Orthodoxes Brauchtum im Jahreskreis - Teil 3 -Großes Fastenzeit und Ostern

 

 

Der Lebensrhythmus der orthodoxe Küche in der Großen Fastenzeit

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Wie die gesamte russische Kultur so wird auch die russische Küche vom Lebensrhythmus orthodoxen Kirche geprägt, die viermal im Jahr längere Fastenzeiten vorschreibt, die zwischen zwei und sechs Wochen dauern. Die mit dem kirchlichen Leben verbundenen Gläubigen fasten zusätzlich noch jeden Mittwoch und Freitag, sowie an einigen weiteren Tagen wie dem Fest der Kreuzerhöhung und dem Gedenktag der Enthauptung des Heiligen Johannes des Täufers. Während dieser Zeit dürfen außer Honig ausschließlich Speisen aus pflanzlichen Zutaten verzehrt werden. Milch, Milchprodukte, Butter und Fleisch gehören in dieser Zeit nicht zum Speiseplan der orthodoxen Gläubigen. Lediglich Fisch ist an bestimmten Fastentagen erlaubt. Durch die kirchlichen Regeln entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl an traditionellen vegetarischen und veganen Rezepten, obwohl sonst Fisch- und Fleischgerichte die russische Küche prägen. Nach der Oktoberrevolution von 1917 waren sich die atheistischen  Bolšewiki  über die starke kulturelle Prägekraft der kirchlichen Alltagsgebräuche im klaren. Um die religiösen Wurzeln der russischen Kultur zu vernichten, wandte sich die kommunistische Partei gegen alles, was eine Verbindung zwischen dem russischen Volksleben und der Kirche darstellte. So verurteilten die Kommunisten das Fasten als unsozialistisch und erklärte die orthodoxe Kirche und ihre Lebensregeln zum veralteten Aberglauben. Viele traditionelle Speisen gerieten damals in Vergessenheit. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus entdeckten jedoch immer mehr Russen ihren orthodoxen Glauben und ihre Traditionen neu.

 

Христос Воскресе! - Воістину Воскресе! (Christus ist auferstanden! - Wahrhaftig auferstanden!) - so lautet der traditionelle orthodoxe Ostergruss in der Russland oder der Ukraine, den die Gläubigen vom Ostersonntag an in der vierzigtägigen österlichen Freudenzeit untereinander austauschen.

 

Das Osterfest ist mit bei allen orthodoxen Völkern das "Fest der Feste", wie wir in der Feier der Osternacht singen. Dem Fest der Lichten Auferstehung Christi geht eine rund sechswöchige Fastenzeit voraus. Sie ist in Bezug auf den Speiseplan davon geprägt, dass zumindest die Frommen sich aller tierischen Produkte (Außer dem Honig) und ebenso von Wein und Öl auf der Tafel enthalten.

 

Um uns Kindern das orthodoxe Fasten verständlich zu machen sagte einmal mein langjähriger Beichtvater Erzpriester Ambrosius Backhaus zu uns im Religionsunterricht, dass es ja im Himmelreich kein Sterben mehr geben werde. Deshalb werden wir dort auch nicht mehr darauf angewiesen sein, uns auf Kosten anderer Lebewesen selber am Leben zu erhalten. Deshalb sei es mit unserem Verzicht auf das Fleischessen in der Fastenzeit ein wenig so, wie wenn wir hier auf Erden bereits ein wenig vom Geschmack des Reiches Gottes vorweg nehmen würden. Schon als Kind fand ich diese Erklärung verständlich und einleuchtend.

