Christlich orthodoxer Glaube in der Konfrontation mit Krankheit und Tod

 

Das Geheimnis von Krankheit, Leid und Tod im Glauben der orthodoxen Kirche 

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Um verstehen zu können, wie gläubige orthodoxe Christen den leiblichen Tod verstehen, muss man danach fragen, was für sie das irdische und vor allem das ewige Leben bedeutet, worin der Sinn unseres irdischen Daseins liegt und wie es in Verbindung steht mit unserem Weiterleben, nachdem diese irdische Exsistenz einmal beendet sein wird. Irdische Glück, ein erfülltes Berufsleben, Gesundheit und materielles Wohlergehen sind für gläubige Christen keine absolut setzbaren Wertmaßstäbe. Darin unterscheiden sie sich diametral von der heutigen Weltsicht und dem auf Konsum und Bedürfnisbefriedigung orientierten Lebensstil. Gleichwohl leben auch Christen nicht abgehoben von der sie umgebenden Gesellschaft. Was wir täglich hören, welche Wertmaßstäbe an uns über die Medien beständig herangetragen werden, beeinflusst am Ende zum Teil merklich, zum Teil aber auch weitaus diffiziler, denn langsam und schleichend, unser Denken. Diese Denkkategorien sind auf ein Leben als ob es Gott nicht geben würde und auf hedonistischen, innerweltlichen und materialistischen Wertemaßstäbe ausgerichtet.

 

 

Der Christ aber weiß, dass Wohlergehen und Leiden, Gesundheit und Krankheit, Tod und Auferstehung letztendlich allein aus der Hand Gottes kommen. Deshalb betrachtet die orthodoxe Kirche das irdische, physische Leben, Krankheiten, leibliche und psychische Gesundheit, den Besitz materieller Güter immer nur in ihrem Bezug auf das geistlichen Leben des einzelnen Menschen. Die Schriften der asketischen Väter berichten uns, dass ein Leben ohne die Erfahrungen von Verlust, Scheitern und Leid zu Hochmut und Hartherzigkeit im Herzen des betroffenen Menschen führen wird. Das irdische Wohlergehen ist also nicht absolut wertvoll, genau so wenig wie es das durch die Menschen sinnlos angerichtetes Leid ist, sondern im Leid und durch das Leid kann der Mensch  dazu kommen, seine Hoffnung allein auf Gott zu richten, alles Heil nur von ihn zu erwarten und ein Leben des Gebetes und Glaubens zu führen. Alles was uns in diesem Rahmen widerfährt, ist Teil des Vorhabens Gottes mit dem einzelnen Menschen (1 Thessalonicher 5: 23).

 

 

Jedoch ist es ein vollkommenes Missverständnis, dass Gott das Leid, die Krankheit und den Tod in dieser Welt will. Krieg, Leid, Krankheit und Tod sind eine Folge der Sünde des Menschen. Christus weist in Seinem Evangelium den Gedanken der Leiderklärung durch die Sünde des Leidenden zurück (vgl.: Johannes 9:3)  und die Gottesknechtslieder im Buch des Propheten Jesaja sprechen von der Verblendung derer, die glauben, der Leidende sei von Gott geschlagen. Gott ist wahrhaftig und lügt nicht, wenn ER uns versichert: „So wahr ich lebe, spricht der Herr, Gott, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre von seinem verkehrten Wege und lebe.“ (vgl.: Hesekiel 33:11, 2. Petrus3:16) "Die Absicht Gottes, in der er den Menschen geschaffen hatte, war nicht, dass er zu Grunde gehe, sondern dass er ewig lebe ... Wenn Seine Güte ein noch so kleines Fünklein guten Willens in uns aufleuchten sieht oder eines, das er selbst gleichsam aus dem harten Kiesel unseres Herzens geschlagen hat, so pflegt er es und weckt es und stärkt es durch seine Eingebung" (Heiliger Johannes Cassian) "Der Herr ist langmütig gegen euch, da ER nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen" (2. Petrus 3:9). Es geht im irdisches Leben eines Christen also nicht um "geistlichen Masochismus" und schon gar nicht um ein Arsenal der christlicher Drohgebärden, sondern darum, dass alles, was Gott uns während unseres Lebens schickt, zum Streben nach Heiligkeit, zur Befreiung von unserer Sündenverstrickung, zur Intensivierung des Gebetes und geistlichen Lebens zu nutzen. Alles von Gott gegebene Schicksal dient nach orthodoxer Auffassung dem Endziel, der ewigen Bestimmung des Menschen, vergöttlicht zu werden und mit Hilfe der Gnade des Heiligen Geistes in einen Sohn oder eine Tochter verwandelt werden. Der orthodoxe Christ glaubt als ein Kind Gottes, dass der Sinn seines Daseins, sich nicht auf das irdische Leben beschränkt, sondern dass diese irdische Exsistenz eine Vorbereitung auf die Ewigkeit ist. Freilich ist dies genauso wie das Wort vom Kreuz ein Skandalon, ein Ärgernis, eine ausgemachte Dummheit in den Augen des weltlichen Zeitgeistes (vgl.: 1. Korinther 1:18). Auch wir Christen können als menschliche Wesen mit beschränkter Einsichtsfähigkeit genauso wenig wie der heilige Prophet Hiob das Geheimnis von Krankheit, Leid und Tod begreifen. Jedoch wird es am Tage des Jüngsten Gerichts, wenn das "Geheimnis Gottes vollendet” (Offenbarung, 10,7) wird, genau so offenbar werden wie Sein Plan über den Menschen und über die ganze Schöpfung. Dann wird "Gott abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Offenbarung 21:4).

 

"Zu Handen also ist täglich die Gnade Christi, und da sie will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, ruft sie auch Alle ohne irgend eine Ausnahme und sagt: „Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken (Matthäus 11:28).“                                                                                   

Heiliger Johannes Cassianus

 

 

How to Conduct Ourselves in Illness


We can expect illness and troubles as we live in a fallen world. But, what are we to do when we become ill? Metropolitan Gregory of St. Petersburg gives us some excellent advice from his classic book, How to Live a Holy Life.

1. His first point is that when we become ill we should thank God, knowing that illness is intended for our salvation. It humbles us, makes us aware of our immorality and the limits of our own powers. This is the time when most of us seek help from God. Illness is a great motivator to seek God and to contemplate the eternal life we truly seek. In illness we are forced to leave the sinful life we have been leading. We are separated from our neighbors so we are harmless to them and now able to spend time in quiet solitude with God. Metropolitan Gregory says, "So, thank God that He is not depriving you of His grace and is using one of His most powerful tools in that cause of your salvation."

2. Secondly, this is a time to reflect on how you have sinned in your life and how you have been unrepentant, how you may have avoided confession, failed to participate regularly in the Sacraments, or avoided daily prayer and the fasting guidelines of the Church. Remember that none of us are without sin. As Saint John says, "If we say that we have no sin, we deceive ourselves, and the truth is not in us." (1John 1:8).

3. Think that this illness may be your last. Make yourself aware of the reality of death. We do not know when death will come upon us.  Frequently it comes with illness unexpectedly. Make a confession and ask to receive Holy Communion. Be prepared for the next life, especially during time of illness.

4. When you examine your conscience and you find you are in debt to any one in any way, give instructions to repay and to make things right.

5. Make sure your legal provisions for you property are all in good order.  You want to free your soul in case you will be called to spend the last minutes of your life. You do not want to spend them on worldly cares, but for the eternal life of your soul.

6. Make sure you have called upon a physician and are taking all the medicines for your healing. God has provided all these things for our benefit. Remember, though, that it is God who heals.

7. Try to use this time for the benefit of your soul.  Use the time for prayer, reading spiritual books, or seek conversations with pious individuals.  Avoid TV or idle conversation. Ask for Icons in your room and make the sign of the Cross on yourself regularly. Use this quiet time you have for your spiritual growth.

8. Surrender yourself to God's will. Do not pray importunately for recovery. God knows what is best for your salvation. Remember illness is a tool for our salvation. Thank God for everything.

9. Do not become impatient if your illness becomes prolonged. Impatience, grumbling, or bad temper will not help your recovery.  Metropolitan Gregory says, "Be as patient as possible and pray thus: O Lord, I have sinned much and am worthy of eternal torment, but in Your boundless love, You do not  want me to suffer eternally but have subjected me to a temporal punishment, so that I may come to myself, repent, and reform. How great is thy mercy. Multiply my patience; grant me such grace that I may endure my illness in good spirits and with love for Thee...."

10. When you are feeling that you are regaining your health, Metropolitan Gregory says,"pray to the Lord God that , after the return of your health, He will be pleased to keep you from every sin and will give you a firm memory of those sensations and thoughts that you had during your illness, for very many sick people after the return of their health forget the sensations that they had during their illness."

11. If you feel that your health is worsening, ask for the Mystery of Holy Unction.  If the Lord does not will to heal you body, He will certainly heal your soul.

12. Finally, he writes, "entrust yourself completely to the will of God and do not wish for anything other than that the Lord God do with you whatever is pleasing to Him. This is the best attitude for every person, whatever his condition. Because whoever entrusts himself to the Lord God is God's, and such a one can never perish."

Reference: How to Live a Holy Life, pp 58-64.

 

 

Akathist zur allheiligen Gottesgebärerin

der Heilerin bei einem Krebsleiden

 

 

Wir Deine treuen Diener, die mit Schuldgefühlen vor Deiner neugeoffenbarten Ikone stehen, loben dich mit Liedern, O Königin aller. Sende auf uns, Deine Diener, Deine Heilung herab, die wir jetzt zu dir eilen, das wir alle freudig zu Dir rufen können: Freue Dich, O aller Königin, die Du unsere Gebrechlichkeiten durch Deine Gnade heilst. 

 

 

Die Ikone der allheiligen Gottesmutter „Königin von Allen“ wurde bekannt, indem sich auf die Fürsprache der Gottesmutter viele Bekehrungen ereigneten und auch Heilungen von Krebserkrankungen und anderen Erkrankungen. Aus diesem Grunde wurde für die Krankenhäuser in Russland eine Kopie der Ikone hergestellt. Mit dieser Kopie besuchten Priester und Gläubige Kliniken und beteten davor eine Andacht (Moleben) mit dem Akathist „Königin von Allen“. Danach erfolgt die Segnung von Öl, mit dem die Kranken gesalbt werden. Zum Gebet zu Ehren der Gottesmutter „Königin von Allen – Heilerin von Krebs“ gehört auch das Gebet für die behandelnden Ärzte (siehe Zweites Gebet zur Mutter Gottes im Akathist).

