Orthodoxes Brauchtum im Jahreskreis Teil 1 - Weihnachten bis Theophanie

 

Orthodoxes Brauchtum und kirchliche Traditionen

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Wer je längere Zeit in Griechenland, Russland, Serbien, Rumänien, der Ukraine oder Georgien war, ist dort einer orthodoxen Volkskultur begegnet, in der die orthodoxen Glaubensinhalte auf vielfältige Weise im alltäglichen Leben der Gläubigen  Ausdruck finden. Auch wenn die orthodoxe Kirche mit ihrem Glaubensleben eine rechtgläubige Einheit bildet, so findet dieser eine orthodoxe Glaube doch seinen konkreten Ausdruck im Leben der Kirche vor Ort. Dieser konkrete Ausdruck entwickelte sich in den vergangenen Jahrhunderten eines gläubigen kirchlichen Lebens. Gleichzeitig wurde die unverwechselbare örtliche Ausdrucksform orthodoxen Lebens beständig der je eigenen Mentalität und der jeweils ganz besonderen geschichtlichen Erfahrung der örtlichen Bevölkerung angepasst. Dieser Prozess einer "Verleiblichung des Orthodoxen Christentums" finde ihre äußere Form im örtlichen Brauchtum und den jeweiligen Volkstraditionen der einzelnen orthodoxen Völker. Dieses Brauchtum und die damit verbundenen kirchlichen Traditionen bildet die eine orthodoxe Kirche als Glaubenserfahrung vor Ort ab.

 

Unsere orthodoxe Frömmigkeit lebt davon, dass wir von Kindesbeinen in diese volkstümlichen Bräuche und kirchlichen Traditionen  hineinwachsen. Sie prägen uns nachhaltig und machen uns in einer jeweils eigenen russischen, griechischen, rumänischen oder serbischen Ausdrucksform zu einem orthodoxen Christen. Was aber für die orthodoxen Christen in unseren Ursprungsländern ganz selbstverständlich zu sein scheint, ist nicht automatisch jedem in der Diaspora aufgewachsenen orthodoxen Christen genau so selbstredend vertraut. Die gelungene Übermittlung der kirchlichen und volkstümlichen Lebenstraditionen ist auch in orthodoxen Familien heute nicht mehr von vorherein selbstverständlich.

 

Auch für unsere, in ihren westlichen Traditionen beheimateten, evangelischen und katholischen Mitchristen erscheinen vieles an unserem kirchlichen Brauchtum und christlich-orthodoxen Traditionen oft sehr andersartig und fremd und ist deshalb für sie nur schwer verstehbar. Die Orthodoxie und die abendländische Christenheit leben aufgrund ihrer je anders verlaufenen kirchen-, metalitäts- und allgemeingeschichtlichen Entwicklung - und die gilt bis heute auch für die westlichen orthodoxe Diaspora - aus jeweils anderen kulturellen und sozialen Codes. Doch lassen sich viel Unterschiede durchaus erklären und gar nicht selten entwickelt sich am Ende sogar eine Sympathie für die Art und Weise, wie wir als jeweils griechische, russische, serbische oder rumänische orthodoxe Christen unseren gemeinsamen christlich- orthodoxen Glauben leben. Aber dies setzt voraus, dass wir unsere eigenen Bräuche und Traditionen leben und kennen und von dort aus ihre Bedeutung, ihre christliche Symbolik und ihre Geschichte auch zu erklären vermögen.

 

Bis heute hat die orthodoxe Kultur in Deutschland, wie überall in der Diaspora, eine von den orthodoxen Traditionen und dem kirchlichen Brauchtum der jeweiligen Herkunftsländer unserer Gläubigen geprägte Ausdrucksform. Dies ist auch nicht verwunderlich, dauerte es doch Jahrhunderte, bis aus den Adaptionen der rhomäisch- byzantinischen Kultur die jeweils eigenen russischen, rumänischen oder serbischen Ausdrucksformen der orthodoxen Kultur erwuchsen. Aber als veränderungsfähiger - und sich deshalb auch im Laufe der Zeiten verändernder - Ausdruck des jeweiligen gläubigen Empfindens der örtlichen orthodoxen Gemeinschaft werden sich im Laufe der Zeit orthodox geprägte und zugleich der Mentalität der neuen Heimatländer der orthodoxen Zuwanderer entsprechende kulturelle Ausdrucksformen entwickeln. Dabei werden die orthodoxen Gläubigen in Deutschland sicherlich nicht einfach eine "deutsche Leitkultur" unreflektiert übernehmen, wohl aber christliche deutsche Bräuche und Traditionen dem jeweils eigenen hinzufügen und gewiss auch an die orthodoxe Sichtweise adaptieren. Ähnliches lässt sich im Übrigen auch in Amerika sowie den anderen Ländern West- und Mitteleuropas beobachten.

  

 

Das Weihnachtsfest in der Ukraine

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Weihnachtsfest wird in der Ukraine in Übereinstimmung mit der Tradition den slawischen orthodoxen Kirchen begangen. Dies bedeutet, dass sich der Termin des Festes der Geburt Christi, genau so wie auch das orthodoxe Osterfest nach dem alten kirchlichen (julianischen Kalender) richtet. Die griechisch geprägten orthodoxen Kirchen, die  rum- orthodoxe Kirche im Vorderen Orient sowie die rumänische orthodoxe Kirche begehen jedoch das Weihnachtsfest nach dem bürgerlichen (gregorianischen) Kalender.  In der Ukraine, aber auch in Russland fällt deshalb der Heilige Abend (святий вечір) auf den 6. Januar der bürgerlichen Kalenders, der dem dem 24. Dezember des julianischen Kalenders entspricht.  Der erste Weihnachtsfeiertag liegt nach dem bürgerlichen Kalender dann auf dem 7. Januar.

 

Mit der feierlichen Formel "Nova radist’ stala, jaka ne buvala" ("Eine neue Freude ist gekommen, die es noch nie davor gab") wird der Heilige Abend im Kreise der Familie eingeleitet. Diese einem ukrainischen Weihnachtslied entnommene Eröffungsformel faßt die immer wiederkehrende und zugleich jedoch immer neue Freude über die Geburt unseres Erlösers  Jesus Christus in Worte.

 

Am Heiligen Abend vor Weihnachten versammelt sich die "große Familie" (dazu gehören neben Vater, Mutter und den Kindern auch die Verwandten - Großmutter und Großvater, Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten etc), um gemeinsam das große Ereignis zu feiern. In gläubigen orthodoxen Familien hat man ein strenges Fasten bis zum Abend eingehalten und an den Gottesdiensten der Kaiserlichen Stunden am Vormittag und an der Christvesper mir der damit verbunden Basilius-Liturgie teilgenommen. Nun hat sich die gesamte Großfamilie versammelt. Nach dem Volksglauben versammeln sich jedoch nicht nur die Lebenden, sondern auch die Seelen der bereits im Herrn Entschlafenen Familienmitglieder um den Weihnachtstisch, um mit ihren Lieben das Fest der Geburt Christi zu begehen. In dieser Nacht wird an jedem Tisch auch ein zusätzliches Gedeck aufgelegt werden. Es ist zuerst dem heiligen Propheten Elias gewidmet; soll aber auch ein anschauliches Symbol dafür sein, dass an in dieser Heiligen Nacht jeder Bedürftige und einsame Menschen an den Tischen der Christen willkommen sein soll. 

 

So wird Ablauf und die Stimmung des Heiligen Abends wird durch vielfältige christliche Symbole, Bräuche und Traditionen bestimmt. Der Fußboden des festlich geschmückten Wohnzimmers wird mit Heu ausgelegt und erinnert an die einfache Unterkunft des Stalles, in dem unser HERR JESUS CHRISTUS geboren wurde. Wenn sich die gesamte Familie versammelt hat, wird Diduch eine besonders gebundene Weizengarbe, und die drei runden Hefezöpfe hereingetragen und auf dem Tisch wird eine Kerze in ihre Mitte gestellt. Während im Volksglauben der Diduch dem Gedächtnis der Ahnen und der Bitte um das Wohlergehen aller Familienmitglieder im kommenden Jahr (ursprünglich einer reichen Ernte) gewidmet ist, so symbolisieren die Kerze Christus, das Licht der Welt (vergleiche Johannes 9: 5 und 1: 9) und die drei Brote (Kolačy).versinnbildlichen die Allheilige Dreieinheit.Die Ringform der Brote symbolisiert die Ewigkeit. Auch unter die Ikonen des Hauses werden Diduchy genannte Bündel von Weizenhalmen gelegt. Dem Volksglauben zufolge "wohnen" dort die Seelen der Ahnen während der Weihnachtsfeiertage darin. Neben die "Didukh" stellt das Familienoberhaupt eine Schale mit "Kutja" - gekochtem Weizen mit Mohn und Honig. Kutja gilt als das wichtigste Gericht des weihnachtlichen Mahles. Es wird im Volksmund als "Speise Gottes" bezeichnet.

 

Genau wie der westliche Christbaum entstammt der Diduch der vorchristlichen Tradition, wurde dann jedoch durch die Annahme des christlichen Glaubens neu gedeutet wurde.
Genau wie der westliche Christbaum entstammt der Diduch der vorchristlichen Tradition, wurde dann jedoch durch die Annahme des christlichen Glaubens neu gedeutet wurde.
Die weihachtlichen runden Kolačy.
Die weihachtlichen runden Kolačy.