 

Für die Frommen unter orthodoxen Gläubigen ist diese Zeit mit dem Verzicht auf Vergnügen und Zerstreuungen, einem vegan aufgebauten und zugleich möglichst einfach und schlicht gestalteten Speiseplan und oft auch einer Reduzierung der Mahlzeiten auf eine zweimalige Nahrungsaufnahme am Tag nach dem Vorbild der Klöster verbunden. Daneben gibt es ebenfalls den entsprechend dem Lebensrhythmus der Klöster gestalteten und geübten Brauch in der ersten Woche der großen Fasten ein sehr strenges Fasten einzuhalten. Die bedeutet, dass einige fromme Gläubige in den ersten Tagen der großen Fastenzeit gar nichts essen und erstmals nach dem Empfang der Heiligen Kommunion in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben am Mittwoch Nachmittag (beziehungsweise Abend) oder sogar erst am Freitag der Ersten Woche nach der Liturgie das strenge Fasten brechen werden. In wieweit es sinnvoll sein kann, das Leben der Klöster im Alltagsleben eines in der Welt lebenden Gläubigen abbilden zu wollen oder auch zu können, sollte nur in Absprache mit seinem Beichtvater entschieden werden, denn die geistlichen asketischen Bemühungen eines jeden von uns werden selbstverständlich auch entsprechend seiner je eigenen Lebenssituation und seiner geistlichen Verfassung unterschiedlich ausfallen müssen.

 

In einigen Gegenden im alten Russland wurden früher auch entsprechen dem dortigen volkstümlichen Brauchtum rote Säfte, Früchte und Gemüsesorten vermieden, da sie das Essen rot färbten und deshalb in einer symbolischen Verbindung zum Blut Christi gedeutet wurden. Derartige Vorstellungen beruhen aber nur auf regionalen volkstümlichen Bräuchen, denn das kirchliche Typikon macht diese speziellen Einschränkungen nicht. 

 

Während in der griechischen, rumänischen, serbischen und arabischen Tradition Krebse, Muscheln, Tintenfische und Fischrogen (Kaviar) als "blutlos" gelten und deshalb zu den erlaubten Fastenspeisen zählen, zählt sie die russisch- slawische Tradition sie zu den Fischspeisen. Auch unterscheidet die griechische Volkstradition das hochwertige Olivenöl, das damit dem Fasten unterworfen wird, voll Fasten-Öl, das alle anderen pflanzlichen Öle umfasst. An dieser Vielfalt der orthodoxen Volkstraditionen kann man erkennen, dass die gemeinsamen Regeln des kirchlichen Fasten-Typikon in regional und national unterschiedlicher Weisen in die jeweilige Alltagstradition übersetzt wurde.

 