 

 

Das Totengedenken

 

Erzpriester Sergius Heitz

 

Mit Das Verhältnis der orthodoxen Gläubigen zu ihren Toten ist gekennzeichnet durch eine Verbundenheit, die den westlichen Menschen heute weitgehend fremd geworden ist. Dies zeigt sich nicht nur in den häufigen Totengedenken (Kolyba, slawisch Litia; Parastasis, sl. Pannychida), sondern ebenso in der Liturgiefeier, wo in den Diptychen regelmäßig auch der Toten gedacht wird. Dabei reichen die Formen des Totengedächtnisses in manchen Stücken bis in die Antike zurück und sind dem westlichen modernen Denken schwer zugänglich. Verständlicher werden sie vielleicht, wenn man sich ihren Denkhintergrund in vierfacher Hinsicht verdeutlicht: 

 

Da ist zunächst zu beachten, daß das Ziel des Lebens nach or­thodoxem Verständnis das Eingehen in die göttliche Lichthaftigkeit ist, d. h. in jene Sphäre der göttlichen Lichtwelt, in der alle irdische Unruhe sich auflöst. Darum betet der Priester in dem immer wiederkehrenden epikletischen Totengebet für den oder die Verstorbenen, daß er (sie) finden möge(n) „die Ruhe der Seele am Orte des Lichtes, am Orte des Ergrünens, am Orte der Erquickung, wo entflieht aller Schmerz, alle Trübsal und alle Klage“. Und in der Neunten Ode des Kanons der Entschlafenen heißt es: „Den im Glauben zu Dir Hingeschiedenen laß teilhaftig werden Deines strahlenden, göttlichen Lichtes, o Christus! Gewähre ihm die Ruhe im Schöße Abrahams und immerwährende Seligkeit, Allbarmherziger!“ 

 

Zum ändern muß nun aber sogleich hinzugefügt werden, daß der Sündenfall des Menschen ihn an der Erlangung seines Lebenszieles hindert. Darum wird auch in unseren Texten immer wieder auf Schöpfung und Fall Bezug genommen, wie beispielsweise in den Idiomela, die dem hl. Johannes von Damas­kus zugeschrieben werden, wo es im 7. Ton heißt: „Nach Deinem Bilde und zu Deiner Ähnlichkeit hast Du am Anfang den Menschen geschaffen und ihn ins Paradies gesetzt, damit er herrsche über Deine Geschöpfe. Aber durch den Neid des Teufels betrogen, kostete er von der verbotenen Speise und ward ein Übertreter Deiner Gebote. Daher hast Du ihn verur­teilt, wiederum zur Erde zurückzukehren, von der er gekommen, und von Dir die Ruhe zu erflehen, o Herr.“

 

Doch ist auch die Wende des menschlichen Geschickes durch Christi Tod und Auferstehung zu bedenken. Denn durch diese ist der Tod entmachtet worden. Darum wird auch in unseren Texten immer wieder der Überwindung des Todes durch Christi Hinabsteigen ins Totenreich gedacht, wie in diesem Irmos der Achten Ode des Kanons aus der Parastasis: „Du stiegest hinab in die unterste Tiefe und hast die in den Gräbern mit le­benschaffender Hand auferweckt ...“ 

 

Dies aber hat seine Konsequenzen für die in Christi Leib Hineingetauften: Der Tod vermag sie von nun an nicht mehr von­einander zu scheiden. Zwar gibt es für die Lebenden, die nur die sichtbare Welt wahrnehmen können, noch immer ein Ab­schiednehmen beim Tode. Aber die zur Ruhe Eingegangenen sind von ihnen nur scheinbar getrennt. Dies wird erfahren in der Gemeinschaft der Kirche, wo die Heiligen und mit ihnen alle in der Seligkeit Ruhenden mit ihrer Fürbitte und ihrem himmlischen Gottesdienst den noch im irdischen Kampf ste­henden Gliedern des Leibes Christi im Heiligen Geist verbun­den sind. So werden im Kanon der Entschlafenen immer wieder die Märtyrer angerufen. Von ihnen heißt es beispiels­weise in der Fünften Ode: „Die Märtyrer, die Dir dargebracht wurden als heilige Brandopfer und Erstlingsgaben der mensch­lichen Natur stehen für uns ein, immerdar, vor Dir, hochverherrlichter Gott“. Daß die Märtyrer für die gläubigen exemplarische Bedeutung haben, zeigt ein Tropar aus der Neunten Ode dieses Kanons: „Die Hoffnung stärkte die Scha­ren der Märtyrer und ließ sie entflammen in feuriger Liebe zu Dir. Denn sie stellten die zukünftige Ruhe allen vor Augen, die wahrhaft unzerstörbar ist…“ 

 

Auf diesem Denkhintergrund sind nun die Besonderheiten der orthodoxen Begräbnis- und Totengedenkriten zu sehen:

 

Die Ruhe der Toten ist für orthodoxes Verständnis keine Selbstverständlichkeit, sondern ein göttliches Gnadengeschenk, das erbeten werden muß und das zu erbeten, Sache der ganzen kirchlichen Gemeinschaft ist, nicht nur der unmittelbar Betroffenen. Daher ist die Bitte um Sündenvergebung ein wesentlicher Dienst der Kirche, den sie auch für ihre dahinge­schiedenen Glieder übt. So spielen beim Begräbnis von Er­wachsenen die Absolutionsgebete eine wesentliche Rolle. In den Totengedenken ist das wiederholte Priestergebet „Gott der Geister…“ letztlich auch ein Absolutionsgebet. 

 

Die Orthodoxe Kirche kennt kein Fegefeuer, in dem die durch sie auferlegten zeitlichen Sündenstrafen (Epitimien) auch noch nach dem Tode abgebüßt werden müßten. Vielmehr absolviert die Kirche im Begräbnisritus die Toten und befreit sie von allen Auflagen und von jeglichem Fluch, der sie zu Recht oder Un­recht getroffen hat. 

 

Von besonderer Eindrücklichkeit ist ferner, daß beim Begräb­nis die Makarismen (Seligpreisungen) mit eingeschobenen Troparien für den Hingeschiedenen und die, die ihn begraben, gesungen werden. So heißt es in einem dieser Tropare beispiels­weise: „Christus möge dich ruhen lassen im Lande der Lebendigen und die Pforten des Paradieses dir öffnen. Er möge dich zum Bürger Seines Reiches machen und dir vergeben, was immer du im Leben gesündigt hast, du Christusliebender!“ Die Umstehenden jedoch werden in den Makarismen an die Vergänglichkeit alles zeitlichen Glücks erinnert: „Lasset uns hinausgehen, die Gräber betrachten und sehen, was des Menschen Gebein in seiner Nacktheit ist, wie der Mensch wird zur Speise der Würmer und zum Gestank, damit wir erkennen, was Reichtum ist, was Schönheit, was Stärke, was Anmut!“ 

 

Befremdlich mag manchem erscheinen, wie stark trotz aller Glaubenszuversicht die Totenklage zu Wort kommt, insbeson­dere in den Stichira prosomoia beim letzten Kuß. Da heißt es etwa: „Welch eine Trennung, ihr Brüder und Schwestern! Welch Weinen, welch Wehklagen in dieser Stunde. Kommet nun, küsset ihn, der noch vor kurzem mit uns gewesen. Er wird nun dem Grabe übergeben, mit einem Stein bedeckt. Er ist in die Dunkelheit versetzt, zu den Toten begraben, von all seinen Angehörigen und Freunden getrennt. So lasset uns be­ten, daß der Herr ihm die Ruhe verleihe!“ Hier wird die Erlö­sung aus der Klage und von der Trennung nur gerade durch ein Bild angedeutet, nämlich durch das Bild von dem mit einem Stein bedeckten Grab, das an das Grab Christi am Ostermorgen denken läßt.

 

Mit dieser Klage ist aber auch ein Thema verbunden, das sich zur bedrängenden Anfrage an die Lebenden steigert: „Was ist unser Leben? Eine Blume, ein Dunst, wahrlich ein Morgentau! Kommet denn, lasset an den Gräbern uns fragen: Wohin ist die Schönheit des Leibes entschwunden? Wohin die Jugend? Wo­hin die Augen und die körperliche Gestalt? Alles ist verwelkt, wie Gras. Alles ist vergangen. Kommet, fallet nieder vor Chri­stus unter Tränen und bittet ihn, daß Er uns allen die Ruhe verleihe.“ 

 

In eigenartiger Weise gebrochen erscheint die Klage im Ikos nach dem Kondakion des Kanons der Entschlafenen, wo nun die Wehklage zum „Alleluja“ wird: „Du allein bist unsterb­lich, der Du geschaffen und gebildet hast den Menschen. Wir, Sterbliche, sind aus Erde geformt und müssen zurück zu dersel­ben Erde, wie Du befählest, der Du uns schufest und sprachst: Erde bist du und sollst wieder zur Erde kommen! Dahin werden wir, die Sterblichen, alle gebracht. So wehklagen wir jetzt und singen als Grablied: Alleluja, alleluja, alleluja.“ 

 

Schließlich muß noch ein Wort zum Begräbnis von Kindern unter sieben Jahren gesagt werden. Hier sind die Absolutions­gebete unnötig und daher ersetzt durch Gebete, die an die Seg­nung der Kinder durch den Herrn (Mt 19,14) erinnern und an die Verheißung, die ihnen von Christus zuteil wurde (Mk 10,15). Im Kanon und in den Stichira prosomoia werden die Klagen der Eltern und Freunde aufgenommen, so heißt es in einem der Tropare: „Wer wollte nicht klagen, mein Kind, und nicht laut betrauern die Anmut und Schönheit deines unschuldigen Lebens! Gleichwie ein Schiff keine Spur hinterläßt, bist du schnell aus unseren Augen entschwunden. So kommet denn, Freunde, Verwandte und Nachbarn, mit uns zu küssen und zu Grabe zu tragen das Kind!“ In den gleichen Stichira prosomoia wird den trauernden Eltern aber auch kräftig Trost gespendet: „Der Tod ist den Kindern ein Lebensbrunnen. Denn unverletzt von den Übeln der Welt eilen sie zu ihrem Erbteil, der himmlischen Freude In Abrahams Schoß frohlocken sie, und mit den göttlichen Chören der heiligen Kinder jubeln sie jetzt. Im Glauben der Väter feiern sie heitere Feste, weil sie dem seelenmordenden Verderben entronnen sind.“ In der Fünften Ode des Kanons werden die Trostworte schließ­lich dem Kind selbst in den Mund gelegt: „Weinet nicht über mich! Denn Beweinenswertes habe ich nicht getan. Über euch selbst vielmehr, die ihr alle gesündigt, klaget, ihr Verwandten und Freunde, ruft das entschlafene Kind, daß ihr nicht der Strafe anheim fallt.“

 

 

Die orthodoxen Traditionen im Umgang mit kranken und sterbenden Menschen:

 

Wie wird die Schwerkranke Person von der Orthodoxen Kirche betreut, und zum Heimgang seelsorglich vorbereitet?