 

Während der weihnachtlichen Festtafel werden 12 Fastenspeisen serviert, die auf die Zahl der zwölf heiligen Aposteln und auf die zwölf Vollmonde des Jahreskreises verweisen. An den Ecken des mit zwei weißen Leinentüchern (eines für die Lebenden und eines für die Toten) gedeckten Tisches symbolisieren Knoblauch und Walnüsse den festen Familienverbund (wie bei den Zehen einer Knoblauchzwiebel) und das gesundheitliche Wohlergehen aller Familienmitglieder (die Gesundheit soll "stark wie eine Nuss" sein). Unter dem weißen Leinentuch wird Stroh auf den Tisch gestreut als Symbol für die Krippe in der Geburtshöhle zu Bethlehem. Ebenfalls gehört es zur Tradition, ein paar Münzen als Symbol des wirtschaftlichen Wohlergehens aller Familienmitglieder unter das Leintuch auf den Tisch zu legen. Auch wenn heute viele Familien einen Tannenbaum (різдвяна ялинка) aufstellen, so gehört er ursprünglich genau so wenig wie der in Deutschland übliche Adventskranz zum ukrainischen Weihnachtsbrauchtum, wurde aber im 19. Jahrhundert aus den protestantischen Teil Deutschlands kommend in aller Welt und so auch in der ukrainischen Diapora aus der jeweiligen Umgebungskultur übernommen. Zentrum des weihnachtlichen Festes sind jedoch die festliche Weihnachtstafel und die in der Ikonenecke besonders hervorgehoben aufgestellten Christi-Geburts-Ikone, beziehungsweise im Westen des Landes auch die aus dem katholischen Brauchtum übernommene Weihnachtskrippe.

 

 

Zu den weihnachtlichen Festspeisen gehören Wareniki (Maultauschen mit verschiedenen Füllungen) ukrainischer Borschtsch (Kohlsuppe aus roter Bete) in diesem Fall ohne Fleisch aber mit kleinen, mit Pilzen gefüllten, Teigtaschen. Dazu ißt man eine spezielle Sorte Krapfen ("Pampuschki"). Hierzu gesellen sich auf der Weihnachtstafel Heringe, Salate ohne Fleisch und Weißbrotschnittchen, die mit Sprotten, Butter und Zitrone belegt sind, außerdem Plätzchen und andere Gerichte. Dabei gibt es eine traditionelle Reihenfolge: Der erste Gang des Mahles ist traditionell "Kutia", danach folgt "Borschtsch", die in ganz Osteuropa verbreitete Rote-Beete-Suppe, mit "Wushka", gekochten und mit Pilzen und Zwiebeln gefüllte gebogene Ravioli. Darauf folgen verschiedene Fischgerichte, sowie "Warenyky" - gekochte Teigtaschen gefüllt mit Kohl, Kartoffeln, Buchweizen oder Pflaumen und "Holubtsi" - mit Pilzen und Reis gefülltem Kohlwickel. Das Mahl endet mit "Uzvar", dem eingekochten Saft von zwölf verschiedenen Fruchtsorten.

 

 

Die Krönung des Weihnachtsessens bildet die Kutja, einem weiteren besonderen Symbol des Weihnachtsfestes. Die Kutja wird vorwiegend aus gekochten Weizenkörnern zubereitet und mit Zucker, Mohn und je nach Geschmack mit Walnüssen, Rosinen oder Honig verfeinert. Sie Symbolisiert sowohl die Verbindung der lebenden mit den bereits im Herrn Entschlafenen, aber auch die innere Verbindung der Menschen mit der gesamten Schöpfung Gottes, vor allem mit den Tieren. Deshalb ist es gerade auf den Land bis heute üblich, nach der feierlichen Festtafel zu den Tieren in den Stall zu gehen, auch ihnen den Weihnachtsgruß :Christus ist geboren - Verherrlicht Ihn! ("Христос рождається!" — "Славімо Його!" zu entbieten.


Wenn alle Speisen auf dem Tisch stehen und es im ganzen Zimmer apetitlich duftet, eröffnet das älteste anwesende Familienmitglied mit einem Gebet die Abendliche Festtafel. Nun nehmen alle einen ersten Löffel von der Kutja und ein Stück vom Kolac. Dann geht jeder zu jeden an der Festttafel und bricht ein keines Teilchen vom Kolač-Teil des anderen und wünscht sich frohe Weihnachten mit dem Gruß: "Христос рождається!" — "Славімо Його!" Bevor man die Stückchen vom Kolač isst, taucht jeder sein Stückchen in Honig zu Zeichen der weihnachtlichen Festfreude. Nachdem jeder von der Kutja gekostet hat, dürfen auch alle anderen Speisen gegessen werden.

 

Am späteren Heiligabend wird dann gesungen. Koljaduvaty (Weihnachtssingen) ist fester Bestandteil eines jeden Weihnachtsfestes. Mit den Liedern wird vor allem das Mysterium der Geburt Christi gefeiert, aber auch Glück, Erfolg und Wohlstand für die gesamte Familie im neuen Jahr erbeten.

 

Wenn das Abendessen vorbei und der Tisch abgedeckt ist, bleibt jedoch auf dem Tisch die Schüssel mit der Kutja stehen, denn nach dem ukrainischen Volksglauben versammeln sich rund um die Schüssel die Seelen der Verstorbenen. Deshalb wird für jede Seele eines verstorbenen Familienmitglieds, deren man auch während der Proskomedie in der Kirche gedenken läßt am Heiligabend in der Familie an der Kutja ein Löffel bereitgelegt. 

 

Die verschiedenen Volksbräuche haben bei den unterschiedlichen orthodoxen Völkern nicht die Aufgabe, den Glauben und die gottesdienstlichen Vollzüge der orthodoxen Kirche zu ersetzen, sondern diese für das Verständnis und den Lebensvollzug des Volkes zu deuten. Insofern sind sie für orthodoxen Christen auch nicht das Wesentliche an ihrem Glauben, sondern ein stehts veränderungsfähiger - und sich deshalb auch im Laufe der Zeiten verändernder - Ausdruck des jeweiligen gläubigen Volksempfindens.

 

Am Spätabend besuchen die orthodoxen Christen wieder die Kirche, wo dann die Nachtwache als Gottesdienst, der die Complet mit dem Morgengottesdienst verbindet, gefeiert wird. An vielen Orten in der Ukraine schließen sich an die Nachtwache noch in der Nacht die Stunden und die Feier der Chrysostomos- Liturgie an. Auch am zweiten und dritten Weihnachtsfeiertag besuchen die Gläubigen die Kirche, um dort an der Feier der Göttlichen Liturgie teilzunehmen.

 

 

Der erste Weihnachtsfeiertag ist dem engsten Kreis der Familie vorbehalten. Wenn die Göttliche Liturgie nicht schon im Anschluss an die Nachtwache Zelebriert wurde, gehen die orthodoxen Familien am Morgen zur Weihnachtsliturgie in die Kirche. War die Liturgie am Vortag (24. Dezember = 06. Januar) nach der Ordnung des Heiligen Basilius des Großen gefeiert worden, so wird die Fest-Liturgie am Weihnachtstag nach der Ordnung des Heiligen Johannes Chrysostomus  gefeiert.

 

Nach der Weihnachtsliturgie wird der Tisch erstmals seit den Weihnachtsfasten mit Fleischspeisen gedeckt: gebratenem Geflügel, hausgemachtem Speck, geräucherter Wurst (oft vom selbstgeschlachteten Schwein), Fleischsalaten und anderen Leckerbissen. Auch alkoholische Getränke dürfen nun getrunken werden, da die Fastenzeit mit dem ersten Weihnachtstag (25.Dezember = 07. Januar) endete. Im Gegensatz zur westeuropäischen Tradition gibt es an Weihnachten traditionell keine Geschenke. Diese wurden schon am Fest des heiligen Nikolaus von Myra (06. Dezember) überreicht. Der erste Weihnachtsfeiertag hat eine ganz besondere sakrale Bedeutung, rückt er doch die Menschwerdung des Sohnes Gottes in den Vordergrund. Darüber hinaus ist er der besonderen Verbindung der Familienmitglieder untereinander im Angesicht des kommenden neuen Jahres  gewidmet. In vielen Regionen erwartet man am Nachmittag des ersten Weihnachtstages schon die ersten Sternensängergruppen. Ansonsten klingt  dieser erste Tag des Weihnachtsfestes entspannt mit dem Gesang der Weihnachtslieder, mit der Möglichkeit zum Gesprächen und einem entspannten Abendessen aus.

 

Der zweite Weihnachtstag ist der Tag der Sternensänger (Koljadnyky). Kinder, Jugendliche und Erwachsene ähnlichen Alters (oft verkleidet) finden sich in Gruppen zusammen und ziehen, Weihnachtslieder singend, von Haus zu Haus. Ihnen voran wird ein beleuchteter Stern getragen, der den Stern von Bethlehem symbolisiert. An solch einem Abend werden die Familien von bis zu zehn verschiedenen Gruppen besucht. Diese gratulieren ihr zur Geburt Christi, wünschen Wohlstand und Gesundheit im neuen Jahr, stellen die Weihnachtsgeschichte nach und machen Späße. Dafür bedanken sich die Hausherren und Familiengäste mit Geld und Süßigkeiten oder anderen kleinen Geschenken.

 

Sternsinger in Lemberg (Lviv).
Sternsinger in Lemberg (Lviv).
Sternsingersterne in Lemberg (Liviv) in der Westukraine.
Sternsingersterne in Lemberg (Liviv) in der Westukraine.

 

Während die Verkleidung der Sternensänger kein Muss ist (wichtig sind allerdings zumindest trachtenähnliche Kleider), müssen die Sternensänger die Weihnachtssymbole Stern und Glocke obligatorisch mitführen. Um Weihnachtsstern und Weihnachtsglocke ranken sich viele schöne Volksbräuche:  So gibt man zum Beispiel einem Kind, das erst spät mit dem Sprechen anfängt, aus der Glocke zu trinken, um seine Zunge zum "Läuten zu bringen".

 

Jugendliche Sternensänger bilden oft Gruppen nach Geschlecht und wetteifern mit ihren Liedern und Weihnachtsgeschichten mit den anderen Gruppen. Falls dabei die Mädchen mehr Geld und Süßigkeiten erhalten, müssen die Jungen ihnen dann einen Wunsch oder eine Aufgabe erfüllen. Das gesammelte Geld und Essen legt man am Ende zusammen für einen gemeinsamen Tanz- und Spieleabend (vecornyci), bei dem es reichlich Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Flirten gibt. Früher fanden sich so die zukünftigen Brautpaare um dann kurz vor der österlichen Fastenzeit oder nach Ostern zu heiraten.

