der Fastenordnung dem in allen orthodoxen Kirchen gleichen Regelbuch (Typikon). Aber die lebenspraktische Fastenordnung mit ihren jeweiligen lokalen Traditionen unterscheidet sich dann doch etwas von Land zu Land (klimatische Unterscheidung) und von Volk zu Volk (mentalitätsmäßige und geschichtlich gewachsene Unterscheidung). 

 

Traditioneller Weise fasten fromme orthodoxe Christen über 200 Tage im Jahr. Jedoch muss man ehrlicherweise zugeben, dass heutzutage auch von den Menschen in den orthodox geprägten Ländern die genaue (kat´akribian) Einhaltung der Fastenregeln oft als nur noch schwer mit dem modernen Lebenrhythmus vereinbar empfunden wird. Zwar gibt es im orthodoxen Glaubensleben immer die grundsätzliche Möglichkeit, einzelne kirchliche Regeln um des Seelenheils des Einzelnen Willen flexibel (kat´oikonomian) auszulegen, jedoch findet das Fasten auch unter orthodoxen Christen immer weniger lebenspraktische Zustimmung. Dies bedeutet zunehmend, dass zwar aslle die orthodoxen Fastenregeln kennen, aber den praktischen Lebensvollzug des Einzelnen oder der Familien prägen sie nur noch bei einer Minderheit. Und dies gilt inzwischen auch für diejenigen orthodoxen Gläubigen, die sich ansonsten sehr wohl um eine kirchlich-orthodoxe Lebensgestaltung bemühen. Die empirischen Umfragen zum kirchlichen Sozialverhalten sowohl in Russland, als auch in Griechenland sprechen hier, entgegen allen volkspädagogischer Bemühungen frommer oder gar zelotischer orthodoxer Kreise, eine deutliche Sprache. Nach den Erhebungen dieser Umfragen sind es nur noch maximal 10 % der orthodoxen Gläubigen, die überhaupt auch bereit sind, die Fastenregeln im eigenen Leben als verpflichtend anzusehen. Dabei ist das Fasten ein erprobtes asketisches Mittel auf dem Weg hin zur Erlangung der Heiligkeit. Kaum ein frommer Orthodoxer würde dieses durch das Beispiel Christi und Seiner Heiligen uns vorgelebte fromme Beispiel generell in Frage stellen. Warum gibt es dann aber eine solche offensichtliche Diskrepanz zwischen dem frommen Anspruch und der kirchlichen Lebenswirklichkeit?

 

Dies hat unterschiedene Gründe: Zum einen entstanden unsere orthodoxen Fastenregeln in der kulturell noch sehr andersartig geprägten Gesellschaft der christlich Spätantike und der byzantinischen Epoche. Diese asketischen Lebensregeln waren - und um nichts anderes handelt es sich bei den Fastenregeln - auf den damaligen Lebensrhythmus der Menschen rund um das Mittelmeer ausgerichtet. Im Laufe der byzantinischen Epoche wurde zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert das Leben der Mönche auch für die in der Welt lebenden Laien besonders vorbildhaft. Deshalb wurden in dieser Zeit die Regeln des monastischen Typikons als Lebensrhythmus der gesamten Kirche übernommen und die orthodoxen Fastenregeln erhielten ihre heute noch gültige Gestalt, wie wir sie aus dem Typikon oder auch jedem orthodoxen Kirchenkalender entnehmen können.

 

War das Leben in rhomäisch-byzantinischer Zeit und in der frühen Neuzeit noch vor allem vom kirchlichen Lebensrhythmus und dem daraus erwachsenden christlich.orthodoxen Lebensgefühl geprägt, so entwickelten sich dann seit der Renaissance mehr und mehr individuell aber gleichzeitig auch mehr und mehr säkular geprägte Lebenshaltungen. Dies geschah zunächst in den nicht vom orthodoxen Glauben geprägten Gesellschaften Westeuropas. Jedoch verbreitete sich diese neue abendländische Weltsicht durch orthodoxe Studenten, Kaufleute und Politiker, die das Abendland und seine neue Weltsicht und sein modernes Lebensgefühl kennen lernten, langsam auch in den orthodoxen Ländern. Dadurch wurden dann in den orthodoxen Ländern seit dem 18. Jahrhundert zunächst die Daseinshaltung und Lebensgestaltung der kulturellen und wirtschaftlichen Eliten in den orthodoxen Ländern und seit Beginn des 20. Jahrhunderts dann mehr und mehr das Leben der ländlichen Bevölkerung aus seiner Verbindung mit dem kirchlichen Leben heraus gebrochen.