Wer unter den orthodoxen Gläubigen nicht zumindest während der ersten Woche in der Großen Fastenzeit konsequent gefastet hat, wird dies - je nach seinen persönlichen Lebensumständen - zumindest in der Großen und Heiligen Woche (Karwoche) tun. Am Mittwoch wird in den orthodoxen Kirchen die Heilige Krankensalbung (Sakrament des Heiligen Öles) gespendet. Nach orthodoxen Verständnis wird es an diesem Tag zur Heilung der als Krankheit verstandenen Sünden allem Gliedern der orthodoxen Kirche dieses Sakrament gespendet. Die sieben Kerzen symbolisieren die sieben Gebete und Absolutionen der Priester und stehen für die sieben Gaben des Heiligen Geistes; es gibt sieben Apostellesungen, sieben Evangelienlesungen und sieben Gebete von möglichst sieben Priestern. Am Großen und Heiligen Donnerstag erfolgt am Morgen die Feier der Göttlichen Liturgie zum Gedächtnis an die Einsetzung des Allheiligen Abendmahles durch unseren Herrn Jesus Christus. Am Abend des Gründonnerstags wird dann der Morgengottesdienst des Karfreitags vollzogen. In diesem Gottesdienst werden 12 Leidens-Evangelien (Abschnitte aus der Passion Christi aus den vier Evangelien) gelesen. Während dieses Gottesdienstes wird das Altarkreuz in das Kirchenschiff getragen und dort zur Verehrung durch die Gläubigen aufgestellt. Von diesem Gottesdienst an (Heraustragen des Heiligen Kreuzes) bis zur Grablegung am Karfreitag (Heraustragen des Grabtuches Christi (Plaščinitza)) wird von den orthodoxen Gläubigen ein strenges Fasten beachtet. Es wird in dieser Zeit werde etwas gegessen noch getrunken. Am Karfreitag Abend nehmen die Gläubigen dann ein einfaches Essen zu sich. Jedoch wird nach der orthodoxen Tradition kein gekochtes Essen zubereitet und die Küche bleibt am Karfreitag kalt. Es werden ein bisschen Brot, vielleicht etwas Chalva, oder ein wenig Obst mit Tee gereicht. Am Karsamstag Morgen gibt es einen längeren Gottesdienst, der die Vesper mit einer langen Reihe von 15 alttestamentlichen Lesungen mit der Feier der Göttlichen Liturgie verbindet. Nach Abschluss der alttestamentlichen Lesungen wird das große Prokimenon gesungen und die in der Fastenzeit violetten und in der Karwoche schwarzen Paramente werden durch weiße Behänge ersetzt. Damit geht dann der Gottesdienst des Karsamstags in die Feier der Göttlichen Liturgie über. Nach Abschluss der Liturgie werden Brot und Wein gesegnet und von den Gläubigen zum Zeichen des Fastenbrechens genossen. Jedoch wird das vorösterliche Fasten erst in der Osternacht mit der Verkündigung der Auferstehung des Herrn beendet werden. Nach der nächtlichen Liturgiefeier werden die von den Gläubigen in ihren Oster-Körben zur Kirche mitgebrachten Oster-Speisen gesegnet. 

 

In einen orthodoxen Osterkorb kommen nach der ostslawischen Tradition ganz bestimmte Osterspeisen. Nach dem Volksbrauchtum stehen diese verschiedenen Nahrungsmittel auch symbolisch für eine jeweils besondere geistliche Deutung:

Osterspeise Symbol für
Osterbrot oder Kulitsch Christus als „Brot des Lebens“
rot gefärbte Eier mit dem Symbol "XB" Anfang, neues Leben, Auferstehung - XB = Christos Boskresse = Christus ist auferstanden
Osterkerze Licht der Auferstehung Christi, die hell aus dem Grabe erstrahlt
Salz Reinigung der Herzen, Bund zwischen Mensch und Gott

Gebackener Schinken & Wurstwaren (Kolbasa)

 

Käse

 

Die Wurst symbolisiert die Bitte um Wohlergehen und erbittet den Segen für das Fastenbrechen am Ende der Auferstehungs-Liturgie.

 

Der Käse symbolisiert die Tugend der christlichen Mäßigung, in die wir uns während der vergangenen Fastenzeit eingeübt haben.

Butter und Pas´cha

Die Butter symbolisiert sowohl Christus das Lam Gottes, das Seine Hinrichtung demütig wie ein Lamm annahm (deshalb wird die Buttter oft in eine Lamm-Form gepresst)

Die Pas´cha symbolisiert unsere Erlösung die uns durch Christi Tod und Auferstehung geschenkt wurde.

Meerrettich mit roter Bete Symbol der Leiden Christi

Die Tücher die den Korb auskleiden und bedecken symbolisieren die Grab-Linnen Christi, die nach seiner glorreichen Auferstehung zusammengefaltet am Kopfende des Grabes lagen.

 

 

Ab dem Karsamstag bringen die orthodoxen Menschen in den Ländern Osteuropas ihre Osterspeisen zum Segnen in die Kirche.
Ab dem Karsamstag bringen die orthodoxen Menschen in den Ländern Osteuropas ihre Osterspeisen zum Segnen in die Kirche.