 

Da Silvester und das darauffolgende Neujahrsfest seit der Oktoberrevolution 1918 nach dem bürgerlichen (gregorianischen) Kalender (31.12./01.01.) gefeiert wird, entstand in der ukrainischen Christenheit, die dem julianischen Kalender folgt, eine interessante Tradition: Am 13. Januar, dem alten Silvestertag nach julianischem Kalender, wird das sogenannte "Alte Neue Jahr" gefeiert. Dieser Abend heißt oft auch "2. Heiligabend", "freigiebiger Abend" (schedryj wetschir) oder auch Melanka, da dies der Namenstag der Heiligen Melana ist.  Wieder ziehen jugendliche Sänger in Gruppen zu den Häusern und wetteifern untereinander mit ihren Liedern und Darbietungen. Standen aber zu Weihnachten der christlich- religiöse Aspekt im Vordergrund, so sind die Melanka- Bräuche zum "alten neuen Jahr" deutlich von einem eher karnevalesken Ton geprägt.

 

Wie auch in Russland so haben die Jahre der Sowjet-Diktatur mit ihrem kämpferischen Atheismus, den gigantischen Umsiedlungen und der Urbanisierung ländlicher Gebiete die ukrainischen weihnachtlichen Traditionen und Bräuche vielerorts dem Vergessen anheimfallen lassen. Das traditionelle Weihnachtsbrauchtum in der Ukraine mit seiner Vielfalt, Freude und und seiner Mischung aus Religiosität  und volkstümlichen Bräuchen findet sich heute nur noch in entlegenen Dörfern der West- und Zentralukraine. Dort aber kann man das ukrainische Weihnachtsbrauchtum noch in all seiner Pracht und Lebendigkeit erleben.

 

Das Weihnachtsfest war in Russland schon immer in erster Linie ein religiös-kirchliches und kein volkstümliches Fest. Am Heiligabend und am ersten Weihnachtstag werden lange feierliche Gottesdienste zelebriert, zu denen wunderschöne Weihnachtsgesänge und Kanon-Hymnen gehören. Doch diese kirchlichen Gesänge sind in Russland nie in die häusliche Tradition übertragen worden. Volkstümlich und vom Volk ausgiebig gefeiert wurde in Russland nicht vor oder während der Weihnachtsfeiertage, wie es  die westeuropäische Tradition mit ihrer ausgepägten Adventszeit kennt, sondern erst zu und unmittelbar nach Weihnachten. Dann beginnen die "Swjatki", die "heiligen Tage", die mit dem Fest der Taufe des Herrn nach dem orthodoxen Kalender am 07./ 19. Januar enden. Die "Swjatki" war das längste und beliebteste Festzeit des ganzen Jahres, eine fröhliche unbeschwerte Zeit für jung und alt. Die traditionellen Swjatki-Bräuche sich verkleiden (wie man es in Deutschland zu Karneval kennt) und von Haus zu Haus singend zu gehen und Geschenke dafür zu bekommen (Süßes, Pirogen oder Geld) - sind in vielen Werken der russischen klassischen Literatur beschrieben worden. Doch leider hat diese schöne Tradition die Sowjetzeiten nicht überlebt. Deshalb sind die Swjatki-Lieder und fast alle  russischen Weihnachtslieder heute in Vergessenheit geraten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Nach der Machtergreifung der Bolschewiken im Jahre 1917 würden sukzessive die Glaubensausübung und auch alle religiösen Bräuche  verboten. Der orthodoxe Glaube und vor allem seine religiöse Praxis und damit verbunden alle religiösen Volksbräuche wurden aus dem Leben der Menschen verdrängt.

 

Erst seit dem Jahr 1935 wurde es wieder erlaubt, Tannenbäume aufzustellen und zu schmücken. Allerdings wurden die Jolka nicht mehr zu Weihnachten, sondern erst zum Neujahrfest. Der Weihnachtsstern wurde durch den kommunistischen roten Sowjetstern ersetzt. Nach und nach haben viele Menschen in der Sowjetunion Elemente des Weihnachtsbrauchtums auf das Neujahrsfest übertragen. So werden zum Beispiel die Kinder zu Silvester beschenkt und die Menschen feiert im Kreise von Familie und Freunden. Auch der in Russland früher so hochverehrte Heilige Nikolaus, der den Kindern traditionell die Geschenke brachte, wurde im Besuchs von Väterchen Frost und des Schneemädchens am Neujahrstag in eine säkularisierter Form überführt.

 

Den Abschluss der Weihnachtszeit bilden dann die Feierlichkeiten rund um das Fest der Taufe Christi (Theophanie am 19. (06.) Januar). Am Abend vor dem Theophaniefest kommt die Familie erneut zu einem "Vecheria" zusammen, ähnlich dem Mahl an Heiligen Abend. Die Nacht vor Theophanie wird "Schedrij Vechir" genannt, die "freigiebige Nacht". Am Theophanie-Tag wird der Taufe Christi im Jordan gedacht. Deshalb heißt der Tag auch "Jordan Tag". In der Kirche erhalten die Gläubigen das geheiligte Große Weihwasser, "Jordan" genannt, dass die orthodoxen Familien das ganze Jahr über in ihren Häusern aufbewahren, um es bei besonderen Anlässen auszustrengen und zu trinken.

 

 

Koliva oder Kutja

 

Zutaten

 

500 g Weizen

50 g Rosinen

50 g Walnüsse

  Mohn

  Honig

  Zucker

  Wasser

 

Zubereitung

 

Bei ungeschältem Weizen diesen ca. 2 Stunden in kalten Wasser einweichen und dann zwischen zwei Handtücher geben und mit dem Fleischklopfer so lange schlagen, bis sich die Schale von den Weizenkörner lösen. Dann wir der Weizen auf einem Backblech im heißen Ofen kurz getrocknet. Den Weizen nochmals kurz waschen, um den Rest der Schale zu entfernen.

 

Will man den Weizen nicht selbst schälen, so sind Weizengraupen eine gute Alternative.

 

Nun kocht man den Weizen so lange, bis er weich ist. Dann Rosinen, Walnüsse Mohn und Zucker dazugeben und mit Honig abschmecken.

 

Griechische Kalanda-Sänger auf einen Gemälde des 19. Jahrhunderts.
Griechische Kalanda-Sänger auf einen Gemälde des 19. Jahrhunderts.

 

Weihnachten in Griechenland

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Weihnachtsfest (Χριστούγεννα = Fest der Geburt Christi) sind mit die fröhlichsten Festtage für die orthodoxen Christen in Griechenland. Traditionell dauert die weihnachtliche Festzeit zwölf Tage und endet am 06. Januar mit dem Fest der Heiligen Theophanie (Taufe Christi). In dieser Zeit grüßen die griechischen Gläubigen einander mit "καλά Χριστούγεννα!" ("Kala Christougenna" = Ein frohes Fest der Geburt Christi = Frohe Weihnachten).

 

Einige der heute in Griechenland mit den Weihnachtsfeiertagen verbundenen Bräuche sind noch relativ neu. Sie wurden von Rückwanderern  aus Amerika mit nach Griechenland gebracht. Dazu gehört das Truthahn-Essen am ersten Weihnachtsfeiertag und das Aufstellen und Schmücken eines Christbaumes.

 

In der Vergangenheit pflegten die orthodoxen Griechen kleine Weihnachtsschiffe zu Ehren des Heiligen Nikolaus zu schmücken. Heutzutage wächst wieder die Anzahl derjenigen Familien, die diese schöne alte Weihnachtstradition erneut aufleben lassen und Boote statt Tannenbäumen schmücken.

Das Sankt-Nikolaus-Boot, auf griechisch Karavaki genannt.
Das Sankt-Nikolaus-Boot, auf griechisch Karavaki genannt.

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Das Sankt-Nikolaus-Boot, auf griechisch Karavaki genannt, wird bereits am 6 Dezember, dem Festtag des Heiligen Nikolaus aufgestellt. Traditionell wird es mit Kerzen, kleinen Lampen, weihnachtlich geschmückt. Üblicherweise wird es im Eingangsbereich des Hauses oder im Wohnzimmer der Familie aufgestellt und bleibt dort bis zum 6. Januar (Taufe Christi)

 

In Griechenland, wie bei allen anderen orthodoxen Völkern auf der Balkanhalbinsel ist der Brauch der "Kalanda" verbreitet. Dabei ziehen die Jugendlichen als Sängergruppen von Haus zu Haus um mit dem Weihnachts-Ankündigungssingen die Engel in Bethlehem nachzuahmen und die frohe Kunde der Geburt des Erlösers mit Weihnachtsliedern, Reimen und kleinen szenischen Darstellungen den Menschen nahe zu bringen. Während in Rumänien diese Sängergruppen am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag die Häuser der Gläubigen besuchen, ist in Griechenland Das gesungene Ankündigen der Weihnachtsbotschaft (oder Kalanda) ist ein Brauch, der auf den Heilig-Abend beschränkt ist. Aber auch am Silvesterabend gehen Kinder und Jugendliche in Gruppen von Tür zu Tür und singen die kommenden Feiertage an. Der Gesang der Kalandagruppen ist traditionell ein A-Capella-Gesang, der üblicherweise nur von einer Triangel begleitet wurde. Heute aber begleiten auch Gitarren, Akkordeons, Leiern und Mundharmonikas den Gesang. Bis vor einiger Zeit wurden die Kinder dafür mit Süßigkeiten und Obst beschenkt, heutzutage gibt man ihnen in Griechenland jedoch meistens Geld.

 

Traditionell symbolisieren kulinarische Genüsse nach dem Ende der Weihnachtsfastenzeit unsere festtägliche Freude: So schmücken die in Griechenland weiß gedeckten Weihnachtsfest-Tafeln „Melomakarona“ (Honigmakronen) und „Kourabiedes“ (Mandelkekse). Sie sind ein typisches griechisches Weihnachtsgebäck und läuten die Weihnachtsfeierlichkeiten ein. Wie in allen orthodoxen Ländern besuchen die orthodoxen Gläubigen in Griechenland die Christ-Vesper und die mit ihr verbundene erste Weihnachtsliturgie (Basilius-Liturgie) am Heiligen Abend (24. Dezember). Danach versammeln man sich in den orthodox orientierten Familien zu einen noch von der Fastenregeln geprägten Abendessen. Am ersten Weihnachtsfeiertag besuchen die Gläubigen den Orthros und die Fest-Liturgie (Chrysostomosliturgie). Dannach versammeln sich die Familien zum Weihnachtsfeier und zum festlichen Essen, bei dem nach der Fastenzeit erstmals wieder Fleischgerichte aufgetragen werden. Nach der Tradition war der erste Weihnachtsfeiertag dem Kreis der eigenen Familie vorbehalten, während sich Freunde und Bekannte ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag besuchten, um den Weihnachtsgruß und Festfreude zu teilen. 