 

Trotz dieser Entwicklung sollten wir Orthodoxen die kirchlichen Fastenregeln nicht einfach aufgeben, wie es die Katholiken nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil getan haben. Denn nach wie vor bleibt als Folge der Sünde die verhängnisvolle menschliche Bindung an die Leidenschaften bestehen. Diese sündhafte Bindung verführt den heutigen Menschen genauso, wie sie den Menschen vergangener Epochen verführt hat hin zur Gier, zum Geiz und zum Egoismus. Wer daran ernsthafte Zweifel anmelden möchte, der sei hiermit eingeladen, einmal ganz unvoreingenommen die Wirtschafts- und Umweltproblematiken unserer Tage zu betrachten: So spricht die Bankenkrise mit ihren am Ende gleichermaßen kindischen wie tragischen Finanz- und Aktien-Manipulationen, ihren an Sport- und Pferdewetten oder an das Monopoly-Spiel erinnernden psychologischen Antriebsfedern, eine eine mehr als deutliche Sprache. Der Hedonismus unserer Tage mit seiner durchgängig auf Konsum orientierte Lebenshaltung, die alles immer sofort erreichen, also haben will, führen zu einem verantwortungslosen Umgang mit den Rohstoff-Ressourcen und einer fortschreitenden Verschmutzung der Umwelt. Wie bereits erwähnt, hat ein immer zügelloser werdender und sich offenbar jeder politischen Kontrolle entziehender Finanzmarkt ganze Volkswirtschaften in die Krise und weite Bevölkerungskreise in die Verelendung gestürzt.  Wer heute in Griechenland oder Spanien das Land bereist, kann sich leicht ein Bild vom Ausmaß der heute dort herrschenden Verarmung der Menschen machen. Der Klimawandel droht am Ende weite Landstriche der Erde unbewohnbar zu machen und Flucht- und Migrationsbewegungen ungeahnten Ausmaßes auszulösen. Neue Kriegsszenarien um die verbleibenden Rohstoffquellen, vor allem um das knapp werdende Trinkwasser, zeichnen sich heute schon ab. So tanzen unsere ganz auf ein kapitalistisches "immer mehr" und "immer weiter" orientierten Gesellschaften gleich Mücken um das sie am Ende verbrennende Licht der Kerzenflamme. Sie vergötzen gleich einem von ihnen selbst gegossenen goldenen Kalb die Haltung des "immer mehr" und "immer weiter" und dienen im Letzten nicht einem gelingenden Leben, wie es die Satzungen Gottes tun, sondern nur dem Mammon, dem Götzen des Geldes und des Konsums. Interessanterweise war es erst das Entstehen des für die westliche Moderne so sehr prägend gewordenen Protestantismus (in seiner calvinistischen Spielart), der auf der einen Seite das kirchliche Fastengebot als "unbiblisch" verwarf und dagegen den kapitalistischen Wirtschaftserfolg zum Erkennungszeichen des frommen und von Gott geliebten (= zum Heil prädestinierten) Christen erhoben hat. Gerade der allein vom Lebensstil dieser Moderne geprägte und in ihn vollkommenen eingebundene Mensch vergisst aber allzu leicht, dass er vom Gott zum Verwalter und Gestalter, nicht aber zum Besitzer der Schöpfung erschaffen wurde und dass auch kommende Generationen ein Anrecht auf die natürlichen Ressourcen unseres Planeten haben.

 

Vor diesem konsumorientierten Zeitgeist der Moderne lädt uns jede Fastenzeit erneut ein, inne zu halten und im Umgang mit dem, was wir "essen und trinken" zumindest für einige Zeit zum rechten Maß der ursprünglichen Ordnung in der Schöpfung Gottes und damit in die Lebensordnung des Paradieses zurückzukehren. Denn nach dieser von Gott ursprünglich gesetzten Ordnung fressen sich die Geschöpfe Gottes nicht gegenseitig auf, um ihr leibliches Leben erhalten zu können. Hierbei ist es wichtig zu begreifen, dass das, was wir in den liturgisch geprägten Vollzügen des orthodoxen kirchlichen Lebens symbolisch vollziehen, sich leiblich auch an uns vollzieht und damit in unserem gesamten Leben Auswirkungen hat. Deswegen verteidigt die orthodoxe Kirche so nachdrücklichen den Wert und Nutzen des Fasten.