 

 

Zur Segnung der Osterspeisen bereitstehende Osterkörbe. Man beachte die Gedenkzettel mit den Namen der Verstorbenen. Im Laufe der kommenden Osterfeiertage werden die orthodoxen Familien zu Besuch zu den Gräbern ihrer Angehörigen auf den Friedhöfen gehen, dort von den gesegneten Osterspeisen essen und trinken und mit den bereits zu Gott Entschlafenen die Freudenbotschaft der Auferstehung teilen. Diese tiefe Verankerung der Hoffnung auf die Auferstehung aller durch vorangegangene Auferstehung des Herrn drückt sich auch im Text des orthodoxen Oster-Troparions aus: "Christus ist erstanden von den Toten, hat zertreten im Tode den Tod und denen in den Gräbern das Leben geschenkt!" Deshalb singen wir dieses Tropar auch als Abschluss der Panychida, des Gebetsgottesdienstes für die Entschlafenen.

 

 

Zu den orthodoxen Oster-Traditionen gehört es, dass man sein Ei nicht profan anklopft und aus der Schale pellt, sondern es mit seinem Tischnachbarn aneinander schlägt. Dabei sagt man den Ostergruß: "Christus ist auferstanden-Er ist wahrhaft auferstanden".
Zu den orthodoxen Oster-Traditionen gehört es, dass man sein Ei nicht profan anklopft und aus der Schale pellt, sondern es mit seinem Tischnachbarn aneinander schlägt. Dabei sagt man den Ostergruß: "Christus ist auferstanden-Er ist wahrhaft auferstanden".

 

Zur ukrainischen österlichen Volkstradition gehören die "Pysanky” - kunstvoll mit einer Wachsbatik-Färbetechnik verzierte Ostereier. Die Symbole der Verzierungen verbinden uralte Bildsymbole für den im Frühjahr neubeginnenden Zyklus des Lebens mit solchen der christlichen Erlösunghoffnung durch die Auferstehung des Herrn.

So ist das "Pisanka" nicht bloß ein dekoratives Eierbemalen; sondern sowohl die verwendeten Muster und auch die Farben haben eine hohe symbolische Aussagekraft. Pisanka leitet sich vom ukrainischen Wort für schreiben (pysaty) ab. Die Technik ist also dem Wesen nach kein Bemalen, sondern ein symbolhaftes Beschriften der Eier.

Dabei werden viele verschiedene geometrische Muster verwendet, die aus der Pflanzenwelt abgeleitet sind: Immergrün, Rebstöcke, Heckenrosen, Weidenkätzchen und auch verschiedene Arten von Bäumen. Aus der Tierwelt werden Vögeln, Pferde, Fische, Hirsche und der Hahn abgebildet. Aber es gibt auch rein geometrische Muster, Mäander, Kreise, Dreiecke, Kreuze und Zierkreuze. 

Alle diese Bilder und Muster verbinden sich auf eine sehr komplexe Art und Weise auf den Eierschalen zu einer symbolischen Gesamtaussage. Im Laufe der ukrainischen Volkstumsgeschichte nahm letztendlich jedes Bild und jedes Muster eine ganz präzise symbolische Bedeutung an.

Zum Beispiel erhielt eine schwangere Frau als Geschenk ein bemaltes Osterei, das mit bestimmten Symbolen bedeckt war, welche dem neugeborenen Kind Gesundheit wünschten. Oder ein Mädchen schenkte einem jungen Burschen ein Ei, um ihre romantischen Gefühle für ihn auszudrücken oder um eine Einladung zu einer Verabredung zu verschlüsseln. Generell werden und wurden die Pysanky in der Ukraine als Zeichen für Freundschaft, Wohlwollen oder Liebe an Freunde, Verwandte und Bekannte verschenkt.

Traditionell werden Ostereier während der Großen Fastenzeit bemalt. Üblicherweise wurden sie aber am Gründonnerstag und Karfreitag bemalt. Meistens war die ganze Familie daran beteiligt, Kinder und Erwachsene wirkten gemeinsam daran mit, doch vermutlich hatte die Hausherrin meist den größten Anteil daran. 