 

Im Fall einer schweren Krankheit oder wo sich das Leben eines Menschen dem Ende zu neigt, wird dem Menschen das seelsorgliche Gespräch mit einem orthodoxen Priester empfohlen. Ebenso ist es wichtig, dass der orthodoxe Christ sich auf das Ende seines Lebens vorbereiten kann und die heiligen Sakramente der Beichte (покаяние - таинство исповеди) und der Kommunion (Таинство причащения, или евхаристия) empfangen kann. Ob dies in der Kirche oder zu Hause passiert, ist nicht entscheidend und hängt vom Zustand und Wunsch des Kranken ab. Ebenso ist es auch für eine immer mögliche Genesung hilfreich, das Sakrament des heiligen Öl (Таинство Соборования) zu empfangen. Gott ist ein Starker Gott, der Wunder tut (Psalm 77:15)

 

 

Wer wird nach der Begräbnistradition der Orthodoxen Kirche kirchlich begraben?

 

Der christlich-orthodoxe Glaube ist in mehreren Ländern Ost- und Südeuropa verbreitet. 

Alle orthodoxen Menschen egal welcher Nationalität dürfen, als getaufte orthodoxe Christen nach der Begräbnistradition der Orthodoxen Kirche kirchlich bestattet werden.

 

Unter Russen versteht man hierzulande alle Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion stammen. Deshalb wäre es richtig, sich zu erkundigen, welche Glaubensrichtung der Verstorbene und seine Familie angehören. Eventuell war er jüdischen oder muslimischen Glaubens. War der Verstorbene ein orthodox getaufter Christ, so ist der orthodoxe Priester für die Beerdigung zuständig. Nehmen Sie Kontakt zu ihm auf und geben Sie bitte die Kontaktdaten (Name und Telefon) auch an den Bestatter weiter. Ungetaufte und Atheisten können nicht kirchlich bestattet werden.

 

Im Fall unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit, wenn also der Verstorbene und seine anderen Familienmitglieder unterschiedlichen Konfessionen oder Religionen angehören, wäre es als Ausdruck der Pietät gegenüber dem Verstorbenen durchaus sinnvoll, ihn nach dem Ritus seines Glaubens zu bestatten.  Der Begräbnisritus des christlich-orthodoxen Glaubens kann nicht mit anderen Ritualen "kombiniert“ werden. Jedoch kann in konfessionell gemischten Familien der katholische Priester oder evangelischer Pfarrer zum Beerdigungsgottesdienst eingeladen werden. Wieweit der nichtorthodoxe Geistliche dann Gebete, Lesungen  oder eine Traueransprache/ Predigt übernehmen kann, obliegt der Entscheidung des orthodoxen Priesters, der die Beerdigung durchführt.

 

Im Gegensatz zum katholischen oder evangelischen Beerdigungsgottesdienst, der als ein relativ frei gestaltbarer Wortgottesdienst konzipiert ist, handelt es sich bei der orthodoxen Beerdigung um eine ausführliche Pannychida (Totenoffizium / παννυχίδης / Панихида), also um einen fest strukturierten Gebetsgottesdienst/ Moleben für die Verstorbenen. Deshalb wird der Priester auch kirchliche Sänger zum Gottesdienst mitbringen, die die Panychida singen. Für das Ritual der Panychia ist es notwendig, dass der Priester  um alle Seiten des Sarges frei schreiten kann. Wird die Panychida in einer orthodoxen Kirche gehalten, so ist es üblich, soweit das die Bestimmungen der Gemeinde und der körperliche Zustand des Entschlafenen dies zulassen, für die Panychida den Sarg zu öffnen. Das traditionelle orthodoxe Totenhemd, das mit den Leidenswerkzeugen Christi bedruckte Grabtuch und den auf der Stirn des Verstorbenen liegende Totengebet auf einem Papierstreifen erhalten sie normalerweise am Kerzentisch jeder russischen orthodoxen Kirchengemeinde. Darüber hinaus ist es üblich eine kleine Ikone dem Verstorbenen auf die Brust zu legen. Bitte berücksichtigen Sie, dass der Priester und die Sänger Reisekosten haben. Da die orthodoxe Kirche in Deutschland sich ausschließlich über freiwillige Kirchenbeiträge und Spenden finanziert, sollten sie dies  bei der Höhe ihrer Spende berücksichtigen. 

 

Wann darf das Ritual des orthodoxen Begräbnisses vollzogen werden?

 

Der Abschied und die Beerdigung finden, gemäß der christlichen Tradition, am dritten Tag nach dem Tod statt. Gerade hierzulande, wo orthodoxe Christen und orthodoxe Geistliche etwas verstreut sind und manchmal weit voneinander leben, ist es wichtig, den Termin der Beerdigung möglichst sorgfältig zu planen und zu organisieren. Empfehlungswert ist es, dass die Familie des Verstorbenen selbst oder der Bestatter in ihrem Auftrag den Termin der Beerdigung mit dem orthodoxen Priester festlegt.

 

Wer darf das Ritual des orthodoxen Begräbnisses vollziehen?

 

Alle Gottesdienste in der Orthodoxen Kirche, darunter auch die Beerdigung, werden vom orthodoxen Geistlichen vollzogen. Es wäre nicht im Sinne des orthodoxen Begräbnisses, dafür einen Andersgläubigen Geistlichen zu engagieren.

 

Wo wird das Ritual des orthodoxen Begräbnisses vollzogen?

 

 

Alle Gottesdienste der Orthodoxen Kirche, darunter auch die Beerdigung, sollen in einem orthodoxen Gotteshaus gefeiert werden. Wenn dies nicht möglich ist, darf dieses in der Friedhofskapelle bzw. einer Trauerhalle, und als Ausnahme – an der Grabstelle selbst stattfinden.

 

Wie wird das Ritual des orthodoxen Begräbnisses vollzogen?

 

Der Abschied- oder Trauergottesdienst besteht normalerweise aus der Göttlichen Liturgie und dem Gedenkgottesdienst (Panychida). Beides wird im Idealfall in einem orthodoxen Gotteshaus gefeiert.

 

Der Gottesdienst wird am offenen Sarg gefeiert.

 

Es kommt nicht selten vor, dass die Göttliche Liturgie nicht am Tag der Beerdigung gefeiert werden kann. Wenn nur der Gedenkgottesdienst(Pannychida) gefeiert wird, bittet man den Priester am darauffolgenden Samstag die Liturgie zu feiern. Ist das nicht möglich, so wird die Ektenija für die Entschafenen in der Liturgie des folgenden Sonntags gesprochen. Nach der orthodoxen Tradition werden am dritten, sechsten, neunten und vierzigsten Tag Pannychiden für das Seelenheil des Entschlafenen gehalten. Die Göttliche Liturgie kann gemäß dem Wunsch und mit Beteiligung der Angehörigen, auch später gefeiert werden.

 

Falls es nicht möglich ist, die Göttliche Liturgie und/oder den Trauergottesdienst in einer orthodoxen Kirche zu feiern, wird dieses in der Friedhofskapelle bzw. einer Trauerhalle stattfinden, und als Ausnahme – direkt an der Grabstelle.

 

Im Fall, wo der Trauergottesdienst nur in der Friedhofskapelle bzw. einer Trauerhalle stattfindet, ist zu beachten, dass der gesamte Gottesdienst vom Priester und Gemeinde gesungen wird. Instrumentalmusik, wie in der westlichen Tradition üblich, wird nicht gespielt. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn am Anfang bzw. am Ende der Pannychida mit den Glocken geläutet wird. Wo es möglich ist, soll der Raum entsprechend ausgestattet sein mit brennenden Kerzen, Ikonen und Blumen etc.

 

Es ist Tradition, dass der Priester und die Trauergemeinde brennende Kerzen in der Hand tragen.

 

Auch werden Weihwasser und Weihrauch zum Gottesdienst verwendet.

 

Nach dem Ende eines Trauergottesdienstes kommt die Predigt, danach der Abschied der Gemeinde vom Verstorbenen. Der Sarg wird geschlossen und zur Grabstelle getragen.

 

An der Grabstelle werden einige Gebete gesprochen. Mit dem Schlussgebet bzw. Schlussgesang wird der Sarg ins Grab niedergelassen. Die Trauergemeinde verabschiedet sich vom Verstorbenen, indem vom Geistlichen und der Trauergemeinde Erde auf den Sarg geworfen wird.

 

 

Feuerbestattungen haben in der orthodoxen geistlichen Kultur keine Tradition. Soll ein Verstorbener tatsächlich kremiert werden, so sind alle religiösen Rituale vor der Überführung ins Krematorium durchzuführen. Die Urne kann dann im Beisein eines orthodoxen Priesters beigesetzt werden.

 

Auch zu Hause, im täglichen Gebet gedenken orthodoxe Christen ihrer verstorbenen Angehörigen und beten um ihr Seelenheil.

 

Der orthodoxe Glaube an die Wirksamkeit unserer Gebete für die Verstorbene kommt sehr deutlich im Gebet des Priesters zum Ausdruck: " ... Gedenke, oh Herr, auch aller, die in der Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben entschlafen sind. Schenk ihnen die Ruhe dort, wo das Licht Deines Antlitzes leuchtet".

 

Bearbeitet von Thomas Zmija v. Gojan unter Verwendung von Textmaterialien der orthodoxen Gemeinde des heiligen Metropoliten Alexius von Moskau in Leipzig.

 

 

Was im Falle einer orthodoxen Beerdigung zu bedenken und zu erledigen ist

 

Einige Hinweise für Angehörige und Beerdigungsunternehmer

 

Die Orthodoxe Kirche begleitet ihre Kinder zu allen Zeiten des irdischen Lebens mit ihrem Gebet und ihrem Segen. Von daher legt sie auch großen Wert auf einen würdigen Gottesdienst für die Verstorbenen, sowohl in der Aussegnungshalle (Friedhofskapelle) wie am Grab.

 

Um einen reibungslosen Ablauf einer orthodoxen Beerdigung zu gewährleisten, sollten nachstehende Punkte beachtet und auch den ausrichtenden Beerdigungsunternehmern rechtzeitig bekannt gemacht werden.

 

1. Beim Aussuchen der Grabstelle ist darauf zu achten, dass der/die Verstorbene nach Möglichkeit mit Blickrichtung nach Osten zu liegen kommt.

 

2. An einigen – allerdings bislang nur wenigen - Orten in Deutschland gibt es eigene orthodoxe Friedhöfe bzw. Grabfelder auf kommunalen Friedhöfen (so in Berlin-Tegel, Wiesbaden, Düsseldorf, bald auch Magdeburg und Potsdam), auf denen regelmäßig, besonders zu den allgemeinen Totengedenktagen, die vorgesehenen Gottesdienste vollzogen werden.  Die Gläubigen sollten von daher gemeinsam mit den Beerdigungsunternehmern überlegen, ob nicht eine Bestattung auf einem solchen Friedhof in der Nähe sinnvoll ist.

 

3. Da die meisten orthodoxen Pfarrer ein relativ großes Gebiet zu betreuen haben und oft auch vom Beerdigungsort weiter entfernt wohnen, ist es unbedingt notwendig, so schnell wie möglich Verbindung mit dem Geistlichen aufzunehmen und sich über den Termin der Beerdigung und alle anderen Fragen abzusprechen.