 

Das Christopsomo das traditionelle griechische Weihnachtsbrot.
Das Christopsomo das traditionelle griechische Weihnachtsbrot.

 

Bei vielen orthodoxen Völkern ist ein besonderes Weihnachtsbrot bekannt ("Cesnica" bei den Serben, "Cozonac" bei den Rumänen, "Kolach" bei den Ukrainern und "Krendel" bei den Russen). In der griechischen Tradition wird dieses weihnachtliche Festtagsbrot "Christopsomo" (Brot Christi) genannt. In ländlichen Gebieten wird es es detailreich mit figürlichen Szenen des bäuerlichen Leben dekoriert. Die traditionell runde Form des Christopsomo symbolisiert die Ewigkeit und den Kreislauf unseres Lebens, das für uns als gläubige Christen dann seine Erfüllung im Ewigen Leben bei und mit Christus findet. Auch wenn die einzelnen Dekorationselemente variieren können, so ist immer ein "Kreuz" oder ein "X" enthalten. Dies sybolisiert den griechischen Buchstaben "Chi", der seit apostolischer Zeit ein Symbol für Christus ist. 

 

Die Christopsomo wird traditionell am Vortag des Heiligen Abends (23. Dezember) gebacken, aber erst am am Heiligen Abend selbst (24. Dezember) angeschnitten. Nachdem die Familie den abendlichen Gottesdienst in der Kirche besucht hat, beginnt mit dem feierlichen "Brechen des Christopsomo" die häusliche Feier und das festliche Abendessen. Der Vater oder die Mutter bekreuzigen das Weihnachtsbrot: "Im Namen des Vaters (+) und des Sohnes (+) und des Heiligen Geistes (+). Amen". Danach wird das Weihnachtsbrot in Teile gebrochen oder geschnitten und jeder bekommt sein Teilchen. Dabei wünschen sich alle gegenseitig "Kala Christougenna" = Frohe Weihnachten oder “Chronia polla" = Auf viele Jahre.

 

In den verschiedenen Gegenden Griechenlands wird das Christopsomo unterschiedlich dekroriert. Hier ein Beispiel aus Makedonien.
In den verschiedenen Gegenden Griechenlands wird das Christopsomo unterschiedlich dekroriert. Hier ein Beispiel aus Makedonien.

 

Rezept für griechisches Weihnachtsbrot (Christopsomo)

 

Zutaten:

 

Zwei Würfel Hefe

Zwei Esslöffel Sauerteig

400 Gramm Mehl

Ein Glas frisch gepressten Orangensaft

200 ml Olivenöl

Ein Teelöffel Zimt und Nelken

Abrieb von einer Zitronen- und einer Orangenschale

Ein halber Teelöffel Salz

Zwei Tassen Zucker

Sesam zum Garnieren

 

Zubereitung:

 

Die Hefe wird in lauwarmem Wasser aufgelöst. In dem durchgesiebten Mehl eine Mulde formen und die Hefe dort hinein geben. Wenn die Hefe aufgeht, die übrigen Zutaten dazugeben.

 

Nachdem der Teig erneut aufgegangen ist, wird er geknetet, geformt und mit dem Sesam bestreut.

 

Bei 180 Grad für circa 50 Minuten backen.

 

 

Quelle: Diane Kochilas; Greek Food for Life.

 

 

Hier auch  ein Rezept aus einer deutsch- griechischen Familie:

"Die Weihnachtstradition in meiner Familie sieht wahrscheinlich so aus wie die in den meisten deutschen Familien, mit Kirchgang, Weihnachtsbaum, Bescherung und traditionellem Weihnachtsessen zu den heiligen Tagen. Schön, gemütlich und vertraut. Aber eben auch nichts außergewöhnliches. Aber ich habe ja auch noch „my big fat Greek family“ – die griechische Familie meines Mannes. Und klar, griechische Weihnachtstraditionen sind ein wenig anders als unsere norddeutschen, obwohl sich das alles langsam „pan-europäisch“ annähert. So gibt es mittlerweile auch schon am 24. Dezember Geschenke, statt eigentlich erst in der Nacht zum 1. Januar. Und auch mit Kugeln und Sternen geschmückte Weihnachtsbäume sind zumindest in der Stadt ein normaler Anblick geworden.

Doch auch in Griechenland (und bei den Griechen in aller Welt) sind es vor allem die kulinarischen Traditionen, die sich halten und die ein Fest ausmachen. Was uns die Vanillekipferl und Lebkuchen sind, sind für die Griechen ihre Kourabiedes, mürbe Vanille-Mandel-Plätzchen, und die Melomakarona, in Honigsirup eingelegte Gewürzplätzchen. Und natürlich das Christopsomo, das „Christbrot“, das es so nur zu Weihnachten gibt. Das leicht süße, weiche Hefebrot wird mit einem Kreuz verziert, um die religiöse Bedeutung zu unterstreichen. Es wird vom Familienoberhaupt mit den Händen gebrochen und verteilt, nachdem dieses allen Gästen ein gesegnetes Weihnachtsfest gewünscht hat. Dazu wird Rotwein gereicht, mit dem man das Brot als Erinnerung an das Blut Christi dreimal beträufelt.

" Natürlich hat jede Familie ihr eigenes Rezept und ihre eigene Dekorations-Technik. Ich habe mir erlaubt, „unser“ Rezept etwas zu ändern: Vollkornmehl statt hellem Mehl, Orangensaft statt eigentlich 50 ml Weißwein, und 1 EL Honig statt 75 bis 100 g Zucker.

Da der 24.Dezember in Griechenland noch in die fleisch- und milchlose Fastenzeit fällt, ist das Rezept relativ leicht "veganisierbar": Statt Honig 1 EL braunen Zucker nehmen, für die Glasur statt Ei eine Mischung aus Olivenöl und Pflanzenmilch nutzen.

ZUTATEN

500 g Dinkel- oder Weizenmehl (Vollkorn, 1050er oder eine Mischung)

1 Prise Salz

Je 1 TL gem. Zimt, Anis und Kardamom

½ TL gem. Nelken

1 Orange

50ml + 1 TL Olivenöl

1 EL Honig (ca. 30 g)

20g frische Hefe oder 1 Päckchen Trockenhefe

75g Rosinen

100g grob zerbrochene Walnüsse

1 Ei

1 ganze Walnuss mit Schale

Zur Dekoration: Sesamsaat, Walnusshälften, ganze Anissterne, Kardamomkapseln, Nelken, Zimtblüten…

 

ZUBEREITUNG 

Mehl, Salz und Gewürze in einer großen Rührschüssel (oder der Schüssel der Küchenmaschine) vermischen.

Die Orange gut abwaschen und abtrocknen, dann die Schale abreiben und zur Mehlmischung geben. Die Orange auspressen und den Saft mit lauwarmem Wasser auf 200 ml auffüllen. 50 ml Olivenöl und den Honig dazugeben und verrühren. Die Hefe hineinbröckeln und auflösen (Trockenhefe kann einfach unters Mehl gemischt werden).

Die Hefe-Flüssigkeit über die Mehlmischung gießen und alles zu einem glatten, elastischen Teig verkneten – ca. 5 Minuten in der Küchenmaschine oder 7 bis 8 Minuten per Hand. Dann die Rosinen und die Walnüsse unterkneten. Die Teigschüssel mit 1 TL Olivenöl ausstreichen und den Teigbatzen kurz darin wenden, so dass alle Seiten leicht mit Öl benetzt sind. Schüssel abdecken und 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen deutlich vergrößert bzw. verdoppelt hat (reiner Vollkornteig kann etwas länger brauchen).

Nach der Gehzeit mit der Faust langsam die Luft aus dem Teig pressen, aber nicht weiter kneten. Ca. 1/5 des Teigs abnehmen und zurück in die Schüssel legen. Aus dem Rest ein rundes Brot formen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Sollten Rosinen aus dem Teig hervorschauen, diese vorsichtig in bzw. unter den Teig drücken, da sie sonst schnell verbrennen und bitter schmecken würden. Das Ei glatt verquirlen und das Brot damit großzügig bestreichen.

Den zurückbehaltenen Teig halbieren und aus jeder Hälfte eine lange Rolle formen; die Rollen sollten einmal quer über den Brotlaib passen und auf jeder Seite ca. 3 cm Überhang haben. Die Enden 3 cm tief einschneiden und die so entstandenen „Fransen“ nach außen aufrollen – siehe Foto. Die beiden Rollen kreuzförmig auf das Brot legen und festdrücken, evtl. die aufgerollten Enden noch einmal mit Ei festkleben. Dann auch das Kreuz mit verquirltem Ei bestreichen.

In die Mitte des Kreuzes mit dem Löffelstiel vorsichtig eine Vertiefung bohren und etwas erweitern. Die ganze Walnuss hineindrücken.

Zur Dekoration das Brot mit Sesam bestreuen und je nach Geschmack mit Walnusskernen, Kardamomkapseln, Anissternen oder z.B. Zimtblüten und Nelken belegen und gut festdrücken. Noch einmal abdecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.

Backofen auf 180°C vorheizen und das Christopsomo 45 Minuten backen. Es sollte goldbraun sein – ggf. mit Folie oder Backpapier abdecken, damit es nicht verbrennt oder zu dunkel wird. Nach Ende der Backzeit vorsichtig anheben und auf die Unterseite klopfen: Es sollte noch leicht hohl klingen. Dann auskühlen lassen.