Das bemalte Ei wurde dann zuerst mit den Osterspeisen in der Kirche gesegnet, jedoch im Gegensatz zu den rotgefärbten Eiern niemals gegessen. Ein geschenktes Ei wurde dann für mindestens ein ganzes Jahr in der "Schönen Ecke“ vor den Ikonen des Hauses aufbewahrt.

Wenn man in der Ukraine eine Pisanka verschenkt, sagt man : «Нехай ваше життя буде гарне, мов писанка! » («Möge Ihr Leben soll so schön sein, wie diese Pisanka!»).

 

 

 

Die einzelnen Herstellungschritte

beim Bemalen

ukrainischer Ostereier

 

 

 

 

1. Zuerst müssen wir das Ei vorbereiten: waschen und mit Essig entfetten.

Dann malen wir die Muster mit einem Bleistift vor.

 

 

Zum Bemalen der Eien Braucht man Trichterfedern, einen Bleistift, ein Stückchen Wachs (am Besten Bienenwachs) und ein gewaschenes, entfettetes trockenes Ei.

 

 

 

 

 

 

 

Hier eine weitere Vorlage. am Anfang empfliehlt es sich, ein einfacheres Motiv zu wählen und von dort zur gestaltung detailreicherer Eier fortzuschreiten.

 

2. Mit einem speziellen Werkzeug, einer Trichterfeder ( „Pysatschok“ oder "Kistka" genannt), werden auf das Ei feine Bahnen aus geschmolzenem Wachs aufgetragen. Ein Pysatschok besteht aus einem Holzgriff und einem winzigen schmalen Trichterchen aus Blech. Wachsstückchen kommen dort hinein, werden über einer Kerzenflamme geschmolzen. Aus der feinen Öffnung unten kommt dann jener sagenhaft dünne Wachsfaden, der die Filigranzeichnung auf der Eierschale möglich macht.

 

3. Die erste Beschichtung mit Wachs. Die beschichteten Stellen des Eies sollen WEISS bleiben. Nun erfolgt ein erstes Farbbad in der hellsten Farbe des Eies.

 

 

 

 

 

 

Der gutsortierte Papierwarenhandel bietet in Deutschland Trichterfeder an.

 

Man nimmt ein Kistka seiner Wahl in die Hand, haelt es wie einen Stift und fuehrt die metallene Spitze in die Flamme der Kerze. Die Spitze sieht aus wie ein klitzekleiner Trichter in dem oben immer etwas Wachs getan wird und unten kommt es fluessig aus einem winzigen Loch heraus. 

 

Man hält also die Spitze in die Flamme damit sie heiß wird und hebt sich danach ein winziges Stueck Wachs vom Wachsblock ab. Dadurch das die Spitze sehr heiß ist, geht das ganz problemlos.

 

Danach geht man mit der Spitze wieder in die Flamme, damit das Wachs richtig schmilzt und schon kann man anfangen das erste Motiv auf dem Ei aufzubringen.

 

Wichtig ist hierbei das man nur das mit Wachs bemalt, was zum Schluss "Weiss" sein soll, denn überall da wo der Wachs hinkommt, nimmt das Ei dann später keine Farbe an.

 

 

 

 

 

Man arbeitet sich von den hellen zu den dunklen Farben durch. Oft passt dabei "Gelb" als hellste Farbe und so färbte man das Ei für etwa 5 Minuten in der Gelben Farbe. Danach aus dem Glas mit der Farbe mit Hilfe eines Löffel heben, in ein Tuch hüllen und vorsichtig abtrocknen.