 

 4. Es gibt nach orthodoxer Tradition einige Besonderheiten bei der Aufbahrung des/der Toten. So wird ihm/ihr eine kleine Ikone (Christi, der Gottesmutter oder seines Namenspatrons) in die Hände gelegt, auf die Stirn aber ein Papierstreifen mit der Aufschrift „Heiliger Gott – Heiliger Starker – Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich!“. Außerdem ist es üblich, den Verstorbenen in ein besonderes Tuch (so genanntes „Totentuch“) zu hüllen bzw. ihn damit zu bedecken. Diese Gegenstände sind i. d. R. in den Pfarrkirchen erhältlich. Im Zweifelsfall frage man den die Beerdigung vollziehenden Priester danach.

 

5. In der Aufbewahrungskammer der Einsegnungshalle sollte der Sarg mit der verstorbenen Person zumindest bis zum Eintreffen des Priesters offen bleiben, wenn es auf Grund örtlicher Vorschriften nicht möglich ist, wie eigentlich im orthodoxen Begräbnisritual vorgesehen, dass der Sarg erst in der Aussegnungshalle geschlossen wird, nachdem alle von dem Toten Abschied genommen haben. Auf jeden Fall muss der Priester die vorgeschriebenen Absolutionsgebete am offenen Sarg vollziehen. Daher ist er erst nach diesen – sei es in der Aussegnungshalle oder wenigstens in der Aufbewahrungskammer – zu schließen.

 

6. Für die Feier der Aussegnung in der Halle sind etwa 45 Minuten vorzumerken. Es ist deshalb von Vorteil, den Zeitpunkt einer orthodoxen Beisetzung am Schluss der allgemeinen Beerdigungszeit anzusetzen. Auf jeden Fall muss die Friedhofsverwaltung darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine orthodoxe Totenfeier in der Friedhofskapelle bzw. –halle deutlich länger dauert als die der westlichen Konfessionen und ein entsprechender zeitlicher Rahmen angesetzt wird.

 

7. An die Trauergäste werden zuvor kleine Kerzen verteilt, die sie während der ganzen Feier brennend in der linken Hand halten. Es ist rechtzeitig dafür Sorge zu tragen, dass diese Kerzen von der Pfarrei besorgt oder ggf. vom Priester mitgebracht werden. Dies muss vorab mit ihm abgesprochen werden.

 

8. Bei der orthodoxen Aussegnung wird Weihrauch verwendet. Kränze, Zierpflanzen und Kerzenleuchter sollten so gestellt werden, dass der Priester ungehindert den Sarg umschreiten, und von allen vier Seiten beräuchern kann.

 

9. Wenn ein Chorgesang gewünscht wird, so muss dieses mit dem Pfarrer und den Sängern abgesprochen werden. Auch über eine eventuelle Vergütung für den Chor sollte man sich zu diesem Zeitpunkt (und nicht erst nach der Beerdigung) ins Einvernehmen setzen.

 

10. Begleitendes Orgelspiel oder klassische Instrumentalmusik ist im orthodoxen Beerdigunggottesdienst nicht vorgesehen und von daher zu vermeiden. Sollte es dennoch von (nichtorthodoxen) Angehörigen dringend gewünscht werden, ist die Musik vor dem Beginn und nach der Beendigung der eigentlichen liturgischen Feier einzuspielen.

 

11. Beim Gang zum Grab richtet sich der Ritus nach den örtlichen Gepflogenheiten. Da nach orthodoxem Bruch der Priester und die Trauergemeinde Erde zum Abschied in das Grab geben ist eine Schale Erde mit einer kleinen Schaufel bereitzustellen.

 

12. Obwohl von der Kirche ausdrücklich nicht gebilligt, werden heutzutage gelegentlich aus Unwissenheit oder von nichtorthodoxen Angehörigen, Feuerbestattungen bestellt. Dies widerspricht eindeutig der orthodoxen Tradition, denn die Erdbestattung in der Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches ist vom orthodoxen Glauben her die einzige dem orthodoxen Christen gebührende Form. Von daher wirkt in der Regel der orthodoxe Pfarrer auch bei einer Bestattung nach einer Kremation nicht mit. Ist trotzdem eine Feuerbestattung erfolgt bzw. geplant, so muss mit dem orthodoxen Pfarrer abgeklärt werden, ob er es für möglich hält, eventuell statt der eigentlichen Beerdigung einen kurzen Gedenkgottesdienst – etwa am Grabe – zu halten. Dies dürfte wesentlich davon abhängen, welche Motive ggf. für die Feuerbestattung maßgeblich waren bzw. ob sie keine grundsätzliche Ablehnung der orthodoxen Glaubenspositionen beinhalten. Dies kann aber nur im Einzelfall geklärt werden.

 

13. Der beerdigende Priester muss oft einen beträchtlichen Anfahrtsweg zurücklegen. Er bekommt auch keine Besoldung aus Kirchensteuermitteln. Die Hinterbliebenen werden daher um eine angemessene Aufwandsentschädigung für den Priester gebeten, die sie ihm in einem (geschlossenem) Umschlag, oder über das Beerdigungsunternehmen übergeben. Die Höhe dieses Betrages können sie selbst bestimmen, sollten aber bedenken, dass sie auf diesem Wege auch zur Unterstützung des Lebens der Kirchengemeinde beitragen können.

 

14. Nach orthodoxer Tradition sind weitere Gedenkgottesdienste – etwa am dritten, sechsten und vierzigsten Tag nach dem Hinscheiden – für Verstorbene üblich; die Angehörigen sollten sich am besten direkt darüber mit dem Priester verständigen, ob er diese Gottesdienste – sei es erneut am Grabe oder in der Kirche – halten kann.

 

Bearbeitet von Thomas Zmija v. Gojan unter Verwendung von Textmaterialien der orthodoxen Gemeinde des heiligen Prokopius in Konstanz.

 

 

Das Gebet für die Toten

 

Erzpriester Michail Pomazansky

 

 

 

Betet füreinander (Jakobus 5: 16).

Leben wir, so leben wir dem Herrn;

sterben wir, so sterben wir dem Herrn (Römer 14: 8).

Die Liebe hört niemals auf (1. Korinther 13: 8).

Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun,

damit der Vater im Sohn verherrlicht wird (Johannes 14: 13).

 

In Gott sind alle lebendig. Das kirchliche Leben ist durchdrungen von einem lebendigen Bewusstsein und Empfinden darüber, dass unsere Verstorbenen nach dem Tode weiterhin leben, nur in einer anderen Form als hier auf der Erde, und dass ihnen nicht die geistige Nähe zu jenen, die hier auf Erden zurückgeblieben sind, entzogen ist. Daher reißt das Band des Gebetes mit ihnen auf Seiten der pilgernden Kirche (auf Erden) nicht ab. Weder Tod noch Leben ... können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn (Römer 8: 38). Die Verstorbenen bedürfen nur einer Art von Hilfe von ihren Brüdern: Gebet und Fürbitte für die Vergebung ihrer Sünden. 

 

Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach Seinem Willen, so hört Er uns. Und wenn wir wissen, dass Er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von Ihm erbeten haben. Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tode, so mag er bitten, und Gott wird ihm das Leben geben - denen, die nicht sündigen zum Tode. Es gibt aber eine Sünde zum Tode, bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll (1. Johannes 5: 14-16).

 

Dieser Anweisung des Apostels entsprechend betet die Kirche für alle ihre Kinder, die mit wahrer Reue gestorben sind. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende (Römer 14: 8-9). Jenen jedoch, die mit nichtbereuten Sünden, außerhalb der Gemeinschaft mit der Kirche, sterben, werden auch keine Gebete gewährt, wie aus den oben erwähnten Worten des Apostels Johannes folgt: ... Sünde zum Tode, bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll, denn solche Gebete wären ohne Sinn.

 

In der Kirche des Alten Bundes bestand auch schon der Brauch, für die Toten zu beten. Diesbezüglich gibt es das Zeugnis der heiligen Geschichte. So in den Tagen des frommen Führers der Juden Judas Makkabäus, als nach einer Inspektion jener, die auf dem Schlachtfeld gefallen waren, in deren Kleidung Beute gefunden wurde, die aus den den Götzen geweihten Gaben bestanden, und alle Juden priesen nun das Wirken des Herrn, des gerechten Richters, der das Verborgene ans Licht bringt. Anschließend hielten sie einen Bittgottesdienst ab und beteten, dass die begangene Sünde wieder völlig ausgelöscht werde. Und Judas Makkabäus selbst sandte nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Darin handelte er sehr gut und edel, denn er gedachte der Auferstehung (2. Makkabäer 12: 39-43).

 

Dass die Vergebung der Sünden für jene, die nicht zum Tode gesündigt haben, sowohl im gegenwärtigen als auch im Leben nach dem Tode gewährt werden kann, läßt sich klar aus den Worten des Herrn Selbst folgern: Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; doch wer etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser, noch in der kommenden Welt (Matthäus 12: 32). Gleichfalls wissen wir aus den Worten Gottes, dass der Herr Jesus Christus die Schlüssel der Hölle und des Todes (Offbarung 1: 18) hat; folglich hat Er die Macht, die Pforten der Hölle durch die Gebete der Kirche und durch die Kraft des Unblutigen Opfers, das für die Toten dargebracht wird, zu öffnen.

 

In der christlichen Kirche legen all die alten Liturgien, sowohl des Westens als auch des Ostens, Zeugnis für das Gedenken der Toten im Gebet ab. Solche Liturgien sind unter den Namen des Heiligen Apostels Jakobus, des Bruders des Herrn, des Hl. Basilios des Großen, des Heiligen Johannes Chrysostomus und des Heiligen Gregor des Großen bekannt. Ähnliche Hinweise sind in den römischen, spanischen und gallikanischen Liturgien zu finden, und schließlich auch in den alten Liturgien jener Gruppen, die sich von der Orthodoxie abgesondert haben: die Jakobiter, Kopten, Armenier, Äthiopier, Syrer und andere. Unter all diesen ist keine einzige zu finden, in der nicht ein Gebet für die Toten vorhanden ist. Das Zeugnis der Väter und Lehrer der Kirche spricht in gleicher Weise.