 

Weihnachtsfeiertage und orthodoxes Brauchtum

bei den Serben:

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Alle Christen gedenken in der Weihnachtszeit mit kirchlichen Gottesdiensten und volkstümlichen Bräuchen im Kreise der Familie der Geburt unseres Herrn und Erlösers und Gottes Jesus Christus dem Fleische nach. Diese Feiertage werden in Serbien durch viele Bräuche und volkstümliche Zeremonien wunderschön und reich ausgeschmückt, so dass die Weihnachtszeit bei den Serben zu den kirchlich und volkstümlich eindrucksvollsten und schönsten im ganzen Jahreskreis gehören. Die Serbische Orthodoxe Kirche folgt dem julianischen Kalender, so dass der kirchliche Weihnachtstermin gegenüber dem bürgerlichen Kalenderlauf um 13 Tage nach hinten verschoben ist. Nach dem bürgerlichen Kalender beginnen die Weihnachtsfeiertage in Serbien deshalb am. 07 Januar (25. Dezember) und enden am Vorabend von Theophanie (19.Januar). Dem Weihnachtsfest geht, wie bei allen orthodoxen Völkern, die Weihnachtsfastenzeit voraus. Sie umfasst auch den Vorabend des Weihnachtsfestes, so dass der 24. Dezember (Heiliger Abend) noch zur Fastenzeit gehört. 

 

Alle diese volkstümlichen Bräuche haben zum Ziel, das Mysterium der Menschwerdung des Sohnes Gottes im feierlichen volkstümlichen Ritual zu deuten, das heißt, für die Menschen verständlich und anschaulich zu machen, sowie Gottes Gnade und Schutz füreinander - für unsere Familien und alle, die wir lieben -  zu erbitten. Im festlichen Volksbrauchtum kann sich das in einem kurzen Gebet und einem „Trinkspruch“ wie diesem ausdrücken: „Lieber Gott, erhalte Gesundheit und Freude in diesem Haus, lass uns gesunde Kinder haben, möge das Getreide und die Reben reiche Frucht tragen und unsere Habe auf dem Feld, auf den Wiesen und in der Herde sich vermehren“. Ähnlich der deutschen Advents- und Weihnachtszeit erstrecken sich die serbischen Weihnachtsfesttage rund um das eigentliche Weihnachtsfest und den Jahreswechsel. Sie reichen vom Fest des Heiligen Nikolaus (Свети Никола am 19. (06.) Dezember)  bis zum Fest des Heiligen Sava (Свети Сава am 27 (14.). Januar). Die weihnachtliche Festzeit findet ihren Abschluß dann mit dem Vorabend der Taufe Christi (Jordan-Tag).

 

 

Die Landnahme der Slawen auf dem Balkan erweiterte die dortige ethnische Vielfalt um ein bis heute prägendes Element. Nachdem sich auf der Balkanhalbinsel unter römischer Herrschaft im Norden die lateinische und im Süden die griechische Sprache durchgesetzt hatten, ließen sich hier ab dem ausgehenden sechsten Jahrhundert slawische Stämme dauerhaft nieder. Nach der Christianisierung der südlicher Clans, (aus denen sich dann später die heutigen Völker der Serben, Bulgaren und Slavo-Makedonen entwickelten) durch die heiligen Slawenapostel Cyrillos und Methodios und deren Schüler, wurden ab dem neunten Jahrhundert die ersten Diözesen der sich nun entwickelnden südslawischen Kirchen gegründet. Das orthodoxe Christentum schlug durch die kirchenslawische Kirchensprache schnell feste und die dortigen Völker bis heute prägende und tragende dauerhafte Wurzeln.

 

In dieser Zeit wurden auch die ersten serbischen mittelalterlichen Fürstentümer gegründet. Die bekanntesten unter ihnen waren Raška und Duklja. Der Großfürst Stefan Nemanja (1169 - 1196), vereinigte die serbischen Fürstentümer und schuf so auch die entscheidenden Voraussetzungen für die Entfaltung der serbischen Kirche. Nemanjas jüngster Sohn, Prinz Rastko Nemanjić, wurde mit 17 Jahren Mönch auf dem Heiligen Berg Athos. Er erhielt den Mönchsnamen Sava, und widmete sein ganzes Leben der Festigung des christlichen Glaubens unter seinen Landsleuten und der Entfaltung der Orthodoxen Kirche in Serbien. Gleichzeitig förderte der Heilige Sava die Ausbreitung der slawisch-orthodoxen Kultur. Später wurde der Heilige Sava dann zum ersten Erzbischof der Serbischen Orthodoxen Kirche.

 

Der Heiligen Sava (Свети Сава); erster Erzbischof von Serbien und Erleuchter des serbischen Volkes.
Der Heiligen Sava (Свети Сава); erster Erzbischof von Serbien und Erleuchter des serbischen Volkes.

 

Das eigentliche Weihnachtsfest (Božić) wird in Serbien den "Heiligen Tag" (Badnji dan) und den "Heiligen Abend (Badnje vece) eingeleitet.

 

Der Tag vor Weihnachten – Heiliger Tag ( „Badnji dan“ ) 

 

Dieser Tag fällt auf den 06. Januar (24. Dezember) nach dem bürgerlichen Kalender. Sein Name „Badnji“ kommt vom "Baum", denn an diesem Tag geschlagen die serbischen Familien einen jungen Eichenbaum, der aber noch braune Blätter tragen muss. Er wird vor das Haus gebracht und nach der abendlichen ersten Weihnachtsliturgie gesegnet, genauso wie das ebenfalls geweihte Stroh, mit dem das Wohn- oder Esszimmer und alle übrigen Räume des Hauses ausgestreut werden.

 

Am Abend wird der Hausvater dann - wenn er Söhne hat, gemeinsam mit ihnen - den "Badjak" ins Haus tragen. Im Hause grüßen dann die Familienmitglieder einander und beglückwünschen sich zum Fest der Geburt des Erlösers. Die Hausfrau bestreut nun mit Weizenkörnern ihren Mann und auf seine Worte „Guten Abend! Frohe Weihnachten und Heiligabend!“ sagt sie „Guten Abend! Seid fröhlich und möge der Weizen im kommenden Jahr ergiebig sein!“. Der Saatweizen für das kommende Jahr wird dann in den Raum des Hauses geholt, wo am Heiligen Abend und in den kommenden Weihnachtstagen gegessen werden wird. Dort wird er neben der Haus-Ikone vor der im Kandilo das Ewiglicht brennt, hingelegt.

 

Das Stroh auf dem Boden symbolisiert das Stroh in der Krippe in Bethlehem, in die der neugeborene Christus gelegt wurde. Es wird überall im Haus ausgestreut.

 

Der Badnjak wurde einst in den serbischen Dörfern ins Ofenfeuer gelegt, wo er langsam bis zu ersten Weihnachtsfeiertag verbrannte. Denn der „Badnjak“ (бадњак) steht symbolisch für das Holz, das die Hirten in Bethlehem gebracht haben und das der gerechte Joseph angezündet hat, um die als Stall genutzte Höhle, in der das Christuskind geboren wurde, zu erwärmen. gleichzeitig verweist der Badnjak - ähnlich wie die leichentuchähnlichen Windeln auf der Weihnachtsikone und die  sakophagartige Darstellung der Krippe bereits auf Seine Besetzung nach dem Kreuzestod verweisen - so symolisiert der Badnjak bereits schon das Holz, aus dem das Kreuz Christi gemacht werden wird.

 

 

Während des Tages haben die Männer Spanferkel und Hammelfleisch gegrillt. Beides ist aber in den kirchlichen Familien erst für die Festtafel am ersten Weihnachtsfeiertag bestimmt, da der 24. Dezember der letzte Tag der Weihnachtsfastenzeit und nach den Regeln der orthodoxen Kirche ein strenger Fasttag ist. Am Abend werden immer noch Fastengerichte gegessen. Wegen der noch andauernden Fastenzeit ißt man am Heiligen Abend in der Stille, aber mit Vorfreude auf den nächsten Tag, als der Herr Jesus Christus auf Erden geboren wurde und mit Ihm unsere Hoffnung auf Rettung. Deshalb hat die orthodoxe Kirche zu Vorbereitung und Einstimmung auf das Mysterion der Geburt Christi sechs Wochen vor Weihnachten und am Heiligen Abend selbst eine Fastenzeit angeordnet. Da Donau und Save durch das Land fließen werden neben Fastengerichten am Heiligen Abend auch Karpen und andere Flußfische aufgetischt. Mit dem ersten Weihnachtsfeiertag soll dann alles festlich gestimmt sein. Dabei dürfen nach orthodoxer Tradition auch die Armen und Bedürftigen nicht vergessen werden. Ihnen wird am ersten Weihnachtstag deshalb vom Gebratenen und den anderen Speisen der Festtafel etwas gebracht. Bei dem feierlichen Essen am ersten Weihnachtstag soll niemandem etwas fehlen, weder Armen noch Reichen für die die Hirten auf den Felde und die  drei Weisen aus dem Orient stehen.

 

Serbische Christi-Geburts-Ikone aus der Voivodina (18. Jahrhundert).
Serbische Christi-Geburts-Ikone aus der Voivodina (18. Jahrhundert).

 

Heiliger Abend ( „Badnje vece“ ) 

 

Der Heilige Abend verbindet den heiligen Tag ( „Badnji dan“ ) und den ersten Weihnachtsfeiertag. Am Abend werden in den serbischen Kirchen - wie in der gesamten Orthodoxie - die Christvesper die mit der ersten Weihnachtsliturgie nach der Ordnung des Heiligen Basilius des Großen gefeiert. Am Ende der Göttlichen Liturgie werden  der Badnjak - Baum und das Stroh geweiht. Anschließend wird im Gedenken an das Feuer, das der Heilige Joseph im Stall von Bethlehem entzündete, um das neugeborene Christuskind zu wärmen, vor der Kirche das Weihnachtsfeuer entzündet.

 

Im Westen des Landes ist, wegen der engen Nachbarschaft zu den kroatischen und ungarischen Katholiken, das Aufstellen einer Weihnachtskrippe, im Rest Serbiens das einer Christi-Geburts-Ikone beliebt. Die Familienmitglieder beten dort davor und singen Weihnachtslieder. 

