Den Alltag heiligen - die kirchlich gesegneten Dinge

 

Das gesegnete Brot in der orthodoxen Kirche

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Antidoron (griech. ἀντίδωρον, „Ersatzgabe“) ist gesegnetes Brot, das nach der Eucharistiefeier ausgeteilt wird. 

 

Bei der Proskomidie, dem ersten Teil der Göttlichen Liturgie, die der Priester vollzieht, während in den Kirchen der griechischen Tradition der Orthros (Morgengottesdienst) gefeiert, in denen der slawischen Tradition jedoch die Dritte und Sechste Stunde gelesen wird, werden das „Lamm“ (die Hostie = ein großes, viereckiges Brotteilchen, das für die Wandlung bestimmt ist), aber auch weitere Gedenkteilchen, für die Allheilige Gottesgebärerin, die übrigen Heiligen, den Patriarchen und den Bischof, sowie die Lebenden und die Toten entnommen. 

 

Diskos während der Proskomidie: In der Mitte das Lamm mit dem Siegelabdruck ICXC NIKA, lins das Teilchen für die Gottesmutter, rechts die Heiligen, vorn der Bischof & Lebende & Tote.
Diskos während der Proskomidie: In der Mitte das Lamm mit dem Siegelabdruck ICXC NIKA, lins das Teilchen für die Gottesmutter, rechts die Heiligen, vorn der Bischof & Lebende & Tote.
Während der Proskomidie werden Gedenkteilchen für Lebende und Verstorbende den Prosphoren der Gläubigen entnommen.
Während der Proskomidie werden Gedenkteilchen für Lebende und Verstorbende den Prosphoren der Gläubigen entnommen.

 

Nach slawischen Brauch lassen die Gläubigen weitere Prosphoren durch die Altardiener zum Rüsttisch in den Altarraum bringen, damit der Lebenden und Verstorbenen, die ihrem Herzen besonders nahe stehen, vom Priester namentlich gedacht wird, denn nach orthodoxem Verständnis ist derjenige, dessen in der Liturgiefeier namentlich gedacht wird, auch in der Fürbitte der versammelten Gemeinde vor Gott in besonderer Weise anwesend. 

 

Aus den Proshoren der Gläubigen wird jeweils ein Eckstückchen als Antidoron herausgeschnitten, während die übrige Prosphore als gesegnete Gabe an die Gläubigen zurückgegeben wird. Das Übrige der während der Proskomidie verwendeten anderen Prosphoren wird in Stücke geschnitten und wie die Prosphoren der Gläubigen gesegnet. Dieses gesegnete, aber nicht gewandelte Brot wird nach der Heiligen Liturgie verteilt und von Orthodoxen nüchtern genossen oder mit nach Hause genommen. Da das Antidoron nicht direkter Teil des Mysterions der Heiligen Eucharistie ist, ist es in einigen orthodoxen Gemeinden auch nicht allein den zur Kommunion zugelassenen orthodoxen Gläubigen vorbehalten. So dürfen in vielen, aber nicht allen orthodoxen Gemeinden auch nicht-orthodoxe aber getaufte Christen das Antidoron als einen symbolischer Rest des altchristlichen Agape, des auf die Heilige Liturgie folgenden Liebesmahles empfangen.

 

Feier der Litija in einer orthodoxen Gemeinde russischer Tradition.
Feier der Litija in einer orthodoxen Gemeinde russischer Tradition.
Artoklasia in einer griechischen Gemeinde.
Artoklasia in einer griechischen Gemeinde.

 

Zum Vespergottesdienst bzw. der Nachtwache der hohen Feiertage gehört ebenfalls eine Segnung von Brot, Wein und Öl, die Litija. Während die Slaven dafür fünf kleine Prosporen verwenden, benutzen die Griechen dafür fünf große, brotförmige Prosphoren. Vor allem in der griechischen Metropolie in Deutschland hat es sich in den letzten Jahren eingebürgert, die Artoklasia als orthodoxen Gottesdienst im Rahmen ökumenischer Veranstaltungen zu zelebrieren, um damit ein Zeichen der brüderlichen Liebe zu setzen und die Hoffnung auf das baldige Kommen der christlichen Einheit auszudrücken.

 

Die Familienikone, Slavski Kolac, Wein und Weizen bei einer serbischen Slava.
Die Familienikone, Slavski Kolac, Wein und Weizen bei einer serbischen Slava.
S.H. der serbischer Patriarch Irinej bei der Feier einer Slava im Rajinovac-Kloster: Während des Singens der Tropare wird der Slavki Kolac von allen auf den Händen gehalten und gedreht.
S.H. der serbischer Patriarch Irinej bei der Feier einer Slava im Rajinovac-Kloster: Während des Singens der Tropare wird der Slavki Kolac von allen auf den Händen gehalten und gedreht.
Brechen des Slavki Kolac.
Brechen des Slavki Kolac.
Festtafel auf einer serbischen Slava-Feier.
Festtafel auf einer serbischen Slava-Feier.

 

Eine weitere Form des gesegneten Brotes in der Orthodoxie kennt die serbische Tradition.

 

Das Hauspatronatsfest (serbisch: Крсна Слава (Krsna Slawa) ist eine Besonderheit unserer serbischen orthodoxen Brüder und Schwestern. Während in den Kirchen der slawischen und griechischen Tradition die Feier des persönlichen Namenspatrons (des Heiligen, dessen Namen wir in der Heiligen Taufe erhalten haben) begangen wird, haben serbische Familien einen besonderen Familienheiligen. An seinem Gedenktag begeht die Familie ihre Slava. Diese Tradition steht in enger Verbindung mit der Christianisierung der Südslawen im 9. Jahrhundert. Höchstwahrscheinlich wurden am Gedenktag dieses Heiligen die Vorfahren dieser Familie gemeinsam getauft. Deshalb ist der serbische Hauspatron familiär bedingt und nicht persönlich wie beim Namenstag. Die Feier der Slava wird von Generation zu Generation an die Söhne weitergegeben. Während der Feier der Slava werden Wein, Weizen (Koliva (Kutija) zum Angedenken an die verstorbenen Angehörigen) und ein Festbrot, der „slawski Kolac“gesegnet.

 

Nach dem Gebet für den Weizen segnet der Priester das Slawa-Brot und den Wein, erhebt das Brot in Richtung der Ikone des Familienheiligen, schneidet es daraufhin in Kreuzform auf und übergießt es mit Wein. Daraufhin wird das Brot gemeinsam dreimal gedreht und anschließend geküsst, mit den Worten: "Christus ist unter uns - jetzt und immerdar!" (serbisch: "Hristos je medju nama - i jeste i bice").

 

Das Brot und der Wein sind Symbole Jesu Christi und der Heiligen Eucharistie. Wenn die Slava richtig verstanden wird, also im Christlich-orthodoxen Sinn, ist die häusliche Feier die Fortführung der liturgischen Feier der Göttlichen Liturgie in der Heimstätte der Gläubigen. Deshalb bringen gläubige Serben, falls der Priester nicht in das Haus der Familie kommen kann, um gemeinsam den Ritus der Slawa mit den Familienmitgliedern zu vollziehen, das Festbrot, den Wein und den Weizen am Festtag der Slawa in die Kirche, um es dort gemeinsam mit dem Priester zu segnen und zu brechen.