 

So stellt der Hl. Ephraim der Syrer über die gute Wirkung der von Gebeten erfüllten Gemeinschaft zwischen jenen, die auf Erden leben, und den Toten folgende Überlegung an: „Für die Toten ist das Gedenken, das von den Heiligen während ihrer Lebenszeit durchgeführt wird, segensreich. Wir finden ein Beispiel dafür in einer Reihe von Werken Gottes. Zum Beispiel sind in einem Weinberg die reifenden Früchte im Feld, und der Wein wird in die Gefäße hinein ausgepresst. Wenn nun die Weintrauben an den Weinstöcken reifen, dann beginnt der Wein, der bewegungslos im Haus steht, zu schäumen und sich zu bewegen, als wünschte er zu entfliehen. Dasselbe geschieht, so scheint es, mit einer anderen Pflanze, der Zwiebel, denn sobald die Zwiebel, die ins Feld gesät wurde, zu reifen beginnt, fängt die Zwiebel, welche im Hause ist, auch zu keimen an. Und wenn also sogar schon wachsende Dinge miteinander ein solches Gemeinschaftsgefühl haben, werden nicht die Fürbitten durch das Gebet von den Toten noch um vieles mehr gefühlt werden? Und wenn du vom Empfinden her damit einverstanden bist, dass dies in Übereinstimmung mit der Natur der Geschöpfe geschieht, dann bedenke, dass du das Erste der Geschöpfe Gottes bist.“

 

Im Gebet für die Toten setzt sich die Kirche für diese wie für die Lebendigen ein, und zwar nicht in eigenen Namen, sondern im Namen des Herrn Jesus Christus (Johannes 14: 13-14), und durch die Kraft Seines Kreuzesopfers, das für die Errettung aller dargebracht wurde. Diese eifrigen Gebete helfen den Samen des neuen Lebens, die unsere Hingeschiedenen mit sich genommen haben – wenn diese Samen nicht in der Lage waren, ausreichend hier auf Erden aufzugehen –, allmählich sich zu öffnen und sich unter dem Einfluss der Gebete und der Gnade Gottes zu entwickeln, genauso wie sich ein guter Same in der Erde unter den lebensschenkenden Strahlen der Sonne und günstigen Witterungseinflüssen entwickelt. Ähnlich aber wären ohne Kraft die Gebete für jene Toten, die in Unglauben und ohne Reue gestorben sind, und die in sich den Geist Christi ausgelöscht haben (1. Thessalonicher 5: 19). Solchen Sündern gegenüber muss man sich der Worte des Erlösers im Gleichnis des reichen Mannes und des Lazarus erinnern: dass es keine Rettung für jene aus den tiefsten Bereichen der Hölle gibt und keinen Übergang für sie in den Schoß Adams (Lukas 16: 26). Und in der Tat hinterlassen solche Menschen üblicherweise keine Menschen auf Erden, die ernsthaft zu Gott für sie beten; genauso haben sie sich keine Freunde unter den Heiligen im Himmel gemacht, die sie, wenn sie schwach werden (das bedeutet, sterben), in die immerwährenden Wohnungen aufnehmen – das heißt, für sie beten mögen (Lukas 16: 9).

 

Natürlich ist es auf der Erde nicht bekannt, welchem Los jeder einzelne nach seinem Tode unterworfen ist. Aber das Gebet der Liebe kann niemals ohne Gewinn sein. Wenn unseren Toten, die uns nahe stehen, das Königreich des Himmels gewährt wird, antworten sie auf das Gebet für sie mit einem Antwortgebet für uns. Und wenn unsere Gebete nicht die Kraft hätten, ihnen zu helfen, so sind sie keinesfalls für uns von Schaden, den Worten des Psalmisten entsprechend: Mein Gebet kehrte zurück zu meiner Brust (Psalm 34: 16); und auch gemäß der Worte des Erlösers: Lasst euren Frieden zu euch zurückkehren (Matthäus 10: 13). Doch sie sind uns tatsächlich zum Nutzen. Der Heilige Johannes von Damaskus bemerkt: „Wenn jemand es wünscht, einen Kranken zu salben mit Myrrhe oder einem anderen geweihten Öl, wird er zunächst ein Teilhaber an der Salbung selbst und dann salbt er den Kranken. So empfängt also jeder, der um die Errettung seines Nächsten kämpft, zuerst für sich selbst Gewinn, und bietet diesen dann dem Nächsten; denn Gott ist nicht ungerecht, so dass er die Werke vergäße, gemäß dem Wort des Göttlichen Apostels.“

 

 

Die Panychida oder der Parastas -

das Gebet für die im Herrn

entschlafenen Christen

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Panychida oder der Parastas ist ein kirchliches Gebetsfolge für die verstorbenen Christen. Aufgrund der orthodoxen kirchlichen Tradition wird im Rahmen des kirchlichen Totengebetes nicht für diejenigen Verstorbenen, die die heilige Taufe in ihrem Leben nicht empfangen haben oder Angehörige anderer Religionsgemeinschaften waren, gebetet. Wer vor dem Zeitpunkt seines Todes jedoch bereits Katechumene der orthodoxen Kirche war, wird sowohl kirchlich beerdigt, als auch in das kirchliche Totengebet mit eingeschlossen. Haben wir jedoch nichtchristliche oder ungläubige Angehörige oder Freunde, so können wir im Rahmen unserer persönlichen Gebete Fürbitte bei Gott für sie halten, denn das kirchliche Totengebet ist ausdrücklich den Christen vorbehalten.

 

Eine Panychida wird traditionsgemäß zu folgenden Anlässen gehalten:

 

• Kurz nachdem jemand zu Hause oder im Krankenhaus gestorben ist.

 

• Am Abend vor dem Begräbnis, in der Aussegnungshalle oder in der Kirche.

 

• Beim Begräbnis auf dem Friedhof. Bei dieser Panychida gießt der Priester, bevor der Sarg ins Grab hinab gelassen wird, kreuzweise Öl auf den Verstorbenen und spricht die folgenden Psalmverse: „Besprenge mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee“ (Psalm 50: 7). Dann streut der Priester Erde ins Grab und spricht dabei: „Des Herrn ist die Erde, und was sie erfüllt; der Erdkreis und alle, die darauf wohnen (Psalm 23: 1). Denn Erde bist du und zur Erde wirst du zurückkehren“ (Genesis 3: 19).

 

• Am dritten Tag nach dem Entschlafen des Verstorbenen. Dieser Tag ist meistens zugleich der Tag vor dem Begräbnis bzw. der Tag des Begräbnisses selbst. Ist dieser dritte Tag wirklich der Beisetzungstag, so wird an diesem Tag nicht das Fürbittgebet für die Verstorbenen (Panychida) vollzogen, sondern es wird der Begräbnisgottesdienst selbst gehalten, der eine erweiterte Form der Panychida darstellt.

 

• Am neunten Tag nach dem Entschlafen. Diese Panychida wir, wenn möglich, auf dem Friedhof direkt am Grab gehalten.

 

• Am 40. Tag, oder meist aus praktischen Gründen am vorhergehenden oder folgenden Samstag, wird in der Kirche nach der Feier der Göttlichen Liturgie eine Panychida oder zumindest ein kurzes Toten-Gedenken, die Lita, gehalten. Am 40. Tag geht die Familie auch mit dem Priester auf den Friedhof zum Grab, um dort ein kurzes Totengebet (Litia) zu halten.

 

• Genau so wird im dritten, sechsten, neunten und zwölften Monat nach dem Tode eine Panychida in der Kirche und danach eine Litia am Grab gehalten.

 

• Nach dem Trauerjahr wird dann jeweils am Jahrestag des Entschlafens eine Panychida in der Kirche und danach eine Litia am Grab gehalten.

 

Die hier geschilderten Traditionen beziehen sich jedoch auf die Gegebenheiten und Möglichkeiten in Ländern mit mehrheitlich orthodoxen Bevölkerung. So werden z. B. in den meisten Pfarrkirchen in der Diaspora am Samstag keine Liturgien gefeiert. Jedoch besteht in der Regel Samstags die Möglichkeit, in der Kirche, meist vor dem Vespergottesdienst, eine Panychida vollziehen zu lassen. Diese erbittet man am besten mittels einer telefonischen Vereinbarung (einige Tage vorher) beim Priester. Der Samstag ist seit apostolischer Zeit  in der orthodoxen Kirche dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet. Die gilt in besonderer Weise für die „Seelen-Gedenk-Samstage“. Diese Seelen-Gedenk-Samstage (Родительская суббота) sind jeweils im kirchlichen Jahres-Kalender angezeigt. Vor allem sind es der Samstag vor dem Sonntag des Fleischverzichts (eine Woche vor Beginn der Großen Fastenzeit) und der Samstag vor dem Pfingstfest. An diesen Tagen wird aller Verstorbenen, also auch derjenigen, die keine lebenden Angehörigen mehr haben, die für sie beten könnten, in der Kirche gedacht. 

 

 

Zur Feier der Panychida bringt die Familie eine - Kutja (кутья) oder Kollyva (κόλλυβαколивоgenannte - Speise mit in die Kirche. Sie besteht aus in Honig und Wasser gekochten Weizenkörnern, die anschließend mit Zucker, Sultaninen und Nüssen vermengt worden sind. In Russland wird diese Totenspeise heute vielfach auch mit gekochtem Reis zubereitet oder die Trauernden bringen heutzutage einfach etwas Gebäck mit. Die Kutja oder Kollyva wird nach der Panychida an die Anwesenden verteilt. Die Art und Weise wie sie verteilt wird gibt uns zugleich Aufschluss darüber, warum sie überhaupt in die Kirche mitgebracht worden ist. Derjenige, der von der Kutja anbietet spricht: "Zu Gedächtnis an den Entschlafenen Knecht Gottes N. N. (der entschlafenen Magd Gottes N.N.)" und der Empfangende spricht: "Ewiges Gedenken!"Er wird daraufhin dem genannten Entschlafenen den brüderlichen Liebesdienst erweisen und in seiner Gebetsregel eine Zeit lang für das Seelenheil des Genannten mitbeten. Insgesamt gehört das Gebet für die Entschlafenen zu den wichtigen Diensten der Barmherzigkeit, die wir als Christen wahrnehmen können.

 

 

Das Gebet für die Entschlafenen hat seinen Ursprung bereits in der apostolischen Zeit. Schon die Apostolischen Konstitutionen empfehlen das Totengebet am dritten Tage nach dem Tode, um den Tod Christi und Seine glorreiche Auferstehung am dritten Tag abzubilden; am neunten Tag als Erinnerung für die Lebenden und die Toten und am vierzigsten Tag nach der alten Tradition, denn das alttestamentliche Gottesvolk trauerte auf diese Weise um den heiligen Propheten Mose. Auch der heilige Symeon von Thessaloniki biete uns im 14. Jahrhundert eine weitere Deutungsmöglichkeit für diese Gedenktage an: „Das Gedenken nach drei Tagen machen wir für die Allheilige Dreieinheit, denn von der Heiligen Dreieinheit haben wir unsere Existenz und unser Leben. Das Gedenken am neunten Tag erinnert uns an die neun Ordnungen der heiligen Engel, unter welche unser geliebter Toter nun gezählt ist. Das Gedenken am vierzigsten Tag ist Symbol für die Himmelfahrt unseres Erretters. Die Gedenken nach drei, sechs und neun Monaten symbolisieren wiederum die Allheilige Dreieinheit.“

 

 

Auch die Totenspeise Kutja oder Kollyva  hat wegen ihrer gekochten Weizenkörner ebenfalls kirchlichen Symbolcharakter. Denn die Körner drücken den festen Glauben an das ewige Leben aus. Unser Herr Jesus Christus sagte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reichliche Frucht“ (Johannes 12: 24). So wie neues Leben aus den in die Erde versenkten Körnern erwächst, so wird sich, nach dem christlich-orthodoxen Glauben, auch der nun Begrabene zu einem neuen Leben in Gott erheben. Deshalb werden die Körner auch mit Zucker, Rosinen und Nüssen bedeckt, um die Wonne des Ewigen Lebens bei Gott zu symbolisieren.