 

Die Weihnachtsfeiertage

 

Mit dem ersten Weihnachtsfeiertag ist die Fastenzeit endgültig vorbei. Am Morgen besuchen die Gläubigen die zweite Festliturgie von Weihnachten. Danach wird festlich und gut gegessen und mit Wein uns Slibowitz, dem serbischen Pflaumenschnaps angestoßen. Nun ist einer der  fröhlichste Feiertage bei den Serben angebrochen. Nach orthodoxer Tradition wird das Fest der Geburt Christi nun drei Tage lang gefeiert. Die Menschen begrüßen sich in der Weinachtszeit mit den Worten: Христос се роди  „Hristos se rodi“ und antworten: Ваистину се роди  „Vaistinu se rodi“. (Auf deutsch: „Christus ist geboren“ und man antwortet „Das ist wahr, ER ist geboren!“)

 

In den Dörfern zogen früher Sängergruppen ( Koleda) von Haus zu Haus um die Weihnachtbotschaft mit Liedern und kleinen szenischen Darbietungen zu verkünden. Leider ist infolge der kommunistischen Herrschaft unter Tito das öffentliche Weihnachtsbrauchtum in Serbien so gut wie ganz verschwunden. Nur die familiären Bräuche konnten sich in den kirchlichen Familien erhalten.

 

Weihnachtsliturgie in der Kathedrale von Belgrad mit dem Patriarchen.
Weihnachtsliturgie in der Kathedrale von Belgrad mit dem Patriarchen.

 

Cesnica – das serbische Weihnachtsbrot 

 

Zu Weihnachten wird ein süßes Brot gebacken, das im serbischen „Cesnica“ heißt. Fast alle orthodoxen Völker kennen ein ähnliche Weihnachtsgebäck. In Brotteig wird vor dem Backen eine Münze versteckt. Nach dem Backen der Cesnica wird obenauf wird ein Zweig vom „Badnjak“ gesteckt. Nach der Fest-Liturgie am ersten Weihnachtsta versammelt sich die Familie zu Hause am Tisch. Es wird eine Kerze angezündet und der Hausherr nimmt Weihrauch und beräuchert damit die heiligen Ikonen, alle Hausgenossen und das ganze Haus. Außer der Cesnica steht Wein und Kutja auf der Festttafel. Das Tropar und Kondakion des Weihnachtsfestes wird gesungen und Gebete, die Segen und Schutz von Gott für das kommende neue Jahr erbitten, werden gesprochen. Dabei wird die Cesnica wie bei einer Slava von allen auf den Händen gehalten und gedreht. Das Weihnachtsbrot wird dann in so viele Teile zerbrochen, wie es Hausgenossen gibt. Wer in seinem Stück die Münze (traditionell eine Gold- oder Silbermünze) findet, wird als besonders gesegnet und glücklich im kommenden Neuen Jahr betrachtet, da sie Münze symbolisch ein Geschenk für das Christuskind darstellt. 

 

Cesnica – das serbische Weihnachtsbrot.
Cesnica – das serbische Weihnachtsbrot.

 

Serbische Weihnachtsbräuche und das Leben in der heutigen modernen Welt

 

Ursprünglich gab es in Serbien nicht die Tradition, einen geschmückten Tannenbaum aufzustellen. Auch wurden die Kinden, ähnlich wie in Russland oder der Ukraine, bereits am Fest des Heiligen Nikolaus und nicht erst am Weihnachtstag beschenkt. In vielen Familien - nicht nur in der weltweiten serbischen Diaspora - haben sich diese westlichen Weihnachtstraditionen inzwischen ganz selbstverständlich verbreitet. Auch werden vielerorts heute am "Heiligen Tag" keine Spanferkel mehr gegrillt und Bäume und Stroh in hochliegende Etagenwohnungen hinauf zu bringen, finden viele junge Familien, und das nicht nur in den Städten, unpraktisch und nicht mehr praktikabel. So befindet sich die Art, das Weihnachtsfest zu begehen, auch in vielen Teilen Serbiens in einem Wandel. Trotzdem ließe sich die urspüngliche Tradition durchaus auch verkleinert und symbolisch fortführen. Anstelle eines ganzen Bäumchens nimmt man einfach ein paar Zweige und ein bisschen Stroh. Dies wird dann am Heiligen Abend von der Kirche mit ins Haus gebracht und unter der Heiligen Ikone an der östlichen Seite des Wohnzimmers platziert. Brennende Kerzen und Weihrauch symbolisieren das Feuer und die Feuerstelle. Das Haus wird mit Weihrauch beräuchert, das Gebet wird vom Hausvater gesprochen und die Familie singt die Weihnachtslieder. So kann etwas von der ursprünglichen festlichen Atmosphäre, die das serbische Weihnachtsfest so einzigartig machen, auch im Kreise einer heutigen, modernen Familie bewahrt werden. 

 

 

Einige Wochen vor Weihnachten beging man früher in Serbien noch drei kleiner Feiertage, die sich nicht unmittelbar auf das orthodoxe Weihnachtsfest beziehen, die aber  die Wertschätzung der Familie und die Bedeutung des gegenseitigen Respekts zwischen Eltern und Kindern hervorheben wollen - Detinci, Materice und Očevi. Das Fest "Detinci" findet drei Wochen vor Weihnachten statt und ist den Kindern gewidmet. Dem Brauch nach wurden den Kindern nach dem Besuch der sonntäglichen Liturgie mit einer Band die Beine zusammen gebunden. Sie konnten nur dadurch befreit werden, indem sie mit einem symbolischen Geschenk für ihre Befreiung „bezahlen“. Das gleiche Ritual wurde an den Tagen "Materice" (Muttertag) und "Očevi" (Vatertag) wiederholt. Diese Bräuche sollten zur Stärkung der Familienbande, des Friedens, der Einheit und der gegenseitigen Unterstützung beitragen. An diesen Tagen, die man ausschließlich im Kreise der Familie verbrachte, wurden besondere wohlschmeckende Fastengerichte zubereitet.

 

 

 

Božićna česnica oder Božićni kolač -das serbische Weihnachtsbrot

 

 

Zutaten:

 

1/2 l Milch

1 Pkt. Hefe

2 Eier

Salz

Mehl nach Bedarf (ca. 1kg)

1 goldene oder silberne Münze

1 Bohne

1 Weizenkern

 

 

Zubereitung:

 

Die Hefe in lauwarmer Milch aufgehen lassen. Ein Ei verrühren und in die Hefe geben. Salzen und nach und nach Mehl und Milch dazugeben, so dass man einen glatten Teig bekommt. Wenn der Teig kompakt ist, mit dem Kneten beginnen. Den gut durchgekneteten Teig mit einem sauberen Tuck abdecken und ruhen lassen. Sobald der Teig anfängt zu wachsen nochmals vorsichtig durchkneten. Der Teig für Cesnica soll nicht ganz wachsen sondern nur zur Hälfte. 

 

Nun setzt man in den Teig die Münze und die Körner. Den Teig in eine gefettete Form setzen. Mit der Gabel oder Holzstäbchen verschiende Motive auf den Teig kerben (Tauben, Blumen usw.). Die Oberfläche des Teiges mit verquierltem Eigelb bestreichen. Im vorgeheizten Backofen backen bis die Cesnica eine goldgelbe Farbe bekommt.

 

Stäbchenprobe in der Mitte des Teiges.

 

 

Merke: Traditionell wird die Cesnica wird niemals mit dem Messer geschnitten sondern mit den Händen gebrochen. 

 

 

 

 

Wissenswertes rund um die Neujahrsfeier

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Das kirchliche Jahr beginnt in der orthodoxen Tradition weder an ersten Advent (wie in der abendländisch-westlichen Christenheit), noch am 01. Januar (wie in unserer weltlich-bürgerlichen Lebenswelt), sondern der rhomäisch-byzantinischen Tradition folgend am 01. September.

 

Schon im Jahre 153 vor Christus verlegten die Römer den Beginn des Amtsjahrs vom 1. März auf den 1. Januar als dem Tag des Amtsantrittes der Magistrate. Im Jahr 1691 verlegte dann Papst Innozenz XII. den Jahresbeginn auf den 01. Januar. Bis dahin hatte in weiten Teilen Europas der erste Adventssonntag oder der 06. Januar (Ephiphaniastag)  als Jahresbeginn gegolten. Das Kirchenjahr in der katholischen und evangelischen Kirche beginnt jedoch bis heute am ersten Adventssonntag, während des neue Kalenderjahr am 01. Januar beginnt. An diesem Tag begeht die abendländische Christenheit das Fest des Heiligen Sylvester, des Pariarchen und Papstes von Alt-Rom. Von diesem "Sylvestri-Tag" leitet sich die deutsche Bezeichnung des Jahreswechsels "Silvester" ab.

 

Nach rhomäisch- byzantinischem Vorbild begann in Alt-Russland das bürgerliche Jahr am 01. März, und das kirchliche am 01. September. Gleichzeitig rechnete man nicht nach der westlich üblichen Jahreszählung (Nach der Geburt Christi), sondern nach dem  Beginn der Schöpfung, so dass man zum Datum nach der Geburt Christi 5508 Jahre hinzuaddieren muss, um zum Datum der byzantinisch-altrussischen Jahreszählung zu gelangen. 

 

 

Das Kalenderjahr mit dem 01. Januar zu beginnen und die Jahre ab der Geburt Christi zu zählen kam nach Russland unter Peter I. Im Jahre 1699 beschloss dieser Zar, dass die Festtage in Russland zur selben Zeit wie in Westeuropa gefeiert werden sollten. Doch während Peter sein Neujahr am westeuropäischen Termin ausrichtete, ging zuerst die römisch-katholische und etwa einhundert Jahre später auch die protestantische Welt vom julianischen zum gregorianischen Kalender über. Da Russland bis 1919 am julianischen Kalender festhielt, blieben zwischen den Kalenderdaten in Russland und Westeuropa eine Differenz von 13. Tagen. Ursprünglich betrug diese Differenz nur zehn Tage, aber in letzten vier Jahrhunderten sind drei weitere Tage hinzugekommen, so dass man heute 13 Tage abziehen muss, um vom Bürgerlichen zum kirchlichen Datum (nach den "Alten Kalender") zu gelangen. Diese komplizierte Regelung führt inzwischen dazu, dass selbst volkstümliche Kirchenkalender in der orthodoxen Kirche Russlands das Weihnachtsfest am 07.Januar oder das Fest der Taufe Christi am 19. Januar anzeigen, obwohl auch in der russischen Orthodoxie Weihnachten am 25. Dezember gefeiert und Theophanie am 06. Januar wird.