 

Auch wenn es uns modernen Menschen, die wir so sehr von den Denkgewohnheiten und dem Lebensrhythmus der heutigen Zeit geprägt sind, zugegebenermaßen am Anfang erst einmal schwer fallen mag, direkt zu allen asketischen und altchristlichen Bezügen des Fasten zurückkehren zu können, so können wir doch alle das redende Symbol einer Rückkehr in die Lebensordnung des Paradies durch christlich-orthodoxen Fasten verstehen. Deshalb kann unsere durch zwei Jahrtausende überkommene christlich-orthodoxe Fastenordnung gerade inmitten der gott-vergessenen Lebenshaltung vieler unserer Zeitgenossen zu einer echten Ikone des christlichen Glaubens, zu einem Veränderungen anregenden Vorbild und Beispiel und damit zu einem Zeugnis - einem Martyrion - im altkirchlichen Sinne werden.

 

 

Die Kutja oder Koliva:

 

Koliva (griechisch: κόλλυβα, serbisch: кољиво, rumänisch: colivă, bulgarisch: коливо, russisch: Kutja) besteht aus gekochtem Weizen (nach Johannes 12:24 als Symbol für Tod und Auferstehung) der mit Honig oder mit Zucker, Rosinen, Walnüssen und Zitronat vermengt wird. Auf einem Tablett aufgehäuft oder in einer Schale bereitgestellt wird die Kutja oder Koliva mit Puderzucker bestäubt und mit Zuckerperlen in Form eines Kreuz verziert. Während des Totengedenkens (Parastas, Panychida) in der orthodoxen Kirche wird diese Speise gesegnet und im Anschluss an den Gottesdienst von den anwesenden Gläubigen gegessen.

        

 

Die Koliva ist weiterhin bei den christlichen Arabern bekannt, wo sie "Snuniye" gekannt wird und außer beim Parastas häufig auch am Gedenktag der heiligen Großmärtyrerin Barbara (4. Dezember) zubereitet wird.

 

Während die Rezepte beträchtlich variieren können, ist die wichtigste Zutat Weizenkörner, die gekocht worden sind, bis sie weich sind, und dann mit Honig, Zucker gesüßt und mit einige Trockenfrüchten oder Nüssen vermengt wurden. Auch kann Sesam, Mandeln, Walnüsse, Zimt, Zucker, Granatapfelkerne, Rosinen oder Anis hinzugefügt werden.

 

 

in der russischen Kirche wird die Kutja nach der Panychida verteilt. Daneben gehört Kutja auf die Festtafel des Christabends. In der griechischen Kirche wird der Parastas als ein kurzes Gebet ("Heiliger Gott") nach der Liturgiefeier am Jahrestag des Heimgangs des Verstorbenen zu Gott begangen. Während der Feier der Göttlichen Liturgie steht dann auf einem Tischchen die Koliva, oft neben einem Photo des Verstorbenen. In allen Fällen brennt während des Gottesdienstes in der Mitte der Kutja eine Kerze. Nach der Heiligen Liturgie (griechisch) oder der Panychida (russisch) essen die Gläubigen einen kleinen Löffel vom gekochten Weizen und  sprechen dabei: "Gott verzeih ihm/ihr." 


In einigen russischen orthodoxen Gemeinden ist die Koliva heute mit Reis statt mit Weizen zubereitet worden. Dieser Brauch begann als eine praktische Antwort auf Engpässe, die in der sowjetischen Zeit auftraten. 
In der orthodoxen Kirche Japans, wo hauptsächlich Reis gegessen wird, ist die Koliva fast immer aus Reis, der mit Zucker gesüßt und mit Rosinen dekoriert wurde. Neben dem Brauch der Koliva gibt es heute im russischen Brauchtum die Tradition, auch andere Süßigkeiten und Speisen mit der Bitte um das Gebet für einen bestimmten Entschlafenen zu verteilen. Der Verteilende sagt dabei: "Gedenken Sie bitte des entschlafenen Dieners/ der entschlafenen Dienerin Gottes N.N." Die Gläubigen antworten darauf: "Gott verzeih ihm/ihr." 