 

 

Bereits in frühchristlicher Zeit wurde für die Verstorbenen gebetet. Die Heiligen Johannes Chrysostomus und Johannes von Damaskus bezeugen uns, dass die Praxis für die Toten zu beten bereits von den heiligen Aposteln angeordnet wurde. Schon in apostolischer Zeit wurde von den einzelnen Gläubigen, aber auch von der ganzen Kirche die Bitte um die Ruhe der Verstorbenen und ihr Seelenheil in das täglichen Gebet mit eingeschlossen. Dies wissen wir heute zum Beispiel durch das Zeugnis der Schriften des Tertullian (200 nach Christus), des Heiligen Cyprian, des Bischofs von Karthago (250 nach Christus), und den Apostolischen Konstitutionen (aus dem 4. Jahrhundert). Doch bereits schon das alttestamentliche Gottesvolk kannte das Gebet für die Toten.

 

 

Das Gedenken für die Lebenden und zu Gott Entschlafenen

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Gebot Gottes, die Eltern zu ehren, ist nicht nur auf ihr irdisches Leben beschränkt, es gilt auch nach ihrem Tod. Jetzt brauchen wir uns nicht mehr um ihr materielles und körperliches Wohlergehen zu sorgen, dafür benötigen nun unsere Eltern das Gebet mehr als jemals zuvor. Das Gebet für die Verstorbenen ist sehr wichtig, nicht nur für die Eltern, sondern auch für alle anderen Verwandten und überhaupt für alle Vorfahren. Das von Gott für die Achtung der Eltern verheißene Wohlergehen und lange Leben wird auch jenen zuteil, die der Verstorbenen gedenken.

 

Für das Totengedenken wurden von der Kirche besondere Gedenktage bestimmt, obwohl wir jeden Tag bei den Morgen- und Abendgebeten ihrer unter Nennung der Taufnamen gedenken und Gott bitten sollten, dass Er ihnen die ewige Ruhe und das ewige Leben in Seinem Himmlischen Reich schenken möge, wo es keine Krankheit, kein Leid und kein Seufzen mehr gibt. Gewöhnlich geschieht dieses Gedächtnis am Ende der Morgengebete, darauf wird auch im orthodoxen Gebetbuch nach der russischen Tradition hingewiesen.

 

Kurze Andacht für die Entschlafenen
am Ende der Göttlichen Liturgie
Troparien für die Verstorbenen, 4. Ton:
 
Mit den Seelen der vollendeten Gerechten laß ruhen, Erlöser, die Seele Deines Dieners! Bewahre sie zum seligen Leben bei Dir, Du Menschenliebender.
In Deiner Ruhestätte, Herr, wo alle Deine Heiligen sich finden, laß auch die Seele Deines Dieners / Deiner Dienerin ruhen, denn Du allein bist der Menschenliebender.
 
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
 
Du bist unser Gott, der in die Hölle hinabstig und die Fesseln der Gebundenen löste, bringe Du selbst zur Ruhe die Seele Deines Dieners / Deiner Dienerin !
 
Jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.
 
Du einzig reine und makellose Jungfrau, die Du ohne Samen Gott geboren hast, bitte, daß erlöst werde seine/ ihre Seele!
 
Gebet für die Verstorbenen
 
Gedenke, Herr, unser Gott, Deiner im Glauben und in der Hoffnung des ewigen Lebens dahingeschiedenen Dienern N.N., und als der Gütige und Menschenliebende, der die Sünden nachläßt und die Ungerechtigkeiten vernichtet, vergib, laß nach und verzeihe alle ihre vorsätzlichen und unvorsätzlichen Versündigungen. Erlöse sie von der ewigen Qual und dem Feuer der Hölle, und gib ihnen Empfang und Genuß Deiner ewigen Güter, die bereitet sind denen, die Dich lieben. Obwohl sie sündigten, sind sie nicht von Dir abgefallen und glaubten unzweifelhaft an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist; Dich, die gepriesene Dreifaltigkeit, und die Einheit in der Dreifaltigkeit, und die Dreifaltigkeit in der Einheit, rechtgläubig sogar bis zu ihrem letzten Atemzuge bekannten sie. Deshalb sei ihnen gnädig, und nimm den Glauben an Dich, anstatt der Taten, an, und mit Deinen Heiligen laß sie als der Barmherzige ruhen; denn es ist kein Mensch, der da lebte und nicht gesündigt hätte. Denn Du allein bist ohne alle Sünde, und Deine Gerechtigkeit ist Gerechtigkeit auf ewig; und Du bist allein der Gott der Gnade und Barmherzigkeit und Menschenliebe, und Dir senden wir den Lobpreis empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Aus dem orthodoxen Gebetbuch nach der russischen Tradition

 

Für die Lebenden


Gedenke Herr, Jesus Christus, unser Gott, Deiner von Anbeginn der Welt währenden Gnade und reichen Güte, dank derer Du Mensch geworden bist, Kreuzigung und Tod für die wahrhaftig an Dich Glaubenden zu erleiden geruhtest und von den Toten auferstanden bist, aufgefahren bist in den Himmel und zur Rechten Gottes des Vaters sitzest und auf die demütigen Gebete aller herabschaust, die aus ganzem Herzen rufen zu Dir. Neige Dein Ohr und erhöre das demütige Bitten Deines unnützen Dieners, welcher Dir dieses zum Dufte geistlichen Wohlgeruchs für alle Menschen darbringt: Zuerst gedenke Deiner heiligen katholischen und apostolischen Kirche, die Du mit Deinem kostbaren Blut gerüstet hast und stärke, festige, verbreite, vermehre, befriede sie und bewahre sie in Ewigkeit unüberwindbar für die Pforten der Hölle. Überwinde die Spaltung der Kirchen, stille das Toben der Heiden, setze dem Aufruhr der Irrlehren ein baldiges Ende durch die Kraft Deines Heiligen Geistes. (Verbeugung)


Rette, Herr, und erbarme Dich unseres von Gott behüteten Landes und aller, die es regieren und beschützen, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Lauterkeit. (Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich unseres heiligsten Patriarchen N. N., unseres hochwürdigsten Erzbischofs N. N., der hochwürdigsten Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe, der Priester, Diakone und des gesamten geistlichen Standes, die Du zum Hirtendienst an Deiner Herde bestellt hast; durch ihre Gebete erbarme Dich und errette mich Sünder. (Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich meines geistlichen Vaters N. N. und vergib mir meine Sünden durch seine heiligen Gebete. (Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich meiner Eltern, Brüder und Schwestern, meiner Verwandten, aller meiner Familie Nahestehenden und meiner Freunde; gewähre Ihnen Deine irdischen und überirdischen Güter. (Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich der Alten und Jungen, der Bettler, Waisen und Witwen sowie der Kranken und Leidenden, der Bedrängten und Betrübten, der Gefangenen und der Verbannten, vor allem jedoch derer, die um Deines Namens und des orthodoxen Glaubens willen von Gottlosen, Abtrünnigen und Häretikern verfolgt werden; gedenke ihrer, suche sie heim, stärke, tröste sie und laß ihnen bald durch Deine Kraft Linderung, Befreiung und Erlösung zuteil werden.(Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich der uns Wohltuenden, die uns ihre Güte erweisen und uns ernähren, uns Mildtätigkeit erwiesen und uns Unwürdige damit betraut haben, für sie zu beten, und die uns Geborgenheit geben; gewähre ihnen Deine Güte, gib ihnen Gebete zum Heil sowie die Erlangung der ewigen Güter.(Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich aller unserer zum Dienst gesandten und reisenden Väter und Brüder sowie aller rechtgläubigen Christen. (Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich all jener, die ich in meiner Gedankenlosigkeit verleitet und vom Heilsweg abgebracht und zu bösen und ungeziemenden Taten angestiftet habe; führe sie in Deiner göttlichen Vorsehung wieder auf den Weg des Heils zurück. (Verbeugung)


Errette, Herr, und erbarme Dich aller, die mich hassen, beleidigen und mir nachstellen; laß nicht zu, daß sie wegen mir, des Sünders, zugrunde gehen.(Verbeugung)


Erleuchte durch das Licht Deiner Erkenntnis all jene, welche vom orthodoxen Glauben abtrünnig und durch verderbenbringende Häresien geblendet worden sind und einige sie wieder mit Deiner heiligen, apostolischen und katholischen Kirche. (Verbeugung)

 


Für die Verstorbenen


Gedenke, Herr, aller entschlafenen heiligsten und rechtgläubigen Patriarchen, der hochgeweihten Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe; all derer, die Dir als Priester oder in anderen kirchlichen Ämtern sowie im Mönchsstand gedient haben, und gewähre ihnen Ruhe mit den Heiligen in den ewigen Wohnstätten.(Verbeugung)


Gedenke, Herr, der Seelen aller Deiner entschlafenen Diener, meiner Eltern, Vorfahren, aller Verwandten N.N. und vergib ihnen ihre absichtlich und unabsichtlich begangenen Sünden, indem Du ihnen Dein Reich und die Teilnahme an Deinen ewigen Gütern sowie die Wonne des endlosen und seligen Lebens schenkst. (Verbeugung)


Gedenke, Herr, all unserer in der Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben entschlafenen Väter, Brüder und Schwestern sowie aller rechtgläubigen Christen, die hier und allerorten ruhen; und laß sie mit Deinen Heiligen wohnen, wo das Licht Deines Antlitzes ihnen leuchtet, und erbarme Dich unser, denn Du bist gut und menschenliebend. Amen. (Verbeugung)


Gewähre, Herr, allen unseren Vätern, Brüdern und Schwestern, die vor uns im Glauben und der Hoffnung auf die Auferstehung heimgegangen sind, Vergebung der Sünden und laß ihnen ewiges Gedenken zuteil werden. (Verbeugung)

 

Oder statt dessen:

 

 

Kurzes Gebet für die Lebenden


Errette, Herr, und erbarme Dich meines geistlichen Vaters N. N., meiner Eltern N.N., Verwandten N.N., Vorgesetzten, Lehrer, Wohltäter, Freunde N. N. und aller orthodoxer Christen.

 


Kurzes Gebet für die Verstorbenen

 

Laß ruhen, Herr, die Seelen Deiner entschlafenen Knechte und Mägde: Meiner Eltern, Verwandten, Wohltäter N.N. und aller orthodoxer Christen, verzeih ihnen alle ihre gewollten und ungewollten Versündigungen und schenke ihnen das Himmelreich.