 

 

Auf einem pan-orthodoxen Synaxis in Konstantinopel im Jahre 1923 beschlossen die Delegierten der dort versammelten orthodoxen Kirchen eine Kalenderreform. Dabei handelt es sich nicht, wie immer wieder behauptet wird, um eine Übernahme des gregorianischen Kalenders, sondern vielmehr um eine ganz eigene Kalenderreform. Der "neo-julianischer Kalender, auch "meletianischer Kalender" oder "Milanković-Kalender wurde vom serbischen Geophysiker Milutin Milanković entwickelt. Er sollte die Differenz von 13 Tagen zwischen dem bis dahin in den orthodoxen Kirchen gebräuchlichen julianischen Kalender und dem modernen gregorianischen Kalender ausgleichen. Alle Teilnehmer der Synaxis waren mit einem Sprung vom 09. März 1924 auf den 23. März 1924 und der Einführung dieses neuen Kalenders mit den seinen gegenüber dem gregorianischen Kalender deutlich verbesserten Schaltregeln einverstanden. Nach dem "meletianischer Kalender" werden alle nicht beweglichen Festtermine (zum Beispiel Weihnachten) bis zum Jahre 2799 mit denen im gregorianischen Kalender identisch sein.

 

Eine Ausnahme blieb die russische orthodoxe Kirche, die aufgrund der politischen und kirchlichen Situation nach der Oktoberrevolution an dieser orthodoxen Synaxis nicht teilnehmen konnte und deshalb beim alten julianischen Kalender blieb. Daraufhin revidierten einige orthodoxe Kirchen ihren Beschluss, um auf die Zeit zu warten, da die russische und andere orthodoxe Kirchen unter den damaligen kommunistischen Regierungen ebenso an den Entscheidungen mitwirken könnten. Andere orthodoxe Kirchen wiederum meinten, dass die Reform notwendig sei. Dies hat dazu geführt, dass vor allem die griechisch geprägten orthodoxen Kirchen, aber auch die Kirche von Antiochia und die Kirchen in Bulgarien und Rumänien den "meletianischer Kalender" einführten, während ein anderer Teil der orthodoxen Kirchen weiterhin dem "alten (julianischen) Kalender" folgt. Beim der Berechnung des Osterdatum entschieden aber auch diese orthodoxen Landeskirchen, dass die Gemeinsamkeit des Osterdatums in allen orthodoxen Kirchen wichtiger sei als das Bestehen auf einer astronomischen Richtigkeit. Daher erfolgt die Berechnung des Osterdatums und damit auch alle davon abhängigen beweglichen Festtage fast in der gesamten Orthodoxie nach dem julianischen Kalender. Nur die Orthodoxe Kirche Finnlands feiert Ostern am gleichen Datum wie die westliche Christenheit. In Griechenland und Rumänien blieben bis heute die, aus Protest gegen die Kalenderumstellung erfolgten Abspaltung einiger altkalendarischer Gruppen von der orthodoxen Kirche bestehen.

 

Die Einführung des "neujulianischen Kalenders" war und ist in der Orthodoxie umstritten. Gerade bei russischen Orthodoxen weckt er ungute Erinnerungen an die Zeit der kommunistischen Zwangsherrschaft und des damit verbundenen "Erneuerer" -Schismas.

 

Nach der Oktoberrevolution erließ die Regierung der Bolschewiki auch ein "Dekret über die Zeit". Das sich damals die orthodoxe Kirche Russlands in der größten Christenverfolgung seit den Zeiten des heidnischen römischen Imperiums befand, sah sich Patriarchen Tichon gezwungen, dieser staatlich angeordneten Kalenderreform keinen offenen kirchlichen Widerstand entgegen zu setzen. Jedoch wies das gläubige russische Kirchenvolk, durch die liturgischen und theologischen Willkürakte der "Erneuerer" alarmiert und sensibilisiert, diese Änderung zurück, so dass der Patriarch im Oktober 1924 an die kommunistischen Machthaber schrieb, dass er sich nicht über den Willen des Volkes Gottes hinwegsetzen werde: "Wir hielten es für unsere pastorale Pflicht, die Stimme der Gläubigen zur Kenntnis zu nehmen, um dem Gewissen des Volkes nicht Gewalt anzutun". Bis heute lehnt deshalb die überwiegende Mehrheit in der russischen Orthodoxie den "meletianischer Kalender"  ab. Nur in verschiedenen, von der russischen Gottesdienst-Tradition geprägten Gemeinden in orthodoxen Diaspora wurde er erfolgreich eingeführt.

 

Aber auch die am alten Kalender orientierten Gemeinden in der russischen Diaspora verstehen es, mit zwei Kalendern zu leben. Inzwischen ist in vielen russischen Kirchengemeinden ein Bitt-Moleben zum Beginn des bürgerlichen neuen Jahres gelebte Tradition. Ein gewisses Problem bilden aber bis heute die in der modernen russischen Kultur ausgeprägt begangenen Neujahrfeierlichkeiten, da diese noch in die Zeit der Weihnachtsfasten fallen. Hieraus hat sich, quasi als ein Geschenk des Kalenderwechsels, bei kirchlich orientierten Russen der Brauch der Feier des "Alten Neuen Jahres" entwickelt.

 

 

Wegen der Abweichung in den beiden Kalendern feiern Russen also zwei Neujahrsfeste, eines nach dem "Alten" und eines nach dem "Neuen Kalender". So können auch diejenigen, die die kirchlichen Fastenregeln beachten in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar das beliebte russische Neujahr nachfeiern. Für viele orthodoxe Gläubige hat das Alte Neue Jahr deshalb bis heute seine besondere Bedeutung bewahrt. Heute feiert man das "Alte Neue Jahr" in Russland, der Ukraine, Weißrussland, Moldawien, Armenien und Georgien. Eine gleichartige Tradition gibt es auch in Serbien und Montenegro, da auch die serbische orthodoxe Kirche genauso wie die russische nach wie vor den alten julianischen Kalender verwendet. Die Serben nennen dieses Fest das "Serbische Neue Jahr". Auch in Mazedonien wird das "Alte Neue Jahr" gefeiert. Denn viele Menschen im orthodox geprägten Teil Europas betrachten es als ein wunderbares Fest, welches den Zauber des Neujahrsfestes verlängert oder ihn zum ersten Mal erleben lässt. Das Alte Neue Jahr wird freilich viel gelassener gefeiert und kennt nicht jene Hektik, die unvermeidliche Begleiterin des Neuen Neujahrsfestes in Russsland geworden ist. Auch ist es in Russland kein offizieller Feiertag.

 

Im vorrevolutionären Russland waren die "Koljadki", weihnachtliche Lieder und Tänze zum Neuen Jahr, sehr beliebt. Jede Familie erwartete zwischen den erstenweihnachtsfeiertag und dem Vorabend von Theophanie die Koljadki-Gruppen und bereitete für sie verschiedene Speisen zu.

 

In vielen aus Russland stammenden Familien beginnen die Feierlichkeiten am 24. Dezember mit dem "deutschen" (europäischen) Weihnachtsfest. Danach kommt am 01. Januar das Neujahrsfest, am 07. Januar (25. Dezember) das orthodoxe Weihnachtsfest und schließlich am 14. Januar das "Alte Neue Jahr". Traditionell wird zum Neujahrsfest eine reiche Auswahl an Sakuski gereicht, zu der Kulebjak (russisch Кулебяка (Kulebjaka) eine mit Kohl, Pilzen und Fisch gefüllte Pastete und Salat „Olivier" gehören.

 

Zum Schluss sei hier angemerkt, dass das Alte Neue Jahr nach dem julianischen Kalender (Altes Silvester) auch in einigen deutschsprachigen Kantonen der Schweiz gefeiert wird. Wie in Russland finden sich auch hier Spuren der Nichtakzeptanz des gregorianischen Kalenders durch das Volk.

 

Nach römischer Tradition hat der Heilige Silvester den Heiligen Konstantin nicht nur mit dem christlichen Glauben vertraut gemacht, sondern ihn auch von der Lepra geheilt.
Nach römischer Tradition hat der Heilige Silvester den Heiligen Konstantin nicht nur mit dem christlichen Glauben vertraut gemacht, sondern ihn auch von der Lepra geheilt.

 

Altjahrsabend oder woher kommt eigentlich der Name Silvester?

 

Als Silvester wird der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres, bezeichnet. Nach dem römisch-katholischen Heiligenkalender ist es der Gedenktag des Heiligen Silvester I. († 31. Dezember 335), des Erzbischofs von Alt-Rom und Patriarchen des Abendlandes. Es ist sein Todestag. Er wird als Heiliger verehrt und ist der erste heilige Patriarch von Rom, der nicht das Martyrium erlitten hat. Sein Gedächtnis wird von der Orthodoxen Kirche am 02. Januar, beziehungsweise in der Russischen Kirche erst am 15. Januar begangen. Von der römisch-katholischen Kirche wird sein Gedächtnis an seinem Todestag, dem 31. Dezember, gefeiert. Dieser Tag wird deshalb Silvester oder auch Silvestri-Tag genannt.

 

Auf Silvester folgt der Neujahrstag, der 01. Januar des folgenden neuen Jahres. Das Jahresendfest hatten bereits die Römer gefeiert; erstmals im Januar zu Beginn des Jahres 153 vor Christus, als der Jahresbeginn vom 01. März auf den 01. Januar verschoben wurde. Das Feuerwerk zu Silvester um böse Einflüsse zu vertreiben hat hingegen heidnisch- germanische Wurzeln.

 

Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen der Heiligen Silvester geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, den Todestag des Papstes Silvester I. († 31. Dezember 335). Der liturgische Kalender der abendländisch- lateinischen Kirche führt den Tag seit 813 auch als seinen Gedenktag.

 

In einigen Gegenden Deutschlands heißt der Tag, quasi als Gegenstück zum folgenden Neujahrstag, auch Altjahr, Altjahrsabend oder das Alte Jahr.

 

 

Das römisch-katholische Kirchenjahr endet jedoch nicht an Silvester, sondern vor der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags, und der Weihnachtsfestkreis endet erst an Epiphanias (6. Januar, „Erscheinung des Herrn“) bzw. am Fest der Taufe Christi, das die römisch- katholische Kirche jedoch erst am darauffolgenden Sonntag begeht. Das orthodoxe Kirchenjahr beginnt hingegen in rhomäisch-byzantinischer Tradition am 01. September.