 

 

Rezept für Kutja aus Russland und der Ukraine

 

Zutaten:


•    2 Tassen Weizen oder Buchweizen
•    3-4 Liter Wasser
•    1 Tasse Mohnblumensamen
•    150 g  Honig
•    ½ Tasse gehackte Nüsse (z.B. Walnüsse oder Mandeln) 
•    50 g Tasse Trockenfrüchte (z.B. Rosinen)

Zubereitung:

1. Zuerst den Weizen (Buchweizen) waschen und über Nacht in 3-4 Liter Wasser einweichen. 
2. Dann aufkochen und ca. 4 Std. bei kleiner Hitze ziehen lassen.  Ständig rühren, damit nichts anbrennt. Sind die Kerne aufgequollen  und die Masse eingedickt  – dann ist der Brei fertig. Kühl stellen. 
3. Währenddessen könnt ihr schon den Mohn mahlen. Nachdem ihr den Mohn aufgebrüht habt, das Ganze noch 15 Minuten sieden lassen. Anschließend abgießen (Sieb) und klein mixen.
4. Zucker in einer halben Tasse Wasser auflösen und mit dem Mohn vermischen.
5. Jetzt ist alles vorbereitet! Alle Zutaten, außer dem Honig miteinander vermischen und nochmals kühl stellen, bis zum Servieren.
6. Honig zum Nachsüßen mit servieren.  

 

 

Über das Fasten in der orthodoxen Kirche

 

Das Fasten spielt in der orthodoxen Kirche eine große Rolle. Dabei soll das Fasten vor allem das geistliche Leben unterstützen. Es soll ein Hilfsmittel sein, den Körper und den Geist zu beruhigen und das Gebet zu verstärken. Gebet und Fasten dienen so einer verstärkten Besinnung auf Gott und der Bekämpfung unserer geistigen Schwierigkeiten.

 

Die Fasten werden von den verschiedenen Landeskirchen zum Teil verschieden praktiziert. Auch für jeden Gläubigen kann einzeln das Fasten angepasst oder auch aufgehoben werden - in Absprache mit einem Priester und je nach der Situation eines jeden.

Es gibt drei Fastenkategorie, die nach dem jeweiligen Tag und seinem Fest festgelegt werden.

1. Fasten ohne tierische Produkte und ohne Öl und Wein

2. Fasten ohne tierische Produkte mit Öl und Wein

3. Fasten ohne tierische Produkte mit Öl, Wein und Fisch

 

Einige Regeln für die orthodoxen Fastenzeit

 

Keine tierischen Produkte sind erlaubt.

 

Kein Fleisch, keine Milchprodukte, keine Eier, kein Fisch.

 

Einzige Ausnahme nach der griechischen Tradition: Meeresfrüchte (Tintenfisch, Garnelen usw) und Fischroggen. Nach der russischen Tradition gehören sie zu den Fischspeisen und werden in den von orthodoxen Kirchen Osteuropas deshalb nur an den Fasttagen, an den im Kalender "Fisch, Wein und Öl erlaubt" angezeigt wird, gegessen. In beiden Traditionen ist der Honig erlaubt.

 

Der Genuss des Öls, vor allem des Olivenöls, wird reduziert: In der strengeren orthodoxen Haushalten, die sich eher an den monastischen Richtlinien des Typikons ausrichten,  ist Öl nur am Wochenende erlaubt, in der weniger strengen ist Olivenöl nur am Mittwoch und Freitag verboten.

 

An 2 Tagen in der Großen Fastenzeit darf man Fisch essen: am 09 März und am 25 März. Dies ist mit zwei orthodoxen Feiertagen, die auf die beiden Daten fallen, verbunden. 

 

Wein und Spirituosen folgen dem Öl: entweder dürfen sie nur am Wochenende konsumiert werden, oder sie sind am Mittwoch und Freitag verboten.

 

Oliven sind in der Fastenzeit erlaubt, obwohl ihr Erzeugnis – das Olivenöl – nicht an allen Tagen erlaubt ist. Diese Regelung zeigt, wie wichtig die Oliven für die Ernährung rund um das Mittelmeer sind.