 

 

 

 

Private Fürbittgebete:

 

Gebet für die Lebenden

 

O Gott, unser himmlischer Vater, Du, der Du die Menschen liebst und überaus barmherzig und mitfühlend bist, erbarme Dich über Deine Knechte und Mägde N.N. für die ich Dich demütig bitte, und die ich Deiner großen Fürsorge und Deinem Schutz anbefehle. Sei Du, o Gott, ihr Führer und Wächter bei allen ihren Mühen; leite sie auf dem Pfad Deiner Wahrheit und ziehe sie näher zu Dir hin, auf dass sie ein gottgefälliges und gerechtes Leben in Deiner Furcht und Liebe führen und Deinen Willen immerdar erfüllen mögen. Gib ihnen Gnade, auf dass sie zurückhaltend, fleißig, fromm und nächstenliebend sein mögen. Beschütze sie vor den Angriffen des Feindes und gewähre ihnen Weisheit und Kraft, damit sie allen Versuchungen und Verdorbenheiten dieses Lebens widerstehen. Leite sie auf dem Weg der Errettung, durch die Weisungen Deines Sohnes, unseres Erretters Jesus Christus, und auf die Fürbitten Seiner Heiligen Mutter und Deiner gesegneten Heiligen. Amen.

 

Gebet für eine(n) Kranke(n)

 

O heiliger Vater, Du himmlischer Heiler unserer Seelen und Leiber, der Du Deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus gesandt hast, um unsere Krankheiten zu heilen und um uns vom Tode zu erlösen, besuche und heile Deinen Knecht (Deine Magd) N.N. und gewähre ihm (ihr) Erlösung von den Schmerzen und die Wiederherstellung von Gesundheit und Leben, auf dass er (sie) Dir Dank sagen und Deinen heiligen Namen, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Ewigkeiten der Ewigkeiten, preisen möge. Amen.

 

Gebet für die Entschlafenen

 

In Deine Hände, o Herr, befehle ich die Seelen Deiner Knechte und Mägde N.N. und flehe Dich an, ihnen Erquickung an Deinem Platz der Ruhe zu gewähren, dort, wo Deine gesegneten Heiligen weilen und wo das Licht Deines Antlitzes für immer erstrahlt. Und ich flehe Dich an: Gewähre, dass unser jetziges Leben gottgefällig, nüchtern und makellos sein möge. Auf dass wir, zusammen mit denjenigen, die wir lieben, aber nicht mehr länger zu sehen vermögen, des Eintritts in dein himmlisches Königreich gewürdigt werden. Denn Du bist die Auferstehung und das Leben und die Ruhe Deiner entschlafenen Knechte und Mägde, Christus, unser Gott, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen.

 

Quelle russische orthodoxe Kirche des heiligen Propheten Elias Stuttgart

 

 

 

Das bedeutendste Gebet für unsere Verstorbenen ist das Gebet während der Göttlichen Liturgie. Dafür geben wir die Namen unserer Verstorbenen - aber auch der Lebenden - die unserem Herzen nahe stehen, auf kleine Gedenkzettel (Pomjaniki) geschrieben zusammen mit einer Prosphore in den Altarraum, wo der Priester für sie während der Heiligen Proskomidie im Gebet gedenkt.

 

Außer dem wichtigen Gebet für die zu Gott Entschlafenen während der Feier der Göttlichen Liturgie können wir auch einen besonderen Totengedächtnisgottesdienst, Requiem oder  Panychida genannt, mit dem Priester zusammen in der Kirche beten. Dafür sprechen wir den Priester nach dem Gottesdienst an und vereinbaren mit ihm einen entsprechenden Termin für die Panychida. In vielen Gemeinden können wir dies auch mit den Kirchendienern am Kerzenverkaufstisch vereinbaren. Die Panychida wird traditionell am dritten, sechsten, neunten und vierzigsten Tag nach dem Tode eines orthodoxen Menschen gebetet. Danach ist es üblich, am Namenstag und dem Todestag unserer Angehörigen um das Gebet der Panychida zu bitten. Die Andacht der Panychida wird gewöhnlich am Samstag, dem wöchentlichen Gedenktag für die zu Gott Heimgegangenen, gebetet. Findet an diesem Tag die Feier der göttlichen Liturgie statt, so wird dabei die Ektenija für die Entschlafenen gebetet.

 

Für die Feier der Panychida werden zum Gedenken an die Seelenruhe der Verstorbenen Kerzen auf den Panichidentisch (Kanun) gestellt. Auf dem Kanoun befindet sich ein Kerzenständer, der vor einem großen Kreuz steht und sich in Größe und Form oft von anderen Kerzenständern unterscheidet – er ist größer und nicht rund, sondern quadratisch. Das griechische Wort “Kanoun” bedeutet Korb. In solchen Körben wurden in frühchristlicher Zeit Brote und andere Lebensmittel für die gemeinsame Tafel nach der Göttlichen Liturgie, das sogenannte Agape(= Liebes)-Mahl, in die Kirche gebracht. Auch die an der Panychida Teilnehmenden halten brennende Kerzen während der Gebetsandacht in ihren Händen, die kurz vor Ende der Panychida ebenfalls auf den Kanoun gestellt werden.

 

Neben dem kirchlichen Gedächtnis gibt es auch ein persönliches Gedenken an die Verstorbenen. Auch heute ist es nach der orthodoxen Tradition üblich, zum Gedenken an die Verstorbenen Kekse, Kuchen oder Piroggen am Ende der Panychida oder der Liturgie an die versammelten Gläubigen auszuteilen. Dabei bittet man Bekannte und auch Unbekannte, in der Kirche und beim privaten Gebet für jemanden, vor allem für die Entschlafenen, zu beten.

Hierbei sagt der Geber: "Zu Gedächtnis des entschlafenen Dieners/ der entschlafenen Dienerin Gottes (und nennt den Taufnamen)" Derjenige der die Gabe empfängt, antwortet: "Gott gebe ihm / ihr das ewiges Gedenken." Es ist gute orthodoxe Tradition, den Namen des dabei genannten nun für einige Zeit beim täglichen persönlichen Gebet für die Entschlafenen zu erwähnen. Die Idee des Brauches ist, dass wenn man die gute Gabe (Pomnika) genießt, so wird man sich bestimmt zum gegebenen Zeitpunkt auch an die Bitte erinnern und das Gebet nicht vergessen. Die traditionelle Speise für das Totengedenken ist in der orthodoxen Kirche jedoch nicht beliebig, sondern eine "Kolivva" oder "Kutja" genannte Speise aus gekochtem Weizen, der mit gemahlenen Nüssen und Honig vermischt ist. 

 

In orthodoxen Ländern gibt es arme und bedürftige Menschen, die vor fast jeder Kirche stehen und um eine milde Gabe bitten. Wenn sie von uns eine milde Gabe erhalten, so bitten wir sie ebenfalls, für diejenigen zu beten, deren Namen wir ihnen nennen.

 

Für das Seelenheil der zu Gott Entschlafenen können wir auch gute Taten vollbringen, die sie vielleicht während ihres irdischen Lebens vergessen oder auch bewusst unterlassen haben. So können wir in ihrem Namen kranke und alte Manschen besuchen, sie pflegen, Notleidenden helfen, milde Gaben an Bedürftige geben, Barmherzigkeit üben und andere karitative Tätigkeiten aus dem Geist der Nächstenliebe heraus verrichten. Dabei dürfen wir Gott bitten, dass ER diese guten Taten unseren verstorbenen Nächsten und allen, derer wir gedenken, in seiner liebenden Barmherzigkeit anrechnen möge.

 

Die orthodoxe aber auch die katholische und evangelische Kirche hat besondere Tage festgelegt, an dem die Gläubigen auf die Friedhöfe gehen, um die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen. Ein besonders wichtiger Termin ist der Dienstag in der zweiten Woche nach Ostern, der “Radonitza” genannt wird. An diesem Tag bringen wir die Freude der Lichten Auferstehung Christi zu unseren Verstorbenen und geben ihnen im Geiste den Osterkuss, eingedenk, dass auch wir früher oder später in jene andere Welt hinübergehen werden. Obwohl wir Lebenden die Größe der Auferstehung Christi von den Toten und die allgemeine Auferstehung noch nicht vollständig erfassen können, begreifen unsere verstorbenen Verwandten das Ostermysterium schon vollständig. Deshalb gibt es kein größeres Frohlocken bei ihnen als zu Pas´cha.

 

Der Friedhofsgang sollte immer mit dem Gebet am Grab verbunden sein. Auch sollten wir den Friedhof und die Gräber nicht nur am Tag des österlichen Totengedenkens besuchen. Es ist immer gut, zum Grab eines nahen Menschen zu gehen und an diesem Ort für die Ruhe seiner Seele zu beten. Hier ist das Gebet, wie viele Gläubige bemerken, irgendwie anders, gleichsam persönlicher und intensiver als zu Hause. Hier scheint es für uns leichter zu sein, für die Verstorbenen zu beten.

 

Der Alkoholgenuss bei Totenmählern ist ein alter Brauch, der sich von heidnischen Totenfeiern erhalten hat. Die orthodoxe Kirche hat zu allen Zeiten dagegen gekämpft, dass die Totengedenkmähler in regelrechte Saufgelage ausarten.

 

Die Gedenkgaben

 

“Gedenkgaben” (Pominki) sind Spenden, die mit der Bitte um das Gebet für einen bestimmten Menschen verbunden sind. Dabei kann es sich um eine Geldspende, um eine Ikone oder andere Sakralgegenstände für den kirchlichen Gebrauch, um finanzielle Mittel und materielle Gaben für die karitative und diakonische Arbeit der Gemeinde oder um aktive Hilfe oder auch um eine Arbeitsleistung  im kirchlichen Alltag handeln. Diese Gaben an eine Kirche oder ein Kloster werden mit der Bitte um das Gebet für bestimmte Menschen bei den Gottesdiensten verbunden. Solche Gedenkgaben können wir “für die Gesundheit” einer bestimmten Person oder "für die Hilfe" in einer schwierigen Lebensituation geben. Jedoch sind diese beiden Bitten nur zu Lebzeiten der Person möglich. Nach dem Tod wird das Gedenken “für die Gesundheit” zum Totengedächtnis "für die Seelenruhe" umgewandelt.

 

Die Gedenkgaben oder Stiftungen an die Kirche dürfen wir jedoch nicht magisch verstehen: Ich gebe eine (große) Gabe und nun muss mir Gott meinen Wunsch erfüllen. Ein solches Denken "Ich-gebe-damit-Gott-gibt" ist ein Überbleibsel des Heidentums. Gott führt unser Leben auf den Wegen Seiner für uns manchmal unbegreiflichen oder nur schwer zu verstehenden Vorsehung. ER gewährt uns Seine Gaben in der Art und Weise und in dem Maße wie es zu unserem Heile dient. Wir können Gott weder erpressen noch bestechen. Wir dürfen IHN aber bitten und dabei die Tiefe und Ehrlichkeit unserer Bitte auch mit einer Spende oder Stiftung ausdrücken.

 

Wir können in der Kirche auch Weizenmehl für das Backen der Prosphoren, Wein für die Liturgie, Öl für die Lampen, Kerzen, Stoff für liturgische Gewänder spenden. Dabei sollten wir jedoch vorher mit dem Priester sprechen, damit unsere Gabe auch den Bedürfnissen der örtlichen Gemeindekirche entsprechen.

 

 

Begräbnis oder Feuerbestattung- Überlegungen aus orthodoxer Sicht

 

Unter Leitung des Vorsitzenden Hierarchen S.E. Metropolit Augoustinos von Deutschland fand am 1. und 2. November 2012 die diesjährige Herbst-Sitzung der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) statt, auf der dieser Text beschlossen wurde.

 

 

In den verschiedenen Kulturen weisen die unterschiedlichen Bestattungsformen einen engen Zusammenhang mit religiösen und philosophischen Ansichten auf. Auch für die orthodoxen Christen in Deutschland ist die Frage, ob der Mensch begraben oder feuerbestattet werden soll, nicht unabhängig vom Glauben der Orthodoxen Kirche zu beantworten. Die folgenden Zeilen sind als eine theologische Reflexion zu verstehen, die dazu verhelfen soll, die Beantwortung dieser Frage zu ermöglichen. 

 

Historischer Überblick 

 

1. Sowohl in der griechischen Antike als auch in der hellenistischen und römischen Zeit war die Verbrennung der Toten neben der Erdbestattung gängige Praxis. Auch asiatische Religionen wie der Hinduismus und der Buddhismus praktizieren aus Glaubensgründen die Leichenverbrennung. Im Unterschied dazu war die Erdbestattung immer die übliche Praxis im Judentum und Islam. Religions- und kulturgeschichtlich sind auch andere Bestattungsformen bekannt, so z.B. die Übergabe der Verstorbenen an die Elemente Wasser und Luft. 

 

2. Christen haben sich schon in der Frühzeit von der Feuerbestattung distanziert. Darin ist nicht nur eine Glaubenshaltung zu erkennen, sondern auch eine klare Abgrenzung vom Heidentum. Im christlich werdenden Römischen Reich war es für die Kirche in Ost und West selbstverständlich, die Toten in der Erde zu bestatten – so selbstverständlich, dass kein ökumenisches oder lokales Konzil des ersten Jahrtausends dies eigens vorzuschreiben brauchte.

 

3. Während der Französischen Revolution setzte man sich dafür ein, die Feuerbestattung wieder einzuführen, als Ausdruck der Freiheit des Menschen und seines Selbstbestimmungsrechtes über „die eigene Asche“. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkte sich in Europa die Forderung nach einer Feuerbestattung. Während Arbeiterverbände und die aufkommende Sozialdemokratie darin eine kostengünstigere Bestattungsart sahen, propagierten antikirchliche Organisationen in bewusster Abgrenzung von der christlichen Bestattungskultur die Kremation. Das erste Krematorium in Deutschland wurde 1878 in Gotha eröffnet. Inzwischen sind in deutschen Großstädten mehr als die Hälfte aller Beisetzungen Feuerbestattungen.

 

4. In traditionell orthodoxen Ländern wurde die Feuerbestattung von Kirche und Staat abgelehnt. In Russland wurde sie erst unter der bolschewistischen Regierung 1920 eingeführt. Das erste Krematorium in Rumänien entstand 1928, in Serbien erst 1964. In Griechenland wurde die Kremation erst 2006 staatlich legalisiert, allerdings gibt es bis heute (2012) kein Krematorium im Land. Ebenfalls 2006 wurde sie in Zypern gestattet – sie ist jedoch nur für ausländische Staatsbürger zulässig. 

 

Biblisch-theologische Grundlage 

 

5. Generell gilt die Kremation im Alten Testament als tadelnswert. Wenn es die Leichenverbrennung erwähnt, kommt diese oft einer strafwürdigen Leichenschändung gleich: „Dies spricht der Herr: Wegen der drei Freveltaten Moabs und der vier werde ich es nicht schonen, denn sie haben die Gebeines des Königs von Idumäa zu Staub verbrannt“ (Am 2,1). Verbrennung von Menschen ist ansonsten Strafe für besonders schreckliche Sünden (Gen 38,24; Lev 20,14, 21,9; Jos 7,15; Jes 33,12). Selbst hingerichteten Straftätern kommt eine Beerdigung zu (Dt 21,23). Das Nichtbeerdigen ist oft Zusatzstrafe für besonders verruchte Menschen (1 Kö 21,23). Wie heilig der menschliche Leib ist, zeigt sich daran, dass Gott den Leichnam des Mose selbst beerdigt (Dt 34,6). 

 

6. Die Ehrfurcht der Kirche vor dem toten menschlichen Körper basiert vor allem auf dem Vorbild der Grablegung Christi (Joh 19,38-42). So war es den Christen grundsätzlich ein Anliegen, in der Nachfolge Christi und in der Erwartung der Auferstehung des Leibes beim Jüngsten Gericht in der Erde bestattet zu werden, wenngleich natürlich eine Zerstörung des Leibes durch Unfälle, Katastrophen usw. oder durch den Willen anderer nicht die Hoffnung auf die Auferstehung minderte. Bezeichnend in dieser Hinsicht ist das, was über die gallischen Märtyrer bei Euseb von Caesarea (gest. ca. 340) in seiner Kirchengeschichte berichtet wird: „Nachdem die Leiber der Märtyrer (…) sechs Tage unter freiem Himmel gelegen hatten, wurden sie von den Frevlern (d.h. die Verfolger) völlig verbrannt und ihre Asche in die nahe Rhône geworfen, damit auch kein Restchen mehr auf der Erde davon übrig bliebe. Ihr Handeln entsprang dem Wahne, Herr über Gott zu werden und die Auferstehung der Märtyrer zu verhindern“ (5,1,62). Dementsprechend zählte die Alte Kirche die Beerdigung von Toten zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. 

 

7. In der Heiligen Schrift und bei den Kirchenvätern wird der Mensch als Einheit von Leib und Seele angesehen. So lesen wir in einem Text, der dem Heiligen Justin dem Philosophen und Märtyrer (gest. ca. 165) zugeschrieben wird: „Was ist denn der Mensch, wenn nicht das aus Seele und Leib bestehende vernunftbesitzende Lebewesen?“ (Über die Auferstehung 8,8). Nach diesem Verständnis ist der Körper keineswegs ein Gefängnis der Seele, sondern ein integraler Bestandteil der menschlichen Person, die aus Körper und Seele besteht. Die Zusammengehörigkeit von Leib und Seele besteht auch nach dem Tod weiter. So betont der Heilige Maximos der Bekenner (gest. 662), dass diese Zusammengehörigkeit auch durch die Auflösung des Körpers und das Weiterbestehen der Seele nicht gefährdet wird, da Leib und Seele sozusagen das Siegel jenes Ganzen weiter tragen, zu dem sie gehörten, d.h. der einzigartigen menschlichen Person (PG 91, 1101B). 

 

8. Insofern ist die menschliche Natur, die der Sohn Gottes bei seiner Fleischwerdung mit sich vereinigte, eine vollständige, die aus Leib und rationaler Seele besteht. Dementsprechend ist jeder Christ in seiner Gesamtheit von Leib und Seele Mitglied der Kirche und nimmt dergestalt an ihren heiligen Mysterien [Sakramenten] teil, die das Heilswerk Christi vergegenwärtigen. Dieses Heilswerk, das auf die endgültige Überwindung von Tod und Sünde zielt, liegt der Hoffnung auf die Auferstehung zugrunde, mit der sich das Wissen um die Erweckung des Leibes in verklärter Form verbindet: „Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib“ (1Kor 15,42-44).

 

Praxis der Kirche 

 

9. Grundsätzlich gilt für die Orthodoxe Kirche: Die Toten werden unter kirchlicher Mitwirkung im Erdgrab bestattet. Dort mögen ihre Leiber, die in der Taufe Tempel des Heiligen Geistes geworden sind, bis zum Jüngsten Tag ruhen, an dem alle Toten aus den Gräbern auferstehen (1Thess 4,13-18) und vor das Gericht unseres menschenliebenden Herrn Jesus Christus treten werden. 

 

10. Die Orthodoxe Kirche hat allerdings nie verkannt, dass es Umstände geben kann, in denen eine Feuerbestattung gerechtfertigt sein kann (z.B. zur Abwehr einer Seuche). Da jedoch die Kremation bis in die Gegenwart hinein in vielen Fällen einen heidnischen Bezug hatte bzw. – besonders in der Neuzeit – eine Absage an die Auferstehungshoffnung beinhaltete, führte dies seitens der Kirche zum ausdrücklichen Verbot der Feuerbestattung oder zur Verweigerung des kirchlichen Begräbnisses im Falle einer Kremation. 

 

11. Inzwischen ist die antichristliche Motivation für die Kremation allerdings vielfach in den Hintergrund getreten oder sogar ganz verschwunden. Die starke Zunahme der Feuerbestattung in den letzten Jahrzehnten hat vielmehr oft ihren Hauptgrund in den deutlich höheren Kosten für eine Erdgrabstelle im Vergleich zum Urnengrab. In Deutschland steigt inzwischen die Rate der Feuerbestattungen jährlich, so dass auch zahlreiche orthodoxe Christen hierzulande aus praktischen Gründen dem Gedanken einer Kremation offener gegenüber stehen. Trotzdem ist darauf eindringlich hinzuweisen, dass für die orthodoxen Christen die Erdbestattung die normale und reguläre Form sein sollte. 

 

12. Wird dennoch eine Feuerbestattung gewünscht, ist immer zu prüfen, ob nicht eine Erdbestattung möglich ist. Hierzu ist ein entsprechendes Gespräch mit dem zuständigen Geistlichen notwendig, in dem geklärt wird, dass die Feuerbestattung den Glauben der Kirche widerspricht. Sollte sich dabei zeigen, dass die Feuerbestattung aus schwerwiegenden Gründen unausweichlich ist, muss geklärt werden, dass damit in keiner Weise eine Absage an den orthodoxen Glauben, insbesondere an die christliche Gewissheit von der Erwartung der „Auferstehung der Toten und Leben der künftigen Welt“ (Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel) verbunden ist. In diesem Fall wendet sich der Geistliche an den Diözesanbischof um Rat. 

 

13. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Geschöpf Gottes. Auch als Verstorbenem gebührt ihm eine Ruhestätte in der Erwartung des „mit Herrlichkeit Wiederkommenden, zu richten die Lebenden und die Toten“ (Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel). Diese Ruhestätte wird üblicherweise mit dem heiligen Kreuz als Zeichen der Auferstehung versehen. Von daher sind alle Formen sogenannter „anonymer“, d.h. grabloser Bestattungen, fragwürdig. Andere Formen, bei denen die Asche verstreut wird, oder sogenannte Luft-, See, Flug- oder Weltraumbestattungen sind abzulehnen und können liturgisch nicht begleitet werden. 

 

 

Quelle: http://www.obkd.de/Texte/BegraebnisoderFeuerbestattung.pdf 

 

 

 

Die griechische orthodoxe Trauerkultur siehe:

 

http://www.fof-ohlsdorf.de/kulturgeschichte/2000/71s19_nordgriechenland.htm