 

So war der Silvestri-Tag ursprünglich ein Heiligen-Gedenktag und kein kirchlicher Feiertag zum Jahreswechsel. Dennoch wird Silvester als Jahrsschluß heutzutage auch kirchlich mit Gebet und Gottesdienst begangen, da Anfang und Ende des bürgerlichen Jahres auch auf im Empfinden der Christen eine Bedeutung hat. Auch vile orthodoxe Gemeinden im Westen laden am Altjahrabend zu einen Dank- und Bitt-Moleben ein.

 

 

Feier des Anschneidens der Vassilopitta

(aus dem Trebnik nach der griechischen Tradition)

 

 

Diakon: Segne, Vater.

 

Priester: Gepriesen sei unser Gott, allezeit, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.

 

Chor: Amin.

 

Troparion des Festes der Bechneidung im 1. Ton

 

Menschengestalt hast Du angenommen, ohne ein anderer zu werden, der Du bist Gott von Natur aus, vielbarmherziger Herr, hast das Gesetz erfüllt und willig zugelassen die Beschneidung des Fleisches, auf daß Du das Schattenhafte brächtest zu Ende und von unsern Leidenschaften entferntest die Hülle. Ehre sei Deiner Güte, Ehre Deiner Barmherzigkeit, Ehre, o Logos, Deinem nicht beschreibbaren Herabstieg.

 

Troparion des Heiligen Basilius im 1. Ton

 

Über die ganze Erde ging aus dein Schall, soweit sie annahm dein Wort. Durch dieses hast gottwürdig du gelehrt und die Natur der Dinge erklärt. Die Sitten der Menschen hast du geordnet. Königliches Priestertum, frommer Vater, bitte Christus Gott, daß uns geschenkt werde das große Erbarmen.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und den Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Kontakion der Indiktion im 4. Ton

 

Der Du Schöpfer und Herr der Ewigkeit bist, Gott des Alls, Der über allen Wesen, segne das neue Jahr, rette in Deiner Gnade und unermesslichen Barmherzigkeit alle, die Dich, den einzigen Herrn, anbeten und in Ehrfurcht rufen: Erlöser, ein fruchtbares Jahr gewähre allen.

 

Diakon: Erbarme Dich unser, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit; wir bitten Dich, erhöre uns und erbarme Dich....

 

Chor nach jeder Bitte: Herr, erbarme Dich (3x)

 

Diakon: Auch bitten wir für die frommen und orthodoxen Christen.

 

Auch bitten wir für unseren Erzbischof (Name) und für alle unsere Schwestern und Brüder in Christus.

 

Auch bitten wir für unsere frommen Völker, für die die Verantwortung tragen und die uns Regierenden und uns Beschützenden.

 

Auch bitten wir für die, die das neue Jahr der Güte des Herr segnen und dass ihnen Friede und Heil werde.

 

Auch bitten wir für (und gedenken derer, für die das Anschneiden der Vassilopitta geschieht) die hoffen auf Dein großes und reiches Erbarmen. 

 

Priester: Denn Du bist ein menschenliebender Gott und Dir senden wir den Lobpreis empor, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.

 

Chor: Amen.

 

Diakon: Lasset zum Herrn uns beten.

 

Chor: Herr, erbarme Dich.

 

Gebet des Priesters:  Herr unser Gott, Der Du die Zeiten und Jahre in Deiner Macht festgelegt hast, und unser Leben aus Deinen Händen hervorquillt, erhöre uns, die wir Deiner bedürfen an diesem besonderen Tag unseres Eintritts in ein neues Jahr Deiner Güte, und segne den/die Kuchen derer, die sie zu Deiner Ehre gebracht haben und zum Lobpreis unseres Vaters Basilios des Großen, des Erzbischofs von Cäsarea in Kappadokien. Blicke herab, der Du uns so vieles schenkst, aus Deinem heiligen Himmel und sende auf uns herab Deine himmlischen Gaben, auf die, die diese Gabe(n) zurechtgemacht haben und auf die, die davon essen, denn auf Dich, den lebendigen Gott haben sie gehofft und hoffen in alle Ewigkeit. Segne unseren Eingang und Ausgang, vermehre in Deiner Güte unser Leben und lenke unsere Schritte zum Handeln nach Deinen göttlichen Geboten, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Auf die Fürbitten Deiner allreinen Mutter, des Vaters unter den Heiligen Basileios des Großen und aller Deiner Heiligen.

 

Chor: Amen.

 

Entlassung durch den Priester: Ehre sei Dir, Christus, unser Gott, Ehre sei Dir.....

 

Segen durch den Priester: Der sich am achten Tag herabließ im Fleische beschnitten zu werden zu unserem Heil, Christus unser wahrer Gott, durch die Fürbitten Seiner ganz makellosen und ganz untadeligen Mutter; durch die Kraft des kostbaren und lebenschaffenden Kreuzes, durch die Bitten des ehrwürdigen, ruhmreichen Propheten, Vorläufers und Täufers Johannes, der heiligen, ruhmreichen und hochgerühmten Apostel, der heiligen und gerechten Gottesahnen Joachim und Anna, unseres Vaters unter den Heiligen Basilius, des Erzbischofs von Cäsarea in Kappadokien, des vom Himmel Erleuchteten, des Großen, und aller Heiligen, erbarme sich unser und rette uns, denn er ist ein gütiger und menschenliebender und gnädiger Gott.

 

Chor: Amen.

 

 

Der Hintergrund für die Tradition der Vassisilopitta

 

Als zu Lebzeiten des Heiligen Basilius des großen eine große Hungersnot und Teuerung in ganz Kleinasien herrschte, forderte der rhomäische Kaiser zu dieser Zeit auch noch eine exorbitant hohe Steuerabgabe von der Bevölkerung von Caesarea in Kappadokien. Die Steuerabgabe konnte von der bereits völlig verarmte Bevölkerung nicht aufgebracht werden, so dass die kaiserlichen Beamten Geiseln von jeder Familie nahmen und ins Gefängnis sperrten. Die mußten von ihren Angehörigen unter Abgabe der letzten noch verbliebenen Wertgegenstände, darunter auch der eheringe ausgelöäst werden. Als der Heilige Basilius von dieser sündhaften, himmelschreienden Ungerechtigkeit erfuhr, nahm er seinen Bischofssstab und das heilige Evangelienbuch und eilte herbei, um seine ihm anvertraute Herde gegen die staatliche Willkür zu verteidigen. Als der Kaiser daraufhin von diesem Sachverhalt erfuhr, tat er Buße für sein ungerechtes Verhalten und wies die Steuereinnehmer an, die gesamten erpressten Wertgegenstände, das gesamte Geld und allen Schmuck an den Heiligen Basilius auszuhändigen. Nun sah sich der Heilige Basilius der schier unlösbaren Aufgabe gegenüber, die Schmuckstücke und Münzen jeweils an den rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. So betete der Heilige zunächst lange vor den Ikonen des Erlösers und der allheiligen Gottesgebärerin. Dann lies der Heilige Basilius alle Münzen und Schmuckstücke in einen großen Brotleib einbacken. Daraufhin versammelte er alle Bewohner der Stadt zum Gebet in der Kathedrale der Stadt. Nach der Feier der Göttlichen Liturgie segnete der Heilige Basilius dieses Brot und scnitt es darauf in Stücke und gaben jedem der anwesenden Bewohner der Stadt ein Stück davon. Nach der einen Überlieferung fand nun jeder in seinem Brotstück die von ihm zur Begleichung der Steuer aufgebrachten Besitztümer wieder, nach der anderen Überlieferung aber fand jeder in seinem Brotstück soviel, wie für die Bestreitung der Lebensnotwendigkeiten erforderlich war. Die Bewohner dankten daraufhin Gott, Der sie durch das Gebet und die Fürsprache des Heiligen Basilius vor Not, Hunger und bitterer Armut bewahrt hatte.

 

In Erinnerung an dieses Wunder, das der barmherzige Gott auf die Fürsprache des Heiligen Basilius des Großen gewirkt hat, begehen die orthodoxen Christen, vor allem in Griechenland,. aber auch in den übrigen Balkanländern  das Anschneiden der Vassiliopitta am 01. Januar. Deshalb wird auch eine Münze in das Brot mit eingebacken. Ebenfalls geht die Tradition, an diesem Tage die Kinder zu beschenken, auf das dankbare Gedächtnis an dieses Wunder in Caesarea zurück.

 

 

Rezept für die Vassilopitta

 

Die Vassilopita ist der traditionelle Neujahrkuchen in Griechenland. Es wird eine Münze mit eingebacken und derjenige, der diese dann erhält hat im Neuen Jahr viel Glück. Es gibt regionale Unterschiede in der Rezeptur. Einige backen die Vassilopita aus Blätterteig mit deftiger Füllung (Schafskäse, Paprika, Pilze usw.), andere als Kuchen. Hier das Rezept für die Kuchenvariante.

 

5 Eier

300 gr. Zucker

350 gr. Mehl

1 Päckchen Backpulver

1 Päckchen Vanillezucker

125 ml Pflanzenöl

175 ml Orangensaft (oder Fanta - dann wird’s lockerer)

Puderzucker zum Bestreuen.

 

Eier mit dem Zucker und dem Vanillezucker schaumig schlagen. Mehl und Backpulver mischen und unterrühren. Öl und Orangensaft unterrühren. Den Teig in eine Backform füllen (Münze nicht vergessen) und im vorgeheizten Backofen bei ca. 175° für ungefähr 40-50 Minuten backen. Den erkalteten Kuchen mit Puderzucker bestreuen.

 

Die Vassilopita wird am Neujahrstag in folgender Reihenfolge angeschnitten: Erst kreuzweise in vier Teile schneiden. Dann im Uhrzeigersinn das erste Stück für Jesus, das zweite für den Agios Vassilis, das dritte für das Haus (wenn weitere Häuser vorhanden sind auch für diese) und dann für alle Familienmitglieder beginnend beim Ältesten. Die übrigen Stücke werden dann für die Gäste und Freunde geschnitten. 

 

Quelle: Andreasbote.