 

Die Fastenzeit ist eine Zeit, wo man sich vegan ernährt. Dabei gilt, dass das Essen zwar schmackhaft, aber einfach zubereitet werden sollte. Die bedeutet, dass man auf  teure Ersatzproteine verzichtet. Der Speiseplan ist auf Gemüse, vor allem Hülsenfrüchten als Eiweißlieferanten, Getreide, Obst, Kräutertees und Nüssen aufgebaut.

 

 

Die Fastenregeln im orthodoxen Jahreskreis

 

 

Wann und wie gefastet wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Wochentag, von besonderen Tagesheiligen oder von einem Fest. Für das Orthodoxe Kirchenjahr gelten folgende Regeln:

 

Mittwochs und Freitags: Am Mittwoch fastet man im Gedenken an den Verrat des Herrn im Rat der Juden, am Freitag fastet man wegen der Kreuzigung des Herrn. Zusätzlich fasten Mönche zu Ehren der Engel am Montag, denn sie leben im Stand der Engel.

 

 

Die Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Osterfest: Die wichtigste Fastenzeit ist die sog. "Große Fastenzeit", die vierzig Tag vor der hohen und heiligen Karwoche.

 

Neben der Osterfastenzeit gibt es drei weitere Fastenzeiten im Jahr, die Apostelfastenzeit, das Gottesmutterfasten und das Weihnachtsfasten.

Zusätzlich gibt es noch einige einzelne Fastentage: den Vorabend von Theophanien (05. Januar), das Gedächtnis der Enthauptung des hl. Johannes des Vorläufers (29. August) und das Hochfest der Kreuzerhöhung (14. September).

 

Neben den Fastenzeiten gibt es auch fastenfreie Wochen, nämlich die Woche nach Ostern, die Woche nach Weihnachten, die Woche nach Theophanien und die Woche nach Pfingsten.

 

Im Zusammenhang mit der Osterfastenzeit gibt es einen Zeitraum der Vorfastenzeit. In ihr wird allmählich das Fasten eingeleitet. Die erste Vorfastenwoche ist vollständig fastenfrei, die zweite Woche wird nur am Mittwoch und Freitag gefastet, die dritte Woche ist alles bis auf Fleisch erlaubt, dann beginnt die Große Fastenzeit.

 

 

Rezepte für die Fastenzeiten

 

Taramosalata

 

Während in der Tradition der russischen orthodoxen Kirche die Meeresfrüchte zu den Fischspeisen gerechnet werden und deshalb nicht an allen Tagen in den Fastenzeiten gegessen werden dürfen, erlaubt die Tradition der griechisch geprägten Kirchen Muscheln, Tintenfische (Kalamaris), Krabben und Krebse an allen Tagen, an denen kein besonders strenges Fasten geboten ist. Ein besonders beliebtes Gericht auf dem griechischen Fastentisch ist Taramosalata. Es handelt sich um eine Paste, die aus Tarama (griechischer gesalzenem Fischrogen) hergestellt wird. Heute finden wir Tarama auf den lokalen Wochenmärkten und in den Kühlregalen der griechischen Lebensmittelgeschäfte.

 

Rezept für Taramosalata

  • 140 Gramm roten Tarama
  • 75 ml Zitronensaft
  • 190 ml Olivenöl
  • 190 Gramm altbackenes Brot oder altbackene Brötchen
  • 1 mittelgroße Zwiebel

Das altbackene Brot oder die Brötchen in Wasser einweichen, bis es durch gezogen hat. Das Wasser aus dem Brot pressen ( die Brotstücke in die Hand nehmen und so weit wie möglich mit der Hand pressen, bis kein Wasser mehr durch die Finger läuft). Das Brot beiseite legen.

 

Die Zwiebel schälen und grob würfeln. Den Tarama in einen Zerkleinerer oder einen Standmixer mit einem Teil des Zitronensafts geben und kurz mixen. Die übrigen Zutaten dazu geben und pürieren, bis eine homogene Paste entstanden ist. Man muss Taramosalata nicht weiter würzen, da die Tarama schon stark gesalzen ist.

 

Reichen Sie den Taramosalata mit frischem oder getoastetem Brot.