Hier finden Sie einige Kochrezepte für orthodoxe Christen

 

Eine von der orthodoxen Lebenskultur geprägte Küche

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Nationalküchen aller orthodoxen Völker sind alle von einem religiösen Charakterzug geprägt, da sie den von der orthodoxen Kirche geprägten Rhythmus des Lebens aus Fest- und Fastenzeiten deutlich abbilden. Die Fastentage sind wiederum in strenge Fasttage, an denen nicht nur keine tierischen Produkte auf den Tisch kommen, sondern auch alle Speisen ohne die Zugabe von Öl zubereitet werden und in Fasttage, an denen das strenge Fastengebot abgemildert ist, unterschieden. Diese Abmilderung bedeutet in der Regel, dass an diesen Tagen auf der orthodoxen Tafel Wein und mit Öl zubereitete Speisen erlaubt sind. Fällt ein Fest in eine solche Fastenperiode oder auf einen ansonsten gebotenen Fasttag (Mittwoch & Freitag), so sind auch Fischspeisen auf dem orthodoxen Tisch erlaubt. Eine solche Einteilung bei den verschiedenen Fastenspeisen finden wir zum Beispiel in allen russischen Kochbüchern, die vor der Revolution herausgegeben wurden.

 

Seit der christlichen Antike bezeichnet das Fasten vorgeschriebene Ernährungsregeln, die das Gebetsleben der Gläubigen fördern und damit zum inneren geistlichen Wachstum des Menschen beitragen sollen. Insofern gibt es in der Orthodoxie auch keinen Zwang zum Fasten, sondern nur die durchaus sehr ernst gemeinte Einladung der Kirche, diesem Weg zur Erlangung der Heiligkeit mit zu beschreiten.  Die orthodoxe Kirche legt größten Wert auf das Fasten, da von seiner Beachtung im bedeutenden Maße das innere geistliche Leben des Menschen abhängt. Die betonen übereinstimmend alle Heiligen Väter von den Anfängen der Kirche bis in unsere Zeiten.

 

In der konkreten Gestaltung der Fastentage und Fastenzeiten und damit in der Ausgestaltung des persönlichen oder familiären Speiseplans kennt die orthodoxe Kirche jedoch eine große Freiheit. Dient das Fasten doch grundsätzlich und aussschließlich dem Weg des Menschen zur Erlangung des Heiles und nicht zur Durchsetzung einer puritanischen Regelerfüllung. Gläubige orthodoxe Christen werden deshalb aber immer die konkrete Fastenordnung für sich und ihre Familie mit ihrem Beichtvater besprechen und diese nicht willkürlich-individuell für sich festlegen.

 

Das Fasten bezieht sich im Vollzug ganz natürlich in erster Linie auf den Verzicht auf einige Lebensmittel. Jedoch hat es hat einen anderen, tieferen Sinn. Man darf den Sinn des Fastens nicht allein nur auf die Absage auf bestimmte Speisen beschränken. „Wer Fasten nur auf die Enthaltung von Nahrung beschränkt, der entehrt es am meisten, — so sagt uns der Heilige Johannes Chrysostomos. — "Fastest du? Beweise es mir durch deine eigenen Taten… Was nützt es, wenn wir auf Vögel und Fische verzichten und uns mit unseren Brüdern zanken?“ So sind die Fastentage für orthodoxe und Christen vor allem Tage der Reue und Umkehr, Tage der erneuten Sensibilisierung für die Gegenwart Gottes in unserem Leben, Tage des Mühens um die schrittweise geistliche Vervollkommnung, Tage des Gebete und der Buße.

 

In den Vorschriften der orthodoxen Kirche sind mehr als 220 Fasttage im Laufe des Jahreskreises vorgesehen. Welche Tage gelten im orthodoxen Kalender als Abstinenztage?

 

Die Hauptregel lautet: Vor allem fasten orthodoxe Christen an jedem Mittwoch und Freitag, weil am Mittwoch sich unser Herr Jesus Christus auf den Weg zu Seinen lebensspendenden Leiden begeben hat und am Freitag, weil er an diesem Tage zu unserem Heile gekreuzigt worden und gestorben ist. Darüber hinaus gibt es vier große Fastenperioden im kirchlich-orthodoxen Jahreskreis. Das sind die 40 Tage der Heiligen und Großen Fastenzeit, die Apostel-Fastenzeit, die Maria-Entschlafen-Fastenzeit und die Philippus-Fastenzeit (Weihnachtsfastenzeit). Außerdem wird am Tag der Kreuzerhöhung, am Tag der Enthauptung des Heiligen Johannes des Täufers, am Vorabend der Geburt Christi (Heiliger Abend) und am Vorabend von Theophanie (Epiphanias) gefastet.

 

Dem Fasten steht in unserer Zeit die hedonistische Grundstimmung des Lebens hinderlich entgegen. Wir wollen immer alles sofort und in ganzer Fülle haben. Auch gehören Genusssucht und Gier zu den Antriebsfedern des von seinen Leidenschaften getriebenen und beherrschten Menschen. Insofern finden wir all zu leicht bequeme Ausreden, warum wir heutzutage den Beispiel und Vorbild Christi und Seiner Heiligen nicht mehr folgen können. Fasten als Verzicht in einer egoistischen und unbeherrschten Zeit ist und bleibt deshalb ein unverzichtbarer Weg zum persönlichen Streben nach Heiligkeit und ein deutliches Zeichen unseres christlich orthodoxen Glaubens.

 

Vielen orthodoxen Christen - und nicht nur den Konvertiten und Neophyten unter uns - fehlt es oft an einem soliden Fundus an konkret eingeübter orthodoxer Lebenskultur. Zu dieser gehört selbstverständlich auch eine Auswahl praktikabler und schmackhafter Rezepte für die Fest- und Fastenzeiten, die den Tisch unserer orthodoxen Großmütter so selbstverständlich prägten. Da es im Gegensatz zum Buchmarkt in Amerika hierzulande bisher keine Auswahl an "orthodoxen Kochbüchern" gibt, soll an dieser Stelle eine langsam wachsende Sammlung von Rezepten aus den Küchen der verschiedenen orthodoxen Völker, aber auch aus den Küchen in den unterschiedlichen deutschen Regionen erscheinen. Ein Vorbild ist hier die Küchentradition der orthodoxen Familien des Baltikums, in deren Küche sich die russische, baltische und deutsche Kochtradition fruchtbar begegneten. So soll es hier im Kern um Rezepte für preiswerte und leckere Speisen gehen, die einfach zuzubereiten sind und die dann für Sie vielleicht zu einem kleinen „Trost“ während der Fastenzeiten und zu eine besonderen Freude an den Festen des orthodoxen Jahreskreises werden.

 

 

Orthodoxe Rezeptsammlungen und Kochbücher für die Fastenzeit

 

„Was wollen wir heute essen?“ ist eine häufig gestellte Frage. Insbesondere zur Fastenzeit bekommt diese Frage eine besondere Bedeutung, denn Fastentage haben wir als orthodoxe Christen reichlich. Antworten fallen oft schwer, denn nicht jeder hat von zu Hause einen großen Fundus klassischer orthodoxer Kochbücher mitbekommen. Trotzdem ist es wichtig, auch in den Fastenzeiten leckere und abwechslungsreiche Speisen auf den Tisch bringen zu können. Deshalb hier zwei Links zu gibt zwei orthodoxen Rezeptbuch mit vielen leckeren und abwechslungsreichen Fastenrezepten.