 

 

 

 

 

 

4. Es wurde noch ein zweites Mal mit Wachs beschichtet und jetzt wird im zweiten Farbbad gefärbt. Dabei wird die jeweils nächst dunklere Farbe verwendet. Zwischen den Färbevorgängen wird jeweils eine weitere Wachsreservierung gemacht. Nach der letzten Wachsreservierung erfolgt das Farbbad in Schwarz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei diesem Ei wurde als nächstes die Farbe "Orange" genommen. Wieder wurde dann gewachst, was Orange bleiben soll und neue Muster wurden dazugemalt und danach Rot gefärbt.

 

 

 

 

 

 

Hat man jede Farbe gemacht die man wollte kann man zum Schluss ins "Schwarze" gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Und nun, nach dem letzten und dunkelsten Farbbad, wird das Wachs vorsichtig abgeschmolzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Nun zeigen sich die Farben und Symbole in einem schönen Zusammenspiel.

 

 

 

 

 

 

Auch beim zweiten Beispiel-Ei wird am Ende das Wachs abgeschmolzen.

Hier das Endergebnis
Hier das Endergebnis

 

Dabei sollte die Tradition beachtet werden, dass die Oster-Speisen nicht mit direkt in das Kirchenschiff hineingebracht werden. Hintergrund dieser Tradition ist, dass die eigentliche Oster-Speise der Gläubigen die Gaben der Heiligen Kommunion sind. Christus Selbst ist das wahre Osterlamm der Kirche, das in der Feier der Göttlichen Liturgie dargebrachte Opfer. In den Gaben der Heiligen Kommunion hat Er sich während der nächtlichen Liturgiefeier den Gläubigen bereits zur österlichen Speise gegeben. Zur Segnung der Osterspeisen wird aus dem Trebnik und dem Blumen-Triodion vom Priester zuerst ein "Gebet zum Segnen von Käse und Eiern" und dann ein "Gebet zum Segnen der Fleisch-Speisen" gelesen. Deshalb werden streng genommenen zuerst im Narthex, der Vorhalle der Kirche, die Eier und Milchspeisen (Käse) gesegnet und dann außerhalb des Kirchengebäudes die anderen mitgebrachten Fleischspeisen. Eine alte orthodoxe Kirchenregel nennt uns dafür den Grund: "Fleisch tragen die orthodoxen Christen nicht in die Kirche, sondern in das Haus zum Priester". Aber oft werden diese Trennungen heutzutage nicht mehr so rigoros wie früher beachtet. Jedoch hat die Tradition, die Oster-Speisen bis nicht in das Kirchenschiff, das dem Empfang der Heiligen Kommunion vorbehalten ist, hineinzutragen und dann dort segnen zu lassen einen theologischen Grund: Er liegt im tiefen orthodoxen Respekt vor der besonderen Heiligkeit der Heiligen Abendmahlsgaben begründet. Trotzdem werden auch hier - wie im gesamten kirchlichen orthodoxen Leben - die pastoralen Anforderungen der jeweiligen Gemeinde, die praktischen räumlichen Gegebenheiten des Kirchengebäudes, sowie die besonderen pastoralen Erfordernisse der Diaspora die ihnen gebührende Beachtung finden. Wer sich unsicher ist, wie in der jeweiligen Gemeinde vor Ort verfahren wird, frage bitte am Kerzenverkaufstand oder bei einem der Altardiener nach. Was genau im Oster-Korb zur Segnung der Oster-Speisen mitgebracht wird, unterliegt keiner Normierung. Es ist wiederum von Land zu Land und von Region zu Region verschieden. Auch die katholische Bevölkerung im bayrischen und österreichischen Raum kennt die Tradition der Segnung der Osterkörbe nach dem Auferstehungsgottesdienst.

 

 

Rezept für "Kreuzchen" (крестики)

in der dritten Woche der Großen Fasten - Kreuzverehrung

 

Hier das Rezept für ein spezielles kreuzförmiges Hefegebäck, "Kreuzchen" (крестики) genannt. Dieses besondere Gebäck wurde im alten Russland zum Fest der Kreuzerhöhung aber auch zur Kreuzverehrung in der dritten Woche der großen Fastenzeit gebacken. Zu Pfingsten wurde aus dem gleichen Teig ein Gebäck in Gestalt kleiner Täubchen hergestellt.

 

 

Hefeteig in der Fastenzeit

 

Das Zubereiten von Hefeteig für Gerichte in der Fastenzeit ist leicht. Mit diesem Rezept gelingt es allen, auch Ungeübten. Piroschki aus diesem Teig brät man „oben“ in der Pfanne.

 

Die Füllung in dieser Jahreszeit ist sehr vielseitig, z.B. Pilze und Zwiebeln, mit Kartoffeln, Zwiebeln und gelben Rüben, mit Erbsen, Dill und gerösteten Zwiebeln, mit Äpfeln, mit Aprikosen, mit Birnen. In die Füllungen mit Früchten kann man nach Belieben Rosinen, geröstete, gemahlene Nüsse usw. zugeben. Versuchen Sie auch nicht angegebene Zutaten. Lassen Sie Ihrer Phantasie freie Lauf, es wird gelingen.

 

Für den Teig benötigen Sie:

 

½ Liter lauwarmes Wasser

ca. 40 Gramm Hefe

3 Esslöffel Öl

1 Esslöffel Zucker,

eine Prise Salz

900 – 950 Gramm Mehl

 

Die Hefe in lauwarmen Wasser auflösen. Zucker und Salz einrühren. 2/3 gesiebtes Mehl sorgfältig einrühren, sodass ein Teig ohne Klumpen entsteht. Unter Rühren Öl zugeben. Das restliche durchgesiebte Mehl aufhäufeln. Darauf gießen wir unsere aufgelöste Hefe. Damit der Teig beim Kneten nicht an den Händen klebt ölen wir die Hände ein, und kneten den Teig 5 – 10 Minuten lang. bis der Teig glatt und „lebendig“ ist Sie werden es fühlen. Wir legen den Teig in eine trockene Schüssel, bedecken ihn mit einem Tuch und lassen ihn aufgehen.

 

Unseren luftigen aufgegangenen Teig kneten wir nochmals durch und lassen ihn noch einmal gehen. Beim zweiten Mal geht er sehr schnell auf. Danach teilen wir den Teig in Kugeln.

 

 

Für den besonderen Hefeteig in der Großen Fastenzeit wurde im alten Russland bei seiner Herstellung dem Hefeteig anstelle des Öls "Mandelmilch" oder auch "Sonnenblumenkernmilch" zugegeben. Mandelmilch, die heute auch durch Sojamilch ersetzt werden kann, bekommt man in der Regel im gut sortierten Reformhaus. Zur Herstellung von Sonnenmblumenkernmilch werden die Sonnenblumenkerne zuerst einmal geschält und dann mit Wasser zerrieben bis ein eher dickflüssiger Brei entstanden ist. Ein weitere mögliche Alternative ist die Zugabe von Kokosmilch, die aber - genauso wie Sojamilch - über dem traditionellen russischen Rahmen hinausgeht. Trotzdem ist es eine gute geschmackliche Alternative.

 

In seiner "einfachsten Variante" wird dem Teig für die Herstellung der  "Kreuzchen" die Schale einer abgeriebenen (wichtig ! = unbehandelten = ungespritzen) Zitrone und das Mark einer Vanilleschote oder 1 Packung Vanillezucker zugegeben. Als eine etwas aufwendigere Variante kann man dem Teig auch Rosinen oder Sultaninen, beziehungsweise andere Dörr- oder Trockenfrüchte beigeben. Wegen der besseren Formbarkeit der Teig-Kreuzchen empfiehlt es sich dann aber die Früchte vor der Beigabe zum Teig zu schneiden oder zu hacken. Auch ist die Zugabe von gezuckerten (kandierten) Früchten zum Hefeteig